Wilde Sorte

Interview mit Heike Makatsch zu Hilde

Im richtigen Leben rührt sie keine Zigaretten mehr an – doch für die Rolle als Hildegard Knef paffte sie noch einmal ordentlich: Heike Makatsch ist Hilde, die Grande Dame des deutschen Chansons.

SKIP: Sie sind doch eigentlich viel zu jung, um die Knef richtig gekannt zu haben. Was wussten Sie vor dem Dreh von ihr?

Heike Makatsch: Ich dachte immer, Hildegard Knef ist eine alte Dame und hat irgendwann mal Schlager gesungen. (lacht) Nachdem ich mich dann aber lange mit ihren Chansons befasst hatte, die ihr künstlerischer Zenit waren, sah ich die Lieder wirklich als poetische Werke an, die von ihr unerreicht interpretiert wurden. Ich wüsste keine vergleichbare Künstlerin, die so eigenwillig und so intuitiv und wahrhaftig deutsche Chansons singt.

SKIP: Welche Rolle hat die Musik für Sie gespielt, um ihre Persönlichkeit zu erschließen?

Heike Makatsch: Hildegard Knef hat durch die Musik erst ihre Stimme als Künstlerin gefunden. Das erzählen wir im Film, das hatte ich aber auch schon vorher entdeckt. Ihre Texte sind sehr offen, poetisch, aber halten gar nicht hinterm Berg mit den vielen verschiedenen Seiten, die sie besaß. Man konnte immer in ihr Herz hören, und ich glaube, das hat mir am meisten geholfen. Kaum dachte ich, sie sei stark und selbstbewusst, höre ich, sie ist ganz anlehnungsbedürftig und unsicher. Tut sie nur so? Wer ist sie wirklich?

SKIP: Was haben Sie im Zuge des Hilde-Drehs von ihr gelernt?

Heike Makatsch: Sie hat es ganz selbstverständlich genommen, Frau zu sein, und hat deswegen nie auf etwas verzichtet. Da war sie sehr emanzipiert, ohne diesen theoretischen emanzipatorischen Überbau. Sie hatte keine politische Botschaft oder den Wunsch, die Frauen von der Männergeißel zu befreien, aber sie hatte das Gefühl, dass ihr alles ganz selbstverständlich zusteht. Auf der einen Seite zumindest. Auf der anderen Seite war sie auch sehr von Selbstzweifeln gequält.

SKIP: Es ist sehr mutig, dass Sie im Film selbst gesungen haben – stand es jemals zu Debatte, nicht zu singen?

Heike Makatsch: Nicht wirklich, aber das fand ich auch toll. Ich wusste, ich krieg jetzt ein Jahr Gesangsunterricht bezahlt, da kamen immer die Gesangslehrerin und der Klavierspieler zu mir nach Hause. Ich wollte das immer schon einmal machen, und das war auch wichtig, denn ich hab immer gewusst: Wenn ich das nicht hinbekomme, dann kann ich sie auch nicht spielen, denn der Gesang ist doch das, was sie ausgemacht hat.

SKIP: Sie hatten in den letzten beiden Jahren gleichzeitig zwei monumentale Erfahrungen: Die Hilde – und Ihr eigenes Kind ...

Heike Makatsch: Beim Dreh war die Mieke schon eineinhalb, schon ganz selbständig, wir haben ihr einen Haustürschlüssel gegeben (kichert) – nein, natürlich nicht. Ja, das war ein großes Experiment, aber wir hatten ein tolles Kindermädchen, und Mieke war bei jedem Dreh dabei. Sie hat im Trailerpark der Filmschaffenden viele Freunde gefunden, es war für sie eine echt gute Erfahrung. Ich bin in den Drehpausen – stöckel, stöckel, stöckel – mit immer wieder neuen Haaren zu ihr hin: "Hallo Schatz!" Aber irgendwann kannte sie alle Perücken, dann war das auch kein Problem mehr (lacht).

Interview: Magdalena Miedl / Februar 2009

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