Owen rennt

Interview mit Clive Owen zu The International

Viele hätten den dunkelhaarigen Briten mit dem kantigen Sexappeal gerne als neuen Bond gesehen. Clive Owen baut sich als charismatischer Hero in The International von Tom Tykwer (Lola rennt, Das Parfum) lieber seine eigene Agenten-Legende. SKIP traf ihn zum Exklusiv-Interview in London.

SKIP: Sie waren nach Pierce Brosnan lange Zeit als sein Bond-Nachfolger im Gespräch …

Clive Owen: (lacht) Ich habe das nie wirklich so ernst genommen. Außerdem bin ich sehr glücklich mit den Rollen, die ich spielen darf. The International ist ein sehr starker Film, ich habe das Skript von Anfang an geliebt, weil es mich an die klassischen, leicht paranoiden Politthriller der 70er-Jahre erinnert – The Parallax View (Zeuge einer Verschwörung, Anm.), French Connection und so weiter.

SKIP: Wie viele Ihrer Stunts in The International haben Sie selbst gemacht?

Clive Owen: Schon einige. Aber der Film war physisch sehr anstrengend für mich, die langen Szenen im Guggenheim Museum z. B. Und ab einem gewissen Punkt hab ich echt kein Problem damit, dass ein Typ, der fast genauso aussieht wie ich, freundlicherweise über-nimmt (lacht). Ich bin keiner von den Schauspielern, die ständig erzählen, dass sie jeden einzelnen Stunt selbst gemacht haben. Das ist oft doch gar nicht notwendig, und ich bin dann sehr froh darüber, wenn ich einem guten Stuntman einen Job geben kann.  

SKIP: The International beschäftigt sich mit den krummen Machenschaften einer internationalen Großbank, ein sehr aktuelles Thema …

Clive Owen: Stimmt – das wir so brandaktuell werden, war eigentlich gar nicht geplant (lacht). Die wahren Ausmaße der Bankenkrise wurden erst bekannt, als wir den Film längst fertig hatten. Das ist einfach nur perfektes Timing.

SKIP: Glauben Sie, dass die Krise die Menschen nun dazu bringt, bewusster und sorgfältiger mit ihrem Geld umzugehen?

Clive Owen: Ich denke schon. Bisher haben die Leute ihre Ersparnisse einfach auf die Bank gebracht und relativ blind darauf vertraut, dass sie gut verwendet werden und sicher sind. Jetzt sind viele aufgewacht und denken auch mal darüber nach, wo ihr Geld eigentlich ist, was damit gemacht wird – und von wem. Da hängen dann viele große Themen dran: Waffenhandel, Korruption … Und unser Film thematisiert das bis zu dem Punkt, wo man sich wirklich selbst fragt, ob das Geld, dass da auf unserem Gehaltskonto landet, wirklich adäquat verwendet wird. Und ausserdem behandeln Banken dich immer nur fein, solang du Geld hast, aber sofort ganz übel, wenn du strauchelst – das sollte auch mal erwähnt werden (lacht).

SKIP: Wie ist eigentlich Ihr persönliches Verhältnis zum Kapital? Viele Schauspieler verweigern sich der Werbung, besonders für Marken von Großkonzernen. Sie offenbar nicht ...

Clive Owen: Ich muss gestehen, ich nehme die Sachen so, wie sie kommen. Ich würde nie sagen, dass es unglaublich cool ist, für Werbespots zur Verfügung zu stehen – aber strikt ablehnen will ich es sicher nicht. So viel Werbung habe ich ja noch nicht gemacht – und die BMW-Kampagne mit eigens gedrehten Kurzfilmen von Spitzenregisseuren war schon toll, da bin ich stolz, mit dabei gewesen zu sein.

SKIP: In The International geben Sie einfach nie auf – sind Sie selbst eigentlich bei irgendetwas auch so hartnäckig?

Clive Owen: Nein, ich bin eigentlich kein sehr obsessiver Typ. Gerade deshalb hat mich ja auch diese Rolle so interessiert. Meine Figur Salinger ist ein Mann, der total auf sein Ziel fokussiert ist, der sich auf nichts anderes konzentriert, auch wenn rund um ihn die Welt untergeht. Ich war nie so. Klar ist mir meine Arbeit auch wichtig, aber es gibt daneben immer noch andere Dinge, denen ich meine Aufmerksamkeit schenke.

SKIP: Ihrer Familie zum Beispiel.

Clive Owen: Ja, genau.

SKIP: Hatten Sie nie das Gefühl, dass Ihre Karriere anders verlaufen wäre, wenn Sie nicht Ehemann und Vater wären?

Clive Owen: Erstaunlicherweise nein, gar nicht. Aber alle Lorbeeren dafür gebühren ausschließlich meiner Frau Sarah-Jane. Sie hat mir immer volle Freiheit bei meinen Karriereentscheidungen gegeben, ich musste also nie Rollen nach dem Drehort aus­suchen. Zum Beispiel habe ich gerade drei Monate in Australien gedreht. Das war natürlich sehr hart für uns und für die Kinder. Aber ich achte immer darauf, dass es eine Balance gibt und ich nach so langer Abwesenheit dann auch eine lange Auszeit habe.

SKIP: Ist das das Geheimnis Ihrer glücklichen Familie? Sie leben ja als einer der ganz wenigen Celebrities seit vielen Jahren happy und in Frieden ...

Clive Owen: Das Geheimnis ist simpel: Ich habe mir einfach eine tolle Frau ausgesucht (lacht).

SKIP: … die sich offensichtlich auch einen tollen Mann ausgesucht hat: Sie tauchen ständig in sämtlichen „Sexiest Men“- oder „Best Dressed Men“-Listen auf. Was bedeutet Ihnen das?

Clive Owen: In erster Linie Schmach von Seiten meiner Töchter. Letztens haben sie wieder mal so eine Liste gefunden und quer durchs Haus gekreischt: „Papa soll sexy sein? Iiiih, wie ekelhaft!“ (lacht). Also da war ich echt sprachlos.

SKIP: Mr. Owen, Sie sind, wie Sie oft erwähnen, ein glühender David-Bowie-Fan. Wie kam es dazu?

Clive Owen: Ganz einfach: Ich habe irgendwann einen Song von ihm gehört, und das war’s (lacht). Ich war wirklich verrückt nach Bowie als Teenager. Bowie war wohl der größte Einfluss in meinem Leben, größer als jeder Film oder Schauspieler. Ich verliebte mich als Kind in seine Arbeit und bin immer noch ein ganz großer Fan.

SKIP: Gehen Sie auch auf seine Konzerte?

Na klar, immer wieder.

SKIP: Ich nehme an, Sie haben ihn mittlerweile auch getroffen?

Clive Owen: Ja, schon öfter, aber leider immer nur recht oberflächlich vor Konzerten. Und ich war jedes mal total schüchtern und nervös. David Bowie und Steven Gerrard (Fußballer beim FC Liverpool, Anm.) können mich völlig aus der Fassung bringen, so sehr verehre ich sie. Jede Schauspiel-Legende kann ich problemlos treffen, aber die beiden nicht (lacht).

Von einem derart coolen Typen kann man nie genug haben. Schon im März startet Clive Owens nächster Film, die Agentenkomödie Duplicity – und deshalb gibt’s im demnächst den zweiten Teil unseres Exklusiv-Interviews!

Interview: Kurt Zechner / Dezember 2008

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