Come on, Baby

Interview mit Constantin Wulff zu In die Welt

Zeit im Bild: In die Welt-Regisseur Constantin Wulff ist als Filmemacher und Mitbegründer der Produktionsfirma Navigator Film einer der Protagonisten des österreichischen Dokumentarfilms.

SKIP: Was hat Sie als Mann am Thema Geburt derart fasziniert, dass Sie darüber einen Film gedreht haben?

Constantin Wulff: Rückblickend waren das natürlich die Geburten meiner beiden Töchter – aber neben den ganz persönlichen Erfahrungen auch die Erkenntnis, was sich um die Geburt an sich alles abspielt. So eine Geburtenstation funk­tioniert quasi wie ein Durchlauferhitzer: Man kommt rein, das Kind kommt raus, dann geht man wieder. Und trotzdem ist das Geschehen dort unglaublich vielschichtig. Dieses Aufeinanderprallen von sehr persönlichem Ereignis und ganz großer Routine und Institutionalisierung, diese Konfrontation von Individuum und Gesellschaft habe ich in der Form noch nie erlebt.

SKIP: Sie haben In die Welt rein aus der Perspektive des Beobachtenden gedreht, es gibt keine Interviews, keine Erklärungen, keinen Kommentar. Wieso haben Sie sich für dieses Format entschieden?

Constantin Wulff: Ich betrachte die Wirklichkeit gern aus Augenhöhe. Und ich mag keine Filme die Thesen verbreiten oder didaktisch sind. Ich versuche, ohne vorgefasste Meinung an mein Thema heranzugehen und möglichst offen zu sein für alles, was da kommt. Und so war jede Szene eine Überraschung für uns alle, es war nicht vorbesprochen, es ist nichts inszeniert oder arrangiert. Das Einzige, was wir gemacht haben, war, von jeder Person, die im Film vorkommt, eine Erlaubnis einzuholen, dass wir filmen dürfen. Alles andere war völlig offen.

SKIP: Und diese Erlaubnis haben Sie immer so ohne weiteres bekommen?

Constantin Wulff: Ja, viele haben sich gefreut, dass die Geburt ihres Kindes so dokumentiert wird. Mein Team war aber auch sehr klein – nur Kameramann, Regieassistentin und ich.

SKIP: Wieviel Material hatten Sie schlussendlich?

Constantin Wulff: Wir hatten etwa 80 Stunden Material, und das haben wir dann verdichtet auf knapp 90 Minuten – ein Prozess, der fast ein Jahr lang gedauert hat. Es war mir immer wichtig, einen Film zu machen, der nicht langweilig ist. Das braucht viel Arbeit.

SKIP: Es ist fazinierend, wie fordernd und heftig die mitgefilmten Geburten in Ihrem Film für den Betrachter sind …

Constantin Wulff: Wir kennen das alle aus dem Hollywood-Kino: Großaufnahme der Frau, aus dem dem Off hört man „Pressen, pressen!“, Schnitt, die glückliche Mutter hält das saubere Kind im Arm. Oder diese Reality-TV-Formate, wo es ja nur darum geht, was so ein Krankenhaus für reißerische, dramaturgische Höhepunkte bietet. Doch alles, was ich selber in der Geburtenstation erlebt habe, hatte damit überhaupt nichts zu tun.

SKIP: Hatten Sie eigentlich nie den Wunsch, die Geburt Ihrer eigenen Kinder zu filmen?

Constantin Wulff: Nein, nie. Ich hätte es nie erlaubt, dass eine Kamera dabei ist, wärhend meine Frau ein Kind bekommt (lacht)!!

SKIP: Was hat Sie, wie Sie diesen Film gemacht haben, eigentlich am meisten überrascht?

Constantin Wulff: Wie sehr in der Semmelweis-Klinik noch eine Begeisterung für den Beruf herrscht – auf allen Ebenen. Da kommen 3000 Kinder im Jahr auf die Welt, ich hätte erwartet, dass sich das irgenwie mit der Zeit abnützen muss. Aber das Erlebnis Geburt ist so stark, dass es nie aufhört, auf alle Beteiligten zu wirken.

Interview: Gini Brenner / Oktober 2008

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