Knochenarbeit

Interview mit Josef Hader zu Der Knochenmann

Zwischen Schweinehälften und Leasingraten spielt Josef Hader einen Detektiv, der das Scheitern zum Prinzip erhoben hat: Im SKIP-Interview erklärt der Schauspieler und Kabarettist, warum er manchmal nicht so viel Fleisch isst, warum Der Knochenmann so düster ist, und was eigentlich so klass ist am Brenner.

SKIP: Herr Hader, Sie spielen jetzt schon zum dritten Mal den Detektiv Brenner. Was gefällt Ihnen denn so an ihm?

Josef Hader: Mir gefällt der leichte Trotz und das Unsouveräne - dass er letztendlich nix weiterbringt, es aber mit Würde erträgt. In Wirklichkeit würde man ihn wohl kaum aushalten können. Denn was ist das für ein Mensch, der einmal Kaufhausdetektiv ist, und dann bei einer Leasingfirma arbeitet und Autos einkassiert, und immer in furchtbare Geschichten hineingezogen wird? Warum macht der keine normalen Dinge? Irgendeinen völligen Hau muss der schon haben. Dem Brenner ist nie irgendetwas gelungen, der hat so einen beleidigten Blick aufs Leben. Und daraus ergibt sich, wie der schaut, wie sich der bewegt. Das war gleich beim ersten Film so.

SKIP: Wie hat sich der Grundton der Brenner-Filme über die Jahre verändert?

Josef Hader: Manchmal hat einer von uns eine depperte Idee, und wir stellen dann fest: Bei Komm, süßer Tod hätten wir das noch machen können, aber hier nicht mehr. Das hat aber nichts damit zu tun, dass sich die Filme aufeinander beziehen. Das hat mehr mit unserer eigenen Entwicklung zu tun: Wie wollen von Film zu Film näher zu einer Wahrheit hin, weg von der Klamotte hin zu sehr ernsthaften, harten Konflikten - bei aller Lustigkeit. Und da gibt es dann plötzlich bestimmte Witze, die gehen nicht mehr.

SKIP: Wie kann man sich diesen ernsthaften Brenner-Film vorstellen?

Josef Hader: Der Hauptunterschied ist, dass es in den ersten beiden Filmen Institutionen im Mittelpunkt gestanden sind. In Komm, süßer Tod waren es die Rettungsorganisationen, und in Silentium die Kirche und die Salzburger Festspiele. Hier geht es nur um einzelne Menschen, die in furchtbare Abhängigkeiten verstrickt sind. Ganz zufällig wird der Brenner in eine unglaublich wilde Geschichte hineingezogen. Und alles endet ziemlich katastrophal - wieder einmal so, dass der Brenner eigentlich nicht der Held ist, der irgendetwas löst. Eigentlich ist er eher der, der schlimme Dinge auslöst und nicht wirklich helfen kann. Er weiß am Ende genauso viel wie am Anfang und fahrt wieder. Er ist so ziemlich das Nachlässigste an Held, was man sich denken kann.

SKIP: Können Sie jetzt noch ein Backhendl anschauen?

Josef Hader: Ich muss ja im Film selber gar nicht viel essen. Aber Fleisch ist überhaupt ein großes Problem, weil es gibt da diese Szene in einem Schlachtraum, und wir mussten zwischen Schweinshälften herumkämpfen. Die Schweinshälften sind eine Woche da drinnengehängt und nicht ausgetauscht worden, und die Kühlung ist immer runtergeschaltet worden, wenn wir gespielt haben. Das war am Schluss dann doch recht streng vom Geruch her. Insofern hat man dann gleich gesehen  beim Catering, dass da gar nicht so viel gegessen wurde an diesen Drehtagen. Aber am nächsten Tag hat der Sepp Bierbichler schon Weißwürscht gegessen. Wobei, die sind ja eh fast vegetarisch.

Interview: Magdalena Miedl / Januar 2009

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