Blutwurst & Science Fiction

Interview mit James McAvoy zu Wanted

Schießereien und Verfolgungsjagden, brutale Prügeleien und ein Zungenkuss von Angelina Jolie: Jetzt ist James McAvoy, Europas verlässlichster Mädchenpulsbeschleuniger, aber endgültig in Hollywood angekommen. Klaus Hübner traf den frischgebackenen Actionstar in London.

James McAvoy wird nächstes Jahr 30, aber das merkt man nur, wenn man ihm gegenübersitzt. Das derzeit begehrteste Bubengesicht der Welt ist in Wirklichkeit eine unauffällige Erscheinung. Vor der Kamera ändert sich das. Seit 1995 kennt ihn Britannien aus dem Fernsehen, auf den internationalen Leinwänden hat er zehn Jahre später Fuß gefasst: Seine erste große Rolle war ein haariger Waldschrat im ersten Narnia-Film. Dann kam sein Hauptrollen-Einstand in Der letzte König von Schottland. Und seit er Anne Hathaways Jane Austen in Geliebte Jane verführte und dann mit Keira Knightley in Abbitte um die Wette litt, werden reihenweise Knie weich, wenn von ihm die Rede ist. In Wanted zeigt er wieder eine ganz neue Facette seines darstellerischen Wesens und bleibt doch der James McAvoy, den so viele gerne lieben würden. Das ist eine absolut klassische Starqualität. Außerdem kann man sich ziemlich gut mit ihm unterhalten.

SKIP: Dein erster Hollywood-Actionfilm hat dir einiges abverlangt. Gab’s Blutergüsse?

James McAvoy: Ja. In Wanted werde ich sehr oft verprügelt. Aber das Drehen von derartigen Szenen macht wirklich viel Spaß. Und ich liebe es, wenn ich geschlagen werde.

SKIP: Bist du Masochist?

James McAvoy: Ja, wahrscheinlich schon. Schmerz ist gut. Schmerz ist dein Freund.

SKIP: Hast du dir vor deiner Zusage Bekmambetovs bisherige Filme angesehen?

James McAvoy: Ja, und sie waren sehr ausschlaggebend dafür, dass ich in Wanted mitspielen wollte. An Wächter der Nacht gefällt mir besonders die Punk-Ästhetik und der sarkastische Humor. Außerdem hat Timur Bekmambetov nur schöne Leute gecastet, was besonders toll ist.

SKIP: Weil, in Wanted spielen ja nur häßliche Leute mit.

James McAvoy: Angelina Jolie ist sehr hübsch, aber ich würde nicht sagen, dass ich eine typische gutaussehende Actionheld-Figur bin. Eher der durchschnittliche Typ von nebenan.

SKIP: Nummer fünf unter den Sexiest Men Alive, laut People Magazin.

James McAvoy: Irregeführte Leute.

SKIP: Meine Kolleginnen stehen alle auf dich.

James McAvoy: Sehr schmeichelhaft. Vielen Dank.

SKIP: Was hast du getan, bevor du berühmt geworden bist?

James McAvoy: Ich hatte einige beschissene Jobs. Bedienungshilfe in der Monkey Bar in Glasgow, das war der schrecklichste von allen. Es gab kaum Trinkgeld.

SKIP: Da warst in einer Klosterschule … wie stehst du zu den religiösen Motiven in Wanted?

James McAvoy: Gott, Schicksal, Glaube, Glück, ich glaube nicht wirklich an solche Dinge. War mir aber nicht so wichtig bei diesem Film. Ein witziger Actionfilm, dachte ich mir, anders als die Filme, die ich bereits gedreht habe und eine gute Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren, ein guter Regisseur … und ein ganz wichtiger Punkt war die Gewalt, Wanted ist wie die Actionfilme der Achtzigerjahre, sehr gewalttätig und brutal. Das gefällt mir ausgesprochen gut.

SKIP: Im Film bist du in absoluter Topform, hast offenbar sehr viel trainiert. Ist das im alltäglichen Leben auch so?

James McAvoy: Nein. Ehrlich gesagt war ich seit Drehschluss, was acht Monate her ist, kein einziges Mal mehr im Fitnesscenter. Ich wollte im Film eigentlich auch meine Kleidung anbehalten, ich wollte nie mein Oberteil ausziehen, aber die Crew war sehr hartnäckig, also musste es sein.

SKIP: Wieso wolltest du das nicht?

James McAvoy: Weil ich schüchtern bin.

SKIP: Waren die Dreharbeiten lustig oder eher anstrengend?

James McAvoy: Anstrengend auf jeden Fall. Deshalb habe ich auch so viel trainiert. Die physisch herausfordernden Szenen, z. B. das Klettern, das drehst du ja nicht nur einmal, sondern bis zu zehnmal, wenn du da nicht fit bist, gibst du nach dem ersten oder zweiten Take auf. Das wäre natürlich nicht gegangen, also musste ich fit sein. Wenn du ein knappes Budget hast und der Dreh nicht länger als acht Wochen dauern kann für einen relativ aufwendigen Film, dann ist die Situation auch oft sehr angespannt und stressig. Man kommt kaum dazu, sich für zehn Minuten auszuruhen. Gleichzeitig braucht bei einem Film mit so vielen Special Effects und Stunts der Aufbau der Sets eine sehr lange Zeit. Das bedeutet, dass man manchmal um halb sechs oder halb acht in der Früh kommt und um halb vier am Nachmittag noch immer nichts gemacht hat. Dann liest man viel, spielt Scrabble und redet Schwachsinn. Ich habe auch während der Dreharbeiten geraucht, aber ich habe es geschafft, wieder aufzuhören.

SKIP: Was vermisst du am meisten an Schottland?

James McAvoy: Kantwurst.

SKIP: Aber die gibt’s doch sicher auch hier in London.

James McAvoy: Mein Vater ist Fleischhauer und hat ein ganz spezielles Rezept – diese Wurst bekomme ich nur dort. Aber ich steh auch total auf Irish Black Pudding (britische Frühstücks-Blutwurst, Anm.), und die krieg ich überall.

SKIP: Was machst du, um dich zu entspannen?

James McAvoy: Ich gehe gerne wandern, ich lese viel. Ich spiele und schaue gerne Fußball. Ich lese sehr gerne Science-Fiction-Romane, aber es ist sehr schwer, wirklich gute zu finden.

SKIP: Jetzt bist du also ein richtiger Superstar, geheiratet hast du auch kürzlich … wie gehst du jetzt mit deinem Leben um?

James McAvoy: Ich versuche, ruhig und gelassen zu bleiben. Ich gehe nicht auf viele Parties und ich nehme keine Geschenke oder andere Gratisangebote an, welche dir ständig gemacht werden, wenn du weißt, was ich meine. Ich erhalte mir so gut es geht meine Privatsphäre.

SKIP: Würdest du sagen, dass du im alltäglichen Leben eine eher langweilige Person bist?

James McAvoy: Naja, ich bin eigentlich stolz darauf. Ich bleibe zu Hause und lese, und ich gehe lieber in gemütliche Pubs als in Nachtclubs.  

SKIP: Wirst du wirklich in The Hobbit mitspielen?

James McAvoy: Nein, leider nicht. Alles nur Gerüchte.

SKIP: Was ist dann dein nächstes Projekt?

James McAvoy: Das weiß ich noch nicht genau. Ich werde mich jetzt mal entspannen und schauen, was auf mich zukommt.

Interview: Klaus Hübner / Juli 2008

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