Der Schweiger im Walde

Interview mit Daniel Craig zu Unbeugsam

Dass Daniel Craig kein Mann großer Worte ist, wissen seine Fans. In Unbeugsam spielt er wieder einmal einen, der zuerst schießt und dann fragt. Doch der historische Held Tuvia Bielsky hat genau damit 1200 Menschen das ­Leben gerettet.

SKIP: Im echten Leben haben Sie nur eine Schwester – wie war es, hier im Film mit Jamie Bell und Liev Schreiber gleich über zwei Brüder zu verfügen?

Daniel Craig: Toll! Die Beziehungen zwischen den Brüdern tragen den Film, auch wenn die drei ständig miteinander streiten, obwohl rundherum ein Krieg passiert und Menschen getötet werden. Liev und Jamie sind coole Typen, wir sind großartig miteinander ausgekommen. Nur Jamie hat bei Raufereien ein paar Narben davongetragen, nichts wirklich Schlimmes (grinst). Es waren wirklich lustige Dreharbeiten. Mir ist bewusst, dass das Thema nicht witzig ist, aber wir blödelten am Set ständig herum. Das war wohl unsere Art, damit umzugehen. Die beiden sind sehr witzige Leute. Jamie ist der Kleinste, Liev der Größte – also wurde ich von Liev vermöbelt und gab die Schläge prompt an Jamie weiter ... wie es eben unter Brüdern ganz normal ist.

SKIP: Was mögen Sie an Ihrer Figur Tuvia Bielsky in ­Unbeugsam besonders?

Daniel Craig: Mir gefallen die moralischen Gegensätzlichkeiten: Dass er dazu bereit war, Menschen umzubringen, um seine Leute zu schützen. Und er erlaubte auch seinem Bruder, Menschen zu töten und als gewalttätiger Mann aufzutreten. Zugleich formte er aber eine Gemeinschaft, die nicht nur einfach überlebte im Wald, sondern sogar aufblühte. Die hatten dort eine Schule, sogar ein Theater – und diese Widersprüche in seiner Person faszinieren mich.

SKIP: Sie sprechen ein wenig Russisch im Film …

Daniel Craig: Puh, ein heikles Thema! Am Anfang sollte es für mich nur eine Szene auf Russisch geben. Doch nachdem wir die gedreht hatten, fand Ed Zwick das so gut, dass wir auf einmal ganz viele russische Szenen haben mussten. Es war ein ziemlicher Albtraum für mich (lacht) – zum Glück hatte ich immer eine russische Schauspielerin an meiner Seite, die mir half. Ich habe das nur nach dem Gehör gelernt, ich wusste natürlich, was ich da sage, aber zugleich sollte ich ja spielen – das war ein verdammt mühsamer Prozess. Meine Sprachkenntnisse sind ziemlich lächerlich, ich tu mir ja schon mit Englisch schwer! (grinst) Ich bin mit 16 von der Schule gegangen, also gibt’s da dieses Riesenloch in meiner Ausbildung, mir fehlt komplett die Basis für das Lernen anderer Sprachen. Ich versuche es immer wieder, aber die Ergebnisse sind ziemlich armselig.

SKIP: Suchen Sie Ihre Rollen jetzt anders aus, seit Sie James Bond sind?

Daniel Craig: Nun, ich bin nicht so heiß drauf, andere britische Agenten zu spielen (grinst). Es gibt diesen Mythos, dass man nach dem Erfolg mit einer Rolle plötzlich mit perfekten Drehbüchern überhäuft wird. Das passiert aber einfach nicht. Es gibt offenbar nur eine bestimmte Anzahl guter Skripts, und man muss rausgehen und die suchen. Ich bekomme schon mehr Möglichkeiten und mehr Angebote, aber letztlich hat sich nicht viel geändert.

SKIP: Vermissen Sie eigentlich das Theater?

Daniel Craig: Ja, ich würde gern auch wieder Theater spielen. Aber nicht Shakespeare. Zu viel Text! Das sind einfach zu viele Worte, und die Stücke dauern so lang, drei Stunden – nein, das mag ich nicht. Das perfekte Theater für mich ist ein neues Stück, das nur eine Stunde dauert. Ohne Pause. Um neun ist Schluss. Das ist gut für alle, da kann man nachher noch bequem Essen gehen (grinst)!

SKIP: Haben Sie sich mittlerweile daran gewöhnt, auf jeder Straße der Welt erkannt zu werden?

Daniel Craig: Ich glaube nicht, dass ich mich daran je gewöhnen werde. Ich will es auch gar nicht, das würde ja bedeuten, dass man den Verstand verloren hat, wenn man es okay findet, aus dem Auto zu steigen und von Paparazzi belagert zu werden. Ich werde mich nie daran gewöhnen! Aber umgekehrt genieße ich viele positive Dinge an meinem Beruf, also halte ich das schon aus. Aber ich vermisse es ziemlich, unerkannt in eine Bar gehen zu können ... Sie wissen schon ... traurig, aber diese Erinnerungen haben alle etwas mit Alkohol zu tun (lacht). Ich kann nicht mehr öffentlich trinken, das stört mich am meisten!

Interview: Magdalena Miedl / Januar 2009

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.