Diesseits von Afrika

Interview mit Liya Kebede zu Wüstenblume

Liya Kebede kommt aus Äthiopien, auch sie engagiert sich für Menschenrechte, und auch sie ist gern gesehenes Supermodel auf den Titelblättern dieser Welt. Als Waris Dirie spielt sie ihre erste Hauptrolle – und überzeugt dabei ebenso wie im SKIP-Gespräch!

SKIP: Waris Dirie sagt, dass Sie durch die Zusammenarbeit so etwas wie Schwestern geworden sind. Freut Sie das?

Liya Kebede: Wissen Sie, wenn man die Möglichkeit bekommt, das Leben von jemandem bis ins intimste Detail nachzuspielen, dann passiert so eine Verbindung ganz automatisch, ob man sich dessen bewusst ist oder nicht. Ich habe Waris erst am Ende der Dreharbeiten getroffen, und das war sehr seltsam, weil ich das Gefühl hatte, ich wäre richtig in ihr Leben eingetaucht und hätte irgendwie gefühlt, was sie gefühlt hat. Sie einerseits nicht zu kennen und andererseits so viel über sie zu wissen war ein sehr schräger Widerspruch.

SKIP: Wie waren die Dreharbeiten? Sherry Hormann hat Sie ja allein auf die Straßen von London geschickt.

Liya Kebede: Ja, sie hat mich richtig missbraucht! (lacht) Nein, aber es war echt unglaublich, als wir in London gedreht haben. Die Leute glaubten, ich sei ganz normal dort unterwegs, keiner merkte, dass wir mit versteckter Kamera drehten. Einmal, als ich da für den Film auf der Straße im Müll nach Brauchbarem suchte, kamen zwei junge Somalier vorbei, blieben stehen und wollten mir helfen. Die dachten, ich wäre ein somalisches Mädchen, das Hilfe bräuchte. Das war ein sehr interessanter Zugang zu diesen Szenen, ein ganz schöner Sprung ins kalte Wasser.

SKIP: Wüstenblume ist nicht Ihr erster Filmjob ...

Liya Kebede: Nein, ich habe schon in Der gute Hirte die Freundin von Robert De Niros Sohn gespielt, nur werde ich da leider ziemlich bald erschossen. Und davor habe ich in Lord of War mit Nicolas Cage gespielt, aber nur eine winzige Rolle. Ich habe erst jetzt das Gefühl, wirklich Filmerfahrung zu haben. Es war echt unglaublich, jeden Tag am Set zu sein – ein harter Job zwar, aber so erfüllend und wunderschön, das hat mir so viel gegeben!

SKIP: Sie kommen in keiner der afrikanischen Szenen vor, da spielen ausschließlich die Darstellerinnen der jungen Waris. Waren Sie trotzdem auch mit in Afrika?

Liya Kebede: Ja, ich hatte sogar ein paar Szenen in Afrika, aber die wurden leider rausgeschnitten. Es war trotzdem wunderbar, dort zu sein, denn es gab allen das Gefühl dafür, um was es in diesem Film gehen soll, dadurch, dass wir gemeinsam in der Wüste waren und ein wenig das Nomadenleben erlebten. Wir hatten viele Leute im Cast, die nomadisch leben. Die jüngste Waris-Darstellerin, die Dreijährige, kommt aus einer Nomadenfamilie. Das war ein wichtiger, wunderbarer erster Eindruck.

SKIP: Wie stark sind Ihre eigenen afrikanischen Wurzeln?

Liya Kebede: Meine Eltern leben in Äthiopien, ich fahre oft nach Hause. Ich bin ja in Äthiopien aufgewachsen, ich war schon 18, als ich wegging. Das war sicher leichter als für Waris. Aber auch sie hat ihre Wurzeln immer noch dort, das sieht man, ihr Herz schlägt in Somalia.

Interview: Magdalena Miedl / Juli 2009

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