Weich wie Stahl

Interview mit Armin Mueller-Stahl zu The International

In The International spielt Kino-Grand­seigneur Armin Mueller-Stahl einen skrupellosen Gentleman-Bösewicht. Im ­Exklusiv-Interview gab er sich sensibel.

SKIP: Sie blicken auf eine lange, erfolgreiche Karriere zurück. War Schauspieler eigentlich ihr Traumberuf?

Armin Mueller-Stahl: Nein, ich wollte immer Dirigent werden. Mit der Schauspielerei habe ich nur zu Ehren meines Vaters begonnen. Es war sein Lebenstraum, den er nie verwirk­lichen konnte. Er wurde von den Deutschen erschossen, acht Tage vor Kriegsende … Zu Beginn meiner Karriere spielte ich oft Shakespeare – aber ziemlich schlecht. Ich war ein junger Mann, also besetzte man mich als jugendlichen Liebhaber. Da ich aber unbedingt Charakterdarsteller sein wollte, habe ich meine Parts immer mit "Charakter"
ausgestattet – oder dem, was ich darunter verstand: Stottern oder Hinken … schrecklich! (lacht).

SKIP: Und wie sind Sie draufgekommen, dass das der falsche Weg war?

Armin Mueller-Stahl: Gerhart Hauptmann hat mir in Die Ratten meine erste wirkliche Charakterrolle gegeben – das war ein großer Erfolg, und ich hatte endlich begriffen, worum es ging (lacht). So bin ich doch bei der Schauspielerei geblieben.

SKIP: Sie waren in letzter Zeit in viele große, internationale Filmprojekte involviert, wie Tödliche Versprechen – Eastern Promises und jetzt The International. Wie schwierig ist die Zusammenarbeit mit Kollegen aus so vielen verschiedenen Ländern und Kulturen?

Armin Mueller-Stahl: Die Kunst ist ja generell etwas Internationales, und ich sehe die Aufgabe eines Künstlers darin, zwischen den Kulturen zu vermitteln, Brücken zu bauen. Das darf man natürlich nicht überbewerten. Es wäre vermessen, zu behaupten, man kann mit Filmen die Welt verändern. Aber man kann’s ja mal versuchen (lacht). Vieles, was getan wird, ist nicht mehr als der sprichwörtliche Tropfen im Ozean. Aber das bedeutet nicht, dass es deshalb verloren ist – ein Ozean ist ja nichts anderes als ganz viele Tropfen.

Interview: Gini Brenner / Februar 2009

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