Jeder Igel ist anders

Interview mit Kurt Mündl zu Hogi's Family ... eine total stachelige Angelegenheit

Er hat den Ötzi filmisch zum Leben erweckt und die Gottesanbeterin erforscht. Jetzt ist der hochdekorierte Dokumentarfilmer Kurt Mündl auf den Igel gekommen: Seine lustig-liebenswerte Fiktion über Hogis Leben ist auch eine Pionierleistung.

Kurt Mündl, Intimus von Konrad Lorenz, Autor von 15 Fachbüchern, langjähriger Regisseur und Produzent für die Serie Universum und Regisseur des Dokudrama-Meilensteins Der Ötztalmann und seine Welt, erhielt 2004 den Berufstitel "Professor" durch die Republik Österreich.

SKIP: Was brachte Sie auf die Idee, einen Familienfilm über einen Igel zu machen?

Kurt Mündl: Sprechende Tiere wie Pinguine oder Korallenfische gibt es im Kino schon reichlich. Aber seit 20 Jahren wurde nichts mehr über Igel gemacht, nicht fürs Kino und auch nicht fürs Fernsehen. Das ist der erste Film, der das fiktive Leben eines Igels so zeigt, wie es sein könnte. Und 80 Prozent aller Bilder sind überhaupt noch nie gedreht worden, also Erstaufnahmen.

SKIP: Haben Igel einen Charakter, so wie Hunde oder Katzen?

Kurt Mündl: Natürlich. Es gab für den Film über 20 Igel-Darsteller, die alle gleich ausschauen mussten, und ich kann ihnen sagen: Jeder Igel ist anders. Igel sind auch etwas ruppig und lassen sich schwer unterkriegen. Es war nicht einfach, sie dazu zu kriegen, nach Drehbuch zu agieren, herumzuhüpfen und zu tollen. Das war schon sehr, sehr schwierig.

SKIP: Haben Sie auch deshalb zwei Jahre lang gedreht?

Kurt Mündl: Ja. Wir haben überwiegend mit lebendigen Tieren gedreht. Es gibt zwar auch Computeranimationen wie hervorsprießende Pilze im Film, aber die Tieraufnahmen sind alle echt. Das hinterlässt auch, wie wir jetzt schon aus Deutschland hören, einen großen Eindruck. Das hat es noch nie gegeben. Vor allem in Kombination mit unserem speziellen Wortwitz – der Igel erfindet ja immer wieder seine Igel-Sprichwörter, das gefällt den Kindern sehr gut, sogar die Vierjährigen sind sehr angetan von diesem Hogi und wollen immer wieder die Igelsprüche hören.

SKIP: "Igelfrauen" wie die Figur der Hanna im Film – gibt es solche Leute wirklich?

Kurt Mündl: Ja, diese Igelfrauen gibt es. Das sind meist beherzte Damen über 60 oder gar 70, die pflegen jährlich so 30 bis 40 Igel über den Winter. Die stellen ihr Haus und ihr ganzes Leben in den Dienst der Igel.

SKIP: Bei den Dreharbeiten waren Sie sehr viel draußen in der Natur – wie intakt ist sie noch?

Kurt Mündl: Schwierige Frage … Intakt ist sie, aber sie wird immer kleiner. Die Ressourcen werden immer weniger und die Gegenden, in denen sich der Igel wohlfühlt, sind immer seltener zu finden. Igel erfreuen sich zwar einer hohen Vermehrungsrate, es sterben aber auch viele auf der Straße, ihre Lebensräume werden immer mehr zerschnitten und von Monokulturen aufgefressen. Die Wiesenlandschaften mit Büschen und ein bissl Wald drin, die der Igel braucht, werden halt immer weniger.

Interview: Klaus Hübner / September 2009

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