Johanna die Große

Interview mit Johanna Wokalek zu Die Päpstin

Geheimnisvoll verrückt in Barfuß, mörderisch in Der Baader Meinhof Komplex und jetzt fast päpstlicher als der Papst: Dafür, dass der Film eigentlich nur ihr Nebenjob ist, hat Burgschauspielerin Johanna Wokalek im Kino schon tiefe Furchen gezogen. Mit SKIP sprach die 34-jährige über Männerwerdung, Movies und die Musik der Stimme.

SKIP: In Die Päpstin spielen Sie eine Frau, die es als Mann "getarnt" bis zum Oberhaupt der christlichen Kirche bringt. Sie selbst sind ja gar kein sehr maskuliner Typ – wie haben Sie es geschafft, so männlich zu wirken?

Johanna Wokalek: Es hat sicher geholfen, dass ich beim Dreh ständig unter vielen Männern war, da kommt man leichter rein in diese spezielle Art der Körpersprache. Das mit Abstand Schwierigste, oder besser gesagt Schmerzvollste war allerdings die Frisur (lacht). Inwiefern? Ich hatte vor dem Dreh ziemlich lange Haare, und für die Rolle brauchte ich eine Tonsur (die Mönchsfrisur mit dem kurzen Haarkranz, Anm.). Anfangs hatte ich ja noch gedacht, dass man das ja wohl irgendwie mit einer Perücke hinkriegen könnte. Nur drehten wir zum Teil in Marokko, da knallt einem die Sonne ständig direkt auf den Schädel, man hätte jedes Hilfsmittel sofort gesehen. Die Haare mussten also ab. Und das tat echt weh (lacht). Während der Dreharbeiten war das Leben mit dieser Frisur dann zwar gar nicht so schlimm. Aber nachher! Bis das wieder nachgewachsen ist! (lacht).

SKIP: Nicht nur Ihr Äußeres, auch Ihre sehr charakteristische Stimme klingt als Johannes/Johanna merkbar anders ...

Johanna Wokalek: Nun, Schauspielen ist ja im Prinzip nichts anderes, als einer Figur, eine Stimme zu geben – auch im ureigensten Sinne des Wortes. Meine Stimme ist für mich fast wie ein Instrument, ich versuche, damit Musik zu machen und Figuren zum Leben zu erwecken.

SKIP: Kannten Sie die Geschichte um die Päpstin eigentlich, bevor Sie von dem Filmprojekt erfahren haben?

Johanna Wokalek: Nein, gar nicht. Ich habe natürlich dann alles nachgelesen, was ich zum Thema gefunden habe, angefangen mit Donna Woolfolk Cross’ Romanvorlage.

SKIP: Glauben Sie, dass es die Päpstin wirklich gegeben hat?

Johanna Wokalek: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, und ich halte es auch gar nicht für sooo relevant, ob sich das alles jetzt wirklich genau so zugetragen hat oder nicht. Es ist auf jeden Fall möglich. Und es ist eine wirklich, wirklich gute Geschichte. Das war es schlussendlich auch, was mich an diesem Film so sehr gereizt hat.

SKIP: Frau Wokalek, Sie sind seit über einem Jahrzehnt als Schauspielerin tätig – aber erst in letzter Zeit wurde Ihr Name durch das Kino einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Bemerken Sie selber irgendeine Veränderung in Ihrem Leben?

Johanna Wokalek: Nein, eigentlich nicht. In meinen letzen Filmrollen sah ich ja immer wieder anders aus, also erkennen mich die Leute auf der Straße fast nie.

SKIP: Wir haben Sie schon erkannt – beim Filmfestival in Venedig, als Sie in der SKIP-Lieblingsgelateria am Nebentisch saßen ...

Johanna Wokalek: (lacht) Ja, ich war ein paar Tage dort. Leider viel zu kurz!

SKIP: Gehen Sie eigentlich gerne ins Kino? Welche Art von Filmen mögen Sie am liebsten?

Johanna Wokalek: Das kann ich schwer sagen, weil sich das bei mir nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen lässt. Ich mag Filme, die mich berühren. Schmetterling und Taucherglocke fällt mir jetzt spontan ein, das war für mich ein wirklich fundamentales Kinoerlebnis. Aber das gibt es auch durchaus bei Blockbustern: Heath Ledger als Joker etwa in The Dark Knight – da bin ich hinterher dagesessen mit offenem Mund und habe mich gefragt: Wie hat der das nur gemacht? Aber jedenfalls, egal was ich mir anschaue im Kino, ich nehm immer ein SKIP mit (lacht)!

Interview: Gini Brenner / September 2009

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