Santa Cruz

Interview mit Penélope Cruz zu Zerrissene Umarmungen

Heilige, Hure, große Liebe, kleines Mädchen, Mutter und Muse: Penélope Cruz ist Pedro Almodóvars absoluter Superstar. Als die beiden vor einem begeisterten Festival-Publikum in Cannes ihre neue Kollaboration Zerrissene Umarmungen präsentierten, gab’s für SKIP natürlich ein Exklusiv-Interview.

SKIP: Penélope, in Zerrissene Umarmungen spielen Sie eine Frau, die den gleichen Beruf hat wie Sie. Hat es das für Sie schwieriger oder leichter gemacht?

Penélope Cruz: Hm, das kann ich so gar nicht sagen – diese Rolle war in jedem Fall furchtbar schwierig zu spielen, aus welchen Gründen auch immer (lacht). Sie ist einfach so völlig anders als ich, und eigentlich besteht sie ja aus insgesamt drei Charakteren. Und dann kommt noch die Rolle dazu, die sie selber im Film spielt. Das war sehr verwirrend für mich. An manchen Tagen haben wir zwischen diesen Charakterebenen ständig hin- und hergewechselt, das brauchte sehr viel Konzentration und Kraft.

SKIP: Es gibt auch ein paar recht heftige Gewaltszenen, das war sicher auch nicht gerade einfach …

Penélope Cruz: In allen Filmen, die ich mit Pedro gemacht habe, gab’s Szenen, durch die ich mich regelrecht durchkämpfen musste. Und so geht es dann wohl jeder Frau beim Ansehen, auch wenn sie das vielleicht selbst noch nicht in Wirklichkeit erlebt hat.

SKIP: Würden Sie alles spielen, was Pedro Ihnen anbietet?

Penélope Cruz: Ich würde ihn nie enttäuschen wollen. Egal, welches Material er mir unter die Nase hält – ich will sofort das Beste daraus machen. Das ist fast so etwas wie ein Schlüsselreiz (lacht).

SKIP: Sie haben ihm auch noch nie abgesagt?

Penélope Cruz: Nein, niemals.

SKIP: Welcher seiner Filme war bisher die größte Heraus­forderung?

Penélope Cruz: In Alles über meine Mutter spiele ich eine Nonne mit Aids, die eine Beziehung zu einem Transsexuellen hat. Im ersten Film, den ich mit ihm machte, war ich eine Hure, die in einer Bar ein Kind bekommt ... alles ist da eine Herausforderung, aber gerade das ist ja auch die Schönheit daran. Die Charaktere, die er erfindet, sind immer komplex, immer sehr gut geschrieben, das ist genau der Stoff, den Schauspieler suchen.

SKIP: In Zerrissene Umarmungen sieht man Sie mit Marilyn-Frisur. Wollten Sie immer schon mal eine Blondine sein?

Penélope Cruz: (lacht) Unglaublich aber wahr, ich bin früher schon mal so blond gewesen. Aber nicht lange. Mein Haar ist so dunkel und kräftig, es braucht sehr viel Chemie, um das so hinzukriegen. Und dabei fallen mir die Haare dann aus. Die Produkte, die da verwendet werden, sind so stark, dass es mir regelrecht die Kopfhaut abschält.

SKIP: Und wie haben Sie das durchgestanden?

Penélope Cruz: Nun, mit Warten, viel Geduld und Beten (lacht). "Blondes have more fun" trifft für mich jedenfalls sicher nicht zu (lacht).

SKIP: Wenn Sie nicht gerade selber spielen – welche Filme sehen Sie dann am liebsten?

Penélope Cruz: Ich liebe Filme, ich liebe das Kino. Demzufolge gibt es keine bestimmte Art Film, die ich besonders mag. Ich will Dinge auf der Leinwand sehen, die bei mir starke Emotionen auslösen. Wie das geschieht, ist mir egal, ob durch Lachen oder Weinen.

SKIP: Von beidem wird’s in Ihrem nächsten Film auch genug geben: In Nine, der Verfilmung eines Musicals über Federico Fellini, sind sie aber nicht wie bei Almodóvar der unbestrittene Superstar, sondern spielen im Ensemble mit Kalibern wie Nicole Kidman, Daniel Day-Lewis, Judi Dench, Kate Hudson und Sophia Loren. Gab es keine Rivalität zwischen den vielen großen Stars?

Penélope Cruz: Ganz im Gegenteil! Jeder wollte wirklich den anderen helfen. Sie können alle anderen auch fragen, ich bin mir sicher, es werden alle das gleiche erzählen (lacht). Es war echt eine schöne Erfahrung. Und eine sehr anstrengende (lacht).

SKIP: Warum das?

Penélope Cruz: Sie brauchen sich nur den Trailer ansehen, dann wissen Sie, wovon ich spreche (lacht). Ich habe ja nie vorher in einem Film gesungen, also habe ich viele Monate vorher schon mit Gesangsunterricht begonnen. Und dann wurden wir in eine regelrechte Schule geschickt, wo wir alle täglich Unterricht bekamen, in Singen und Tanzen und allem Möglichen.

SKIP: Wie war es eigentlich, mit Nicole Kidman zusammenzu­arbeiten, der Sie ja vor vielen Jahren Tom Cruise ausgespannt haben? War das nicht etwas seltsam?

Penélope Cruz: Ii wo! Im Gegenteil, wir haben uns super verstanden! Auch nach dem Dreh, wir sind einige Male zusammen ausgegangen.

SKIP: Sie gehören zu den internationalen Schauspielerinnen, die auch mit einer großen Hollywoodkarriere immer wieder nach Hause kommen und in Spanien drehen. Warum diese starke Verbindung?

Penélope Cruz: Das ist einfach mein Land. Ich liebe das spanische Kino und ich liebe es vor allem auch, in meiner Muttersprache zu arbeiten. Und Spanien ist ja auch der Ort, wo ich lebe. Ich finde es großartig, dass ich gehen und wiederkommen kann. Wenn ich nicht auch in Europa arbeiten könnte, wäre das sehr ungesund für mich.

SKIP: Hier in Cannes liebt man Sie ja auch über alles. Genießen Sie es, hier zu sein?

Penélope Cruz: Natürlich (lacht). Auch wenn ich dieses Jahr mein ganzes Programm leider auf Antibiotika abwickeln muss – ich habe mir vorher eine schlimme Lebensmittelvergiftung zugezogen. Also ist alles etwas schaumgebremst für mich.

SKIP: Haben Sie als Veteranin ein paar gute Tipps, wie man den Rummel hier vergleichsweise unbeschadet übersteht?

Penélope Cruz: Ob gesund oder nicht – man muss in jedem Fall jeden Tag wenigstens ein bisschen Zeit für sich selbst finden, alleine sein. Irgendwo, wo es ruhig ist. Man muss ja auch mal von dem ganzen akustischen Wirbel abschalten. Sogar in den Hotels ist es ja so laut, dass man glaubt, es wären 100 Leute in deinem Zimmer.

SKIP: Wie ist das Gefühl jetzt, wo doch einige Zeit vergangen ist, Oscar-Preisträgerin zu sein?

Penélope Cruz: Ich bin quasi immer noch überrascht (lacht). Ich hab den Kerl schon in mehrere Städte mitgenommen – als ich ihn mal hatte, wollte ich ihn nicht mehr loslassen. Es war einfach eine großartige Erfahrung, das zu erleben, mit meiner Familie dort und das alles. Aber ich habe immer noch keinen vernünftigen Platz für das Ding gefunden.

Interview: Kurt Zechner / Mai 2009

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