Das Herz der Dinge

Interview mit Hafsia Herzi zu Couscous mit Fisch

César in Frankreich, Nachwuchsdarsteller-Preis in Venedig: Mit ihrer Rolle in Couscous mit Fisch gewann Hafsia Herzi die Herzen der Welt. SKIP traf die bezaubernde 21-jährige Französin mit maghrebinischen Wurzeln zum Exklusiv-Talk in Paris.

SKIP: Man hört oft, dass sich in Frankreich trotz vieler Rückschläge die Situation der jungen Menschen mit Migrationshintergrund etwas gebessert hat. Können Sie das nachvollziehen?

Hafzia Herzi: Ich glaube, dass viele der Schwierigkeiten von Migranten auf mangelnde Bildung zurückzuführen sind. Viele der maghrebinischen Einwanderinnen der Generation meiner Mutter konnten nicht einmal lesen und schreiben, geschweige denn Französisch sprechen. Natürlich war es da schwierig, einen entsprechenden Arbeitsplatz zu bekommen. Und es gab sicher auch Ressentiments wegen ihrer Herkunft, aber das ist Gott sei Dank kontinuierlich am Verschwinden.

SKIP: Sie selbst haben einen tunesisch-algerischen Familienbackground – hatten Sie deshalb nie Probleme in Frankreich?

Hafzia Herzi: Nein, ganz und gar nicht, ich kann mich nicht beschweren. Klar, in Filmen kann ich nicht alles spielen.

SKIP: Inwiefern?

Hafzia Herzi: Naja, Schwarze lassen sie mich wohl keine darstellen (lacht). Wohl auch kein Kind von blonden Eltern. Aber sonst bekomme ich mittlerweile alle möglichen Rollen angeboten, keineswegs nur Einwandererschicksale. In meinem nächsten Film spiele ich z. B. eine Journalistin.

SKIP: Stimmt es, dass Sie ursprünglich gar nicht Schauspielerin werden wollten, sondern Jus studiert haben?

Hafzia Herzi: Ich habe zwei Jahre lang studiert, stimmt. Aber eigentlich wollte ich immer Schauspielerin werden, im Grunde war das Studium nur so was wie Gewissenberuhigung. Und nach der internationalen Beachtung von Couscous mit Fisch habe ich mein Studium schließlich abgebrochen und bin nach Paris gezogen.

SKIP: Sie sehen in natura viel schmäler aus als im Film …

Hafzia Herzi: Das liegt daran, dass ich beim Dreh 15 Kilo mehr auf den Rippen hatte. Der Regisseur hat mich darum gebeten, und es hat mir auch wirklich sehr geholfen, diese Figur zu verkörpern – im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist mir erst im Laufe des Drehs wirklich aufgefallen. Ich esse gerne in dem Film und bin stark, und dazu brauche ich mehr Gewicht. Vor allem habe ich ja eine nicht unwesentliche Bauchtanzszene, und dafür braucht man eben auch ein bisschen … Speck (lacht).

SKIP: Und wie haben Sie in der Vorbereitung in kurzer Zeit so viel zugenommen?

Hafzia Herzi: Ich habe viel Pizza und Nudeln gegessen und nie etwas übrig gelassen. Das viele Essen war quasi Teil meiner Arbeit. Oft bin ich drei Stunden vor meinem Teller sitzen geblieben, um nur ja alles aufzuessen. Couscous allerdings nicht, den mag ich gar nicht so gern (lacht).

SKIP: Wie haben Sie die Kilos dann wieder runtergebracht?

Hafzia Herzi: Erst nach dem Dreh ist mir richtig aufgefallen, wie sehr ich eigentlich zugenommen hatte (lacht). Es war nicht einfach, ich wollte keine richtige Diät machen – letztendlich ging es dann wie von alleine, aber es hat immerhin ein halbes Jahr gedauert.

Interview: Kurt Zechner / Januar 2008

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