Traumstrip nach Las Vegas

Interview mit Heather Graham zu Hangover

Seit ihrem Rollergirl in Boogie Nights wird sie das Image des blonden Sexpüppchens nicht und nicht mehr los. Doch ein cleveres Mädel wie Heather Graham macht einfach das Beste draus – und so ist die quirlige Actrice als herzensgute Stripperin auch in Hangover eine Hauptattraktion.

SKIP: Haben Sie jemals selbst einen annähernd so wilden Polterabend erlebt wie den in Hangover?

Heather Graham: Nun ja, eine Freundin von mir – sie ist ziemlich irre drauf – feierte gleich drei Polterabende bevor sie geheiratet hat (lacht). Einer davon war in einem SM-Dinnerclub in New York. Man kann dort essen, und dann gibt’s noch eine extra Speisekarte, auf der man sich Sachen aussuchen kann wie: selbst bestraft werden, jemand anderen bestrafen, all solche schrägen Sachen. Wir haben uns nicht so recht getraut, aber es war noch eine andere Junggesellinnen-Party dort, und die wurden alle gefesselt und verhauten sich gegenseitig ... (grinst) das war ganz schön bizarr.

SKIP: Wie bereitet man sich eigentlich auf die Rolle einer Stripperin vor? Haben Sie in einschlägigen Clubs recherchiert?

Heather Graham: Klar! Ich habe zur Recherche ein Jahr lang als Hure gelebt ... kleiner Scherz! (lacht) Nein, ich habe einen dieser speziellen Stangentanz-Kurse gemacht. Eine Freundin von mir unterrichtet das, der Kurs nennt sich übrigens „Ass Factor“. Wirklich wahr! (lacht). Meine Filmfigur ist ja auch keine große Perfektionistin, sie ist eine echte Hippie-Stripperin. Ich wollte sie auf keinen Fall so düster rüberkommen lassen wie z B. in Leaving Las Vegas oder so. Hangover ist für sie eine richtige Liebesgeschichte, bei der sie an die Echtheit dieser gemeinsamen Nacht glaubt – auch wenn ihr Lover sich nicht mehr dran erinnern kann (lacht).

SKIP: Mögen Sie Las Vegas?

Heather Graham: Ich war schon oft mit Freunden dort, um zu spielen, und ich mag das total gern – ich finde, Glücksspiel ist echt lustig! Todd Philipps (der Regisseur von Hangover, Anm.) ist ja ein echter Gambler, er spielt teilweise um richtig viel Geld. Ich mag das nicht so gerne – da würde ich mir immer denken, dass ich um das Geld Urlaub machen hätte können oder so ...

SKIP: Außer Ihnen spielen in Hangover ja praktisch nur eher unbekannte Schauspieler. Waren Sie da vom Riesenerfolg des Films in den USA ein wenig überrascht?

Heather Graham: Todd ist ein Casting-Genie. Die meisten Studios finanzieren Filme ohne Stars in den Hauptrollen ja gar nicht, und dadurch sieht man ständig Filme mit den gleichen Gesichtern drin, und die anderen kriegen gar keine echte Chance. Aber Todd boxt das irgendwie durch, er hat das auch schon mit Will Ferrell in Old School gewagt, als den noch kaum jemand kannte.

SKIP: Hangover ist voll mit politisch sehr, sehr unkorrektem Humor – hatten Sie da nie ein Problem damit?

Heather Graham: Sie meinen wahrscheinlich vor allem das vermeintlich masturbierende Baby (lacht)? Ich persönlich finde ja Kindesmissbrauch sicher nicht das witzigste Thema von allen, aber im Zusammenhang der Szene in diesem Film war der Witz schon gut!

SKIP: Wie war es überhaupt, das einzige Mädchen am Set zu sein?

Heather Graham: Eigentlich ziemlich lustig. Es ist immer nett, mit witzigen Typen zusammen zu sein. Natürlich gab es auch die Momente, wo ich den Rappel kriegte und schnell mal ein paar Freundinnen anrufen musste, weil da einfach zu viel Testosteron in der Luft hing. Aber die Männer waren echt süß und lustig, und es war nett, so viel Aufmerksamkeit zu kriegen!

SKIP: Sie haben ja gerade noch eine Komödie abgedreht, Boogie Woogie – können Sie uns etwas darüber erzählen?

Heather Graham: Nun, Boogie Woogie spielt in der Kunstwelt. Ich spiele ein Mädchen, das für einen superwichtigen Kunsthändler arbeitet, und bin irre ehrgeizig und intrigiere die ganze Zeit. Regisseur Duncan Ward ist eng befreundet mit Damien Hirst, also haben wir manche Szenen bei Hirst im Atelier drehen können, und es kommen auch seine Arbeiten vor.

SKIP: Haben Sie eventuell dran gedacht, sogar in Hirst zu investieren?

Heather Graham: Ich war noch nie in der Situation, so teure Kunst kaufen zu können, muss ich gestehen. (lacht)

SKIP: Was steht als Nächstes bei Ihnen auf dem Programm?

Heather Graham: Nun, ich habe gerade ein Drehbuch fertigbekommen über eine Gruppe von Freundinnen – wir nennen uns "die Hexen", und die gibt es wirklich (lacht). Wir haben uns in so einem Weiblichen-Selbstfindung-Kurs kennengelernt. Meistens hängen wir nur gemeinsam ab, aber wir haben auch kleine Zaubersprüche drauf (grinst)! Und es scheint sogar zu funktionieren: Einer Freundin, die eine schreckliche Scheidung hinter sich hat, haben wir gewünscht, dass sie sich neu verliebt. Und jetzt hat sie sich gerade mit einem echt tollen Typen verlobt!

Interview: Kurt Zechner / Juni 2009

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