Zwischen Bär und Bett

Interview mit Birgit Minichmayr zu Alle Anderen

Sie bezirzte Josef Hader im Knochenmann, sie spielt in Michael Hanekes Cannes-Siegerfilm Das weiße Band, und in Alle Anderen hat sie im Sommerurlaub schwere Beziehungstroubles: Birgit Minichmayr ist allgegenwärtig, in Berlin wurde sie sogar als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

SKIP: Wie lebt es sich mit einem Silbernen Bären?

Birgit Minichmayr: Es ist natürlich ganz toll, so eine Auszeichnung zu bekommen. Ich war ja schon begeistert, dass wir überhaupt in den Wettbewerb genommen wurden. Und dann auch noch zwei Bären, für die Regie und für mich – das ist eine großartige Anerkennung! Jetzt steht der Bär bei mir auf dem Nachtkastl, neben dem Bett. Der schaut so lustig aus, da krieg ich immer gute Laune, wenn ich ihn anschaue.

SKIP: Deine Figur Gitti sagt im Film: "Ich wäre so gern jemand anderer." Ist diese Sehnsucht etwas, das du auch kennst?

Birgit Minichmayr: Doch, ich wäre zum Beispiel gerne eloquenter. Es imponiert mir, wenn jemand witzig und schlagfertig ist. Und in Bezug auf die Liebe kenn ich das auch: Wenn man so verliebt ist, dass man aus einer irrationalen Unsicherheit heraus fürchtet, der andere will und braucht etwas, das man gar nicht bringen kann – und dann gibt es ein böses Erwachen, und der liebt einen gar nicht mehr. Die Situation, die der Film abhandelt, dass man sich von sich selbst entfremdet, um dem anderen zu gefallen, das kenne ich absolut.

SKIP: Alle Anderen erzählt von einem Paar, bei dem sie sich viel mehr über die Beziehung zu definieren scheint als er, der im Beruf die Erfüllung findet. Sind Männer wirklich so anders als wir – oder geben die’s nur nicht so gern zu?

Birgit Minichmayr: Ich glaube schon, dass auch Männern ihre Beziehung sehr wichtig ist, die leben das nur anders als wir. Wir Frauen haben eine intensivere Auseinandersetzung mit der Liebe, bei der man über alles sprechen muss. Nach wie vor halte ich das Reden für eines der wichtigsten Dinge in einer Beziehung. Heute wollen sich mehr und mehr Frauen im Beruf wie auch in einer Beziehung verwirklichen. Aber ich merke schon: Keine Kritik, kein beruflicher Misserfolg kann mich so sehr umhauen wie Liebeskummer. Und das kommt mir bei Männern nicht so vor, ich hab immer das Gefühl, Liebeskummer stecken die anders weg. Das ist aber bestimmt nicht so, oder? (lacht)

SKIP: Chris, Gittis Freund im Film, nimmt dafür jede Kritik an der Situation – etwa, dass der Wanderweg ganz schön steil sei – als Infragestellung seiner Männlichkeit wahr.

Birgit Minichmayr: Er fragt ja auch: Findest du mich eigentlich männlich? Er stellt das unmittelbar mit Erfolg in Zusammenhang. Also im Sinne von: Erfolg macht männlich.

SKIP: Wenn Frauen interviewt werden, müssen die viel öfter über das Frausein reden als ihre männlichen Kollegen über das Mannsein. Merkst du das auch?

Birgit Minichmayr: Ja, das stimmt schon. Du bist als Frau nach wie vor dauernd konfrontiert mit Fragen des Alters, der Schönheit, des Aussehens. Das finde ich unangenehm. Aber wir versuchen das ja alle dauernd zu bestätigen, indem wir etwa auch sexy Mütter werden, und trotzdem erfolgreich im Beruf bleiben... Ich frage mich aber, woher das kommt, denn immerhin machen wir dabei auch mit, wir sind da verführbar. Wer will denn nicht schön sein?

SKIP: Für die Rolle der Gitti, in der du viel im Bikini zu sehen bist, hast du sogar extra Trainingsstunden im Fitness­studio genommen. Ist das nicht auch eine Bestätigung dieses Bildes?

Birgit Minichmayr: Naja, ich hab ja keine Diät gemacht oder mich dünngehungert. Ich wusste einfach, ich laufe und springe da die ganze Zeit herum, und da wollte ich, dass ich eine gewisse Souveränität im Umgang mit meinem Körper habe. Diese Sicherheit hast du als Paar, wenn du unbeobachtet bist, und ich wollte mich nicht vor der Kamera unwohl fühlen. Ich war auch vorher schon sehr sportlich, aber die zusätzliche Bewegung hat mir gutgetan. Da kriegt man wirklich ein anderes Körperbewusstsein, wenn man straffer und kräftiger ist. Mein Körperbau ist ja nicht der eines Models, es ging mir nicht darum, ein dünnes Mädchen zu spielen, sondern um eine Selbstsicherheit, die ich rüberbringen wollte. Und dazu war das Trainieren hilfreich. Das war sozusagen ein Schutz.

SKIP: Du hast im Burgtheater gespielt, in Knochenmann, jetzt in Alle Anderen, auch im neuen Haneke – du bist allgegenwärtig. Fühlt sich das seltsam an?

Birgit Minichmayr: Das Schöne ist, dass das alles Arbeiten sind, hinter denen ich sehr stehe und die sehr unterschiedlich sind. Die unglaubliche Medienpräsenz dadurch finde ich schon etwas befremdend. Aber gerade beim Film ist ja eine mediale Aufmerksamkeit enorm wichtig, um Leute ins Kino hereinzuholen – und das will man ja auch, wenn man eine Arbeit gut findet. Aber ich hab schon immer wieder Momente, in denen ich mich selber so über hab. Ich spiele halt lieber, anstatt dauernd darüber zu reden, wie ich spiele. Manchmal möchte ich mich ein Wochenende selber in den Wandschrank stellen, weil ich so genug davon hab, von mir selber reden zu müssen.

Interview: Magdalena Miedl / Februar 2009

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