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Interview mit Emile HirschDemetri Martin zu Taking Woodstock

Fight for your right to party! In Ang Lees neuestem Film Taking Woodstock entdecken Leinwand-Newcomer Demetri Martin und Jungstar Emile Hirsch (Into the Wild, Speed Racer) den Rock 'n' Roll - SKIP traf die beiden gut gelaunt in Cannes beim Filmfestival.

SKIP: Stimmt es, dass die Mutter von einem von euch beim Woodstock-Festival war?

Demetri Martin: Meine ganz sicher nicht (lacht!)

Emile Hirsch: Nicht meine Mum, die eines Freundes. Als Kind hat sie diese grausigen Stories erzählt über Leute, die sich nackt im Schlamm wälzen (lacht). Ich habe lange gebraucht, um dieses Bild von ihr wieder aus meinem Hirn rauszukriegen (grinst).

SKIP: Bei euch ist also von diesem einzigartigen Spirit nicht gar so viel übriggeblieben?

Demetri Martin: Doch, doch, wir haben schon Rock ’n’ Roll in unserem Leben. Ich spiele ein paar Instrumente, E-Gitarre zum Beispiel - nicht sonderlich gut, aber immerhin.

Emile Hirsch: Und wenn ich mich richtig Rock ’n’ Roll fühle, dann klapp’ ich nicht mal die Klobrille hoch!! (lacht)

SKIP: SDemetri, Ihre Filmfigur, den Initiator des Woodstock-Festivals, gibt es ja wirklich - haben Sie ihn jemals getroffen?

Demetri Martin: Ja, schon, aber er hat sich extrem verändert seither - damals war er ein verklemmtes Jüngelchen, heute ist er ein selbstbewusster, sehr extrovertierter Mann. Es gibt lustigerweise auch kaum Fotos oder sonstige Aufzeichnungen des jungen Elliot, so mussten wir ihn quasi neu erfinden.

SKIP: Er war Ihre erste Filmhauptrolle - Sie haben bisher hauptsächlich als Stand-up-Comedian gearbeitet, nicht wahr?

Demetri Martin: Ja, seit 12 Jahren ist das mein Hauptberuf. Aber ich war immerhin schon mal mit Robert De Niro auf der Leinwand, in Reine Nervensache 2 - ich hatte volle zwei Sätze in dem Film! Ich sehe aber viele Ähnlichkeiten zwischen Film und Comedy - bei beiden kommt es extrem aufs richtige Timing an.

SKIP: Anders als in Europa sind Sie in den USA kein völlig Unbekannter, oder?

Demetri Martin: Nein, meine Familie und manche meiner Freunde kennen mich ganz gut (lacht). Als Comedian bin ich mittel­berühmt, manchmal werde ich um ein Autogramm gebeten. Aber bei Filmpremieren fotografiert mich nie jemand (lacht).

SKIP: Emile, Sie dagegen sind mit erst 24 Jahren schon ein ziemlicher Veteran, Sie haben bereits mit 11 Jahren zu schauspielen begonnen und mit Regisseuren wieSean Penn, Nick Cassavetes, Gus Van Sant und den ­Wachowsky-Brüdern gearbeitet ...

Emile Hirsch: Ja, mir war sehr früh klar, was ich gerne machen ­will. Und ich hatte viel Glück und war oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

SKIP: Wie gings Ihnen eigentlich mit den durchwegs negativen Reaktionen auf Speed Racer?

Emile Hirsch: Es hat mich überrascht, ehrlich gesagt. Mir selber hat der Film wirklich gut gefallen, ich habe nicht damit gerechnet, dass er dermaßen floppt. Er hat aber doch einigen Kritikern gefallen, deren Meinung ich hoch schätze - also wars nicht ganz so schlimm.

Demetri Martin: Das coole an Emile ist, dass er trotz seines Erfolgs wirklich ein angenehmer Kollege ist. Alle loben ihn, aber er hat überhaupt keine Starallüren.

SKIP: Der frühe Erfolg hat Sie also nicht zur Diva gemacht?

Emile Hirsch: Wissen Sie, ich glaube, dass Stars mit Allüren nicht erst durch den Ruhm so geworden sind, sondern immer schon Divas waren. Schon in der Volksschule waren sie wahrscheinlich unerträglich - und jetzt haben sie sich eben eine noch größere Bühne gesucht. Außerdem wird mit dieser Bezeichnung viel zu freizügig umgegangen, so viele Leute kriegen den Stempel "Vorsicht, Diva!" aufgedrückt, obwohl sie gar keine sind.

SKIP: Wie zum BeispielSean Penn?

Emile Hirsch: Ja, genau! Manchmal hat man einen schrecklichen Tag hinter sich oder eine sehr, sehr schwierige Szene. Und da will man dann halt mal seine Ruhe haben und reagiert unwirsch – jeder von uns würde das machen! - und schon ist man auf ewige Zeiten das Arschloch. Ich habe einen ganzen Film mit Sean gemacht (Into The Wild, Anm.), und glauben Sie mir, wenn jemand keine Allüren hat, dann er. Er ist ein komplizierter Mensch, aber das sind wir doch letztlich alle.

Demetri Martin: Mich hat einmal ein Bekannter am Set besucht, und nachher war er total fertig: "Mann, ich pack es überhaupt nicht, wie du dich da wichtig machst! Dauernd zupft jemand an dir herum, füttert dich und hält deine Getränkeflasche. Und du hast sogar einen eigenen Lakaien, der dir einen Sonnenschirm über das Köpfchen hält!" In Wirklichkeit ist es mir bei Todesstrafe verboten, mein Haar zu berühren, Brösel ins Gesicht zu kriegen oder das Make-up zu verwischen, damit ich zwischen zwei Szenen nicht anders ausschaue. Deshalb darf ich auch in keinem Fall in die Sonne, weil das meinen Hautton verändern könnte. Das war echt eine wichtige Lektion für mich: Wie leicht zwei Menschen ein und dieselbe Situation völlig verschieden interpretieren können.

Emile Hirsch: Oh ja, wenn sie das mit dem Sonnenschirm machen, das hasse ich total. Man kann machen was man will, man sieht einfach immer aus wie ein verwöhnter Vollidiot, wenn dir dauernd jemand nachläuft und dir ein Schirmchen über den Schädel hält (lacht).

Interview: Gini Brenner / Mai 2009

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