Weihnachtsgeist mit Sodbrennen

Interview mit Jim Carrey zu Disneys Eine Weihnachtsgeschichte

In Robert Zemeckis bahnbrechender Neuverfilmung von Charles Dickens' Weihnachtsklassiker spielt the one and only Jim Carreygleich vier Rollen - dabei hat ers gar nicht so mit dem Fest der Feste, wie er SKIP im Interview verriet.

SKIP: Jim, als Grinch haben Sie Weihnachten gestohlen, und jetzt als Scrooge sind Sie auch ein ziemlicher Miesmacher - haben Sie eigentlich was gegen das Christkind?

Jim Carrey: Naja für manche Leute ist diese Zeit im Jahr ziemlich schwer, wissen Sie. Ich hatte schon ziemlich schreckliche Weihnachten, das kann ich Ihnen flüstern! (lacht) Dieses Fest funktioniert sicher super, wenn man Familie und Kinder um sich scharen kann und Menschen, die man liebt - aber wenn man zum Beispiel gerade eine Scheidung hinter sich hat, oder deine Family sich partout nicht nach dem Bilderbuch benehmen will, dann kann das eine ganz schön traurige Sache sein.

SKIP: Diese Neuverfilmung der berühmten Weihnachtsgeschichte ist ein 3D-Film mit computeranimierten Charakteren, die aber auf realen Darstellungen von Ihnen und Ihren Co-Stars basieren. Wie muss man sich den Dreh vorstellen?

Jim Carrey: Nun, man spielt nicht in Kostüm und Maske, sondern in einem Ganzkörperanzug mit lauter Sensoren drauf und einem Helm mit eingebauten Kameras. Ganz kapiere ich die Technik nicht, aber jedenfalls wird unsere Performance digital aufgezeichnet und dann der ganze restliche Film mit dem Computer dazugezaubert. Das ist lustig, weil es meine Arbeit total auf das Wesentliche reduziert - ich habe keine Requisiten, kein richtiges Set, nur meinen Körper und meine Stimme. Da muss man eine Menge Fantasie einsetzen, das ist eine enorme Herausforderung. Auch, weil wir beim Film ja darauf trainiert sind, immer im Kopf zu behalten, wo ungefähr die Kamera ist. Aber hier gabs keine Kamera, und Bob (Regisseur Robert Zemeckis, Anm.) entschied erst nachträglich, aus welcher Perspektive die Szene zu sehen sein wird. Das war recht verwirrend (lacht). Umgekehrt wird alles auch einfacher, weil man in recht kurzer Zeit sehr viel mehr erledigen kann, es gibt keine Warterei, weil das Set ja nicht vorbereitet oder umgebaut werden muss.

SKIP: Ist das für Sie als hochkarätigen Schauspieler nicht seltsam, wenn ein wesentlicher Teil der Performance erst nachträglich von anderen hinzugefügt wird?

Jim Carrey: Nein, ich sehe das gar nicht so - für mich ist das eher eine Erweiterung meiner Arbeit. Außerdem ist das Wichtigste an einem Film doch nicht der einzelne Schauspieler, sondern die Geschichte, die erzählt wird. Manche Geschichten werden mit Marionetten erzählt, manche durch Illustrationen, manche durch Bücher - es gibt für mich keine "richtigen" oder "falschen" Arten des Geschichtenerzählens.

SKIP: Wie gefallen Sie sich als digital überarbeiteter Scrooge?

Jim Carrey: Haha, ich bin großartig furchterregend geworden, finden Sie nicht? Ich habe den Look gemeinsam mit Bob entwickelt. Scrooge sollte richtig bitter aussehen, wie jemand, der ständig unter Schmerzen leidet, heftiges Sodbrennen mit galligem Aufstoßen (lacht). Halt wie einer, der viele Jahre lang ohne Liebe gelebt hat.

SKIP: Aber Sie spielen ja nicht nur den Scrooge, sondern auch die drei Geister der vergangenen, diesjährigen und zukünftigen Weihnacht ...

Jim Carrey: Ja, das war Bobs Idee, und ich fand sie großartig. Letztendlich sind diese Geister ja nichts anderes als Teile von Scrooges Persönlichkeit - wie es sie ja auch in Wirklichkeit gibt, wie ich glaube. Ich denke, dass es überall Geister gibt, ich stelle sie mir ständig vor. Das sind keine halb durchsichtigen Wesen, die durch die Luft fliegen, "Buh!" machen und uns erschrecken wollen - sondern eben ein Teil von uns selbst. Und die wollen uns etwas ganz Wichtiges mitteilen. Wir sollten also auf sie hören.

SKIP: Man hat den Eindruck, Sie hätten in den letzten Jahren versucht, Ihr Clown-Image loszuwerden. War die Entscheidung schwer, nun doch wieder in die andere Richtung zu gehen?

Jim Carrey: Ich versuche erst gar nicht, den Komiker in mir zu unterdrücken, der wird immer da sein, wie eine unheilbare Krankheit - ich kann nie aufhören, herumzublödeln. Wenn mich ein wirklich guter Regisseur castet, weil er in mir mehr sieht als einen Clown - dann bin ich happy. Aber mir ist alles willkommen. Ich fühle mich wirklich vom Glück verwöhnt dafür, dass ich so viele unterschiedliche Jobs machen darf - noch dazu, wenn man bedenkt, dass ich meine Karriere damit begonnen habe, als Stand-up-Komiker auf der Bühne aus meinem Hintern zu reden... (lacht). Es war ein ganz schön langer Weg bis hierher.

Interview: Kurt Zechner / Mai 2009

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