Sweet Charlize

Interview mit Charlize Theron zu Sweet November

Charlize Theron ist Südafrikas blondester Export seit Howard Carpendale. Doch im Gegensatz zum Schnulzen-Kaiser steckt bei ihr das Schmalz im Hirn und nicht in der Kehle, wie SKIP-Redakteur Kurt Zechner beim Interview in Hamburg herausfand.

SKIP:In Sweet Novemberverkörpern du und Keanu Reeves zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Einer eurer Kollegen meinte in einem Interview, in Wirklichkeit würde sich das nicht anders verhalten ...

Charlize Theron: Eines der größten Vorurteile gegenüber Keanu ist, dass er so ein ernster, scheuer Sonderling sein soll. Stimmt überhaupt nicht. Wenn man ihn besser kennt, merkt man erst, welch großartigen Sinn für Humor er hat. Aber er ist auch sehr belesen und clever. Und ja, wir sind definitv sehr verschieden – denn ich bin viel doofer als er (lacht).

SKIP: Und wie hast du dich vor dem Charme von Mr. Reeves geschützt? Ist er wirklich so ein Womanizer, wie ihm gerne unterstellt wird?

Charlize Theron: Keanu ein Womanizer? Das ist definitiv Quatsch. Wir sind seit unserer Zusammenarbeit bei Im Auftrag des Teufels gut befreundet, und ich kenne ihn nur als ausgesprochen höfliche und respektvolle Persönlichkeit.

SKIP: Sweet November ist ein Remake des Liebesdramas Adieu, geliebter November aus dem Jahr 1968. Hast du selbst irgendeinen Lieblingsfilm, von dem du gerne ein Remake machen würdest?

Charlize Theron: Keinen speziellen. Ich bin nicht so wie viele meiner Hollywood-Kollegen, die ständig betonen, dass sie selbst nie ins Kino gehen. Ich bin eine leidenschaftliche Kinogeherin, und nur deshalb stehe ich auch so aufs Filmemachen.

SKIP: Gibt es noch Momente, wo du beim Zusammentreffen mit Filmgrößen wieder zum Fan wirst – obwohl du jetzt selbst ein Superstar bist?

Charlize Theron: Aber sicher! Wenn ich mit Leuten wie Robert Redford oder Woody Allen zusammenarbeiten darf, dann werden mir schon die Knie weich, und ich denke mir: "Wow, ich habe ihre Filme immer geliebt, und jetzt stehe ich selbst mit ihnen am Set!"

SKIP: Weil du Woody Allen erwähnst – fühlst du dich nicht sehr geehrt, dass er dich nach Celebrity nun in seinem neuesten Film The Course of the Jade Scorpion schon zum zweiten Mal dabei haben wollte?

Charlize Theron: Na was glaubst du! So oft passiert das ja bei Woody nicht. Ich war schon bei Celebrity stolz wie ein Hutschpferd, als ich gefragt wurde. Jetzt beim zweiten Mal war ich regelrecht sprachlos. Ich bin schon gespannt auf das Resultat, wenn der Film demnächst in den USA rauskommt. Denn ich weiß ja kaum was darüber.

SKIP: Es stimmt also tatsächlich, dass die Schauspieler bei Woody kein ganzes Skript bekommen, sondern nur die Seiten, die sie gerade betreffen?

Charlize Theron: Absolut, Woody erzählt dir gar nichts. Wahrscheinlich hat er sogar den Journalisten mehr verraten als uns Schauspielern (lacht). Ich hab’ keine Ahnung, worum’s in dem Film geht. Vielleicht komme ich am Ende gar nicht mehr darin vor (lacht). Ich gebe hier bei dir groß damit an, und am Ende bin ich gar nicht drin – das wäre ganz schön peinlich. Aber bei Woody hast du sowas nie in der Tasche.

SKIP: In deiner Karriere ist in den letzten Jahren so viel passiert. Wenn du da zurückblickst, wie fühlt sich dieser Aufstieg an?

Charlize Theron: Ich hatte sehr viel Glück. Als Schauspieler will man einfach viel drehen, und diese Möglichkeit hatte ich die letzten Jahre. Das Material, die Regisseure und die Kollegen, mit denen ich dabei arbeiten durfte, waren von derartig hohem Kaliber, dass ich mich nur geehrt fühlen kann.

SKIP: Kommst du mit deiner Hollywood-Karriere heute nicht auch oft in so eine Workaholic-Lebenssituation wie Keanu in Sweet November, wo du vor lauter Terminen auf dein eigenes Leben vergisst?

Charlize Theron: Nein, keine Sorge. Ich habe immer viel Wert darauf gelegt, auch ein Leben neben der Arbeit zu haben. Ich liebe meinen Job, aber es gibt auch andere Dinge, die mir wichtig sind. Denen schenke ich stets genügend Aufmerksamkeit.

SKIP: Du hattest kürzlich Wirbel wegen einer Anti-Vergewaltigungs-Kampagne, die du fürs südafrikanische TV gemacht hast. Was war der Anlass?

Charlize Theron: In Südafrika wird eine von drei Frauen einmal in ihrem Leben vergewaltigt. Und es wird nichts dagegen unternommen. Vergewaltiger laufen frei herum, die Frauen zeigen sie nicht mal mehr an, weil sie sowieso nicht verfolgt werden. Deshalb wollte ich das Thema in die Öffentlichkeit tragen. Der Spot wurde aber aus dem Programm genommen, weil sich 28 Kerle darüber beschwert hatten, dass ich darin alle Männer als Vergewaltiger hinstellen würde. Die Typen haben ganz offensichtlich ein schlechtes Gewissen. Mittlerweile sind wir bis zum Obersten Gerichtshof gegangen, jetzt müssen sie den Spot wieder zeigen, weil diese Einwände einfach dumm waren. Wir haben nun auch viele männliche Celebrities für die Sache gewinnen können, vor allem Sportler.

SKIP: Man sagt ja oft, dass Männer erstens Angst vor schönen und zweitens vor intelligenten Frauen haben. Du bist beides. Wie gehen die Männer damit um?

Charlize Theron: Ich glaube, Menschen haben generell vor jemandem Angst, der eine definierte Meinung hat. Das wirkt auf viele bedrohlich. Ich war nie so drauf. Ich sage immer laut, wenn mir was nicht passt.

SKIP: Wie gehst du generell mit den vielen Gerüchten um, die über dich und deine angeblichen Beziehungen mit diversen Hollywood-Kollegen im Umlauf sind?

Charlize Theron: Ich lache darüber. Ich liebe diese Gerüchte und bin ganz gierig darauf, neue zu erfahren. Das ist wie ein geheimes zweites Leben, das ich vermeintlich führe und von dem ich gar nichts weiß. Dieses Gossip-Zeug sollte nur Spaß machen, sobald du das zu ernst nimmst, ruiniert es dein Leben.

SKIP: Was ist das Verrückteste, das du je über dich gehört hast?

Charlize Theron: Eine andere Journalistin hat mir vorhin irgendwelche Zungenkuss-Tipps aus einem Magazin vorgelesen, die angeblich von mir stammen sollen. Das fand ich ziemlich bizarr. Und abgesehen davon – wenn ich schon Ratschläge für Zungenküsse geben würde, dann wären die sicher fundierter als die schrecklichen Tipps, die da drinnen standen.

Interview: Mai 2001

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