Schrägpass

Interview mit Eric Cantona zu Looking for Eric

Charisma deluxe. In Großbritannien ist Eric Cantona nach wie vor der beliebteste Fußballer – und das, obwohl er a) seine Karriere bereits vor über 10 Jahren beendet hat, und b) gar Franzose ist! Im Exklusiv-Interview wird ein bisschen klarer, warum.

SKIP: Was hat Sie dazu verleitet, bei diesem Film mitzumachen?

Eric Cantona: Weil ich mir sicher war, dass es ein guter Film wird.

SKIP: Warum gerade mit Ken Loach?

Eric Cantona: Weil er ein Genie ist, wie man weiß.

SKIP: Monsieur Cantona, seit Ihrem Rücktritt als Profifuß­baller 1997 sind sie nicht nur als Sportler, sondern auch als Schauspieler aktiv – war es ein großer Schritt von der einen Karriere zur anderen?

Eric Cantona: Eigentlich nicht, beide Berufe haben viele Gemeinsamkeiten. Viele Kinder träumen davon, Schauspieler oder Fußballer zu werden. Und in beiden Berufen muss man kämpfen: Beim Fußball gegen das gegnerische Team, beim Schauspielen gegen die Figur, die man spielt. Man muss sie bezwingen. Und da wie dort spielt das Publikum eine ganz wichtige Rolle. Aber hier wie dort spiele ich nicht, um zu gewinnen. Ich spiele, weil ich es liebe. Das ist, wie wenn man ins Casino geht: Man weiß vorher auch nicht, ob man gewinnt oder verliert, aber man geht trotzdem immer gerne hin. Es geht nicht ums gewinnen oder verlieren, sondern einzig und allein um die Aufregung, die Spannung beim Spiel.

SKIP: Eric, was macht Sie zur Ausnahmeerscheinung unter den Fußballstars?

Eric Cantona: Die Frage klingt so, als hätten alle anderen Fußballer außer mir dieselbe Persönlichkeit. Das glaube ich nicht, sie sind alle verschieden. Vielleicht merkt man das nicht so, wenn sie Interviews geben – viele reden nicht gerne mit der Presse oder können sich nicht so gut ausdrücken. Aber wenn man ihnen beim Fußballspielen zuschaut, dann kann man ganz genau sehen, wie sehr sich einer vom anderen unterscheidet. Der eine ist ein Kämpfer, der andere ist ein Vermittler ... all das sieht man in einem Fußballspiel.

SKIP: Und wer waren Sie?

Eric Cantona: (lacht) Nun, genau wie im richtigen Leben gebe ich gerne. Sicher, ich liebe es auch, was zu kriegen – ich liebe Geschenke, ich liebe es, ein tolles Tor zu schießen. Aber wenn ich jemandem einen Ball zuspiele, dann soll das der perfekte Ball sein. Genau der, den ich gerne bekommen würde. Eigentlich ist meine Großzügigkeit ja nichts als Egoismus: Ich gebe, weil mir gerade das am meisten Freude bereitet. Wie selbstsüchtig (lacht).

SKIP: Sie galten mit Ihrer aufbrausenden Art immer als eine Art enfant terrible des Fußballs. Wie Ernst nahmen und nehmen Sie eigentlich Ihre Verantwortung als Role Model bzw. Vorbild für die Jugend?

Eric Cantona: Wissen Sie, in der Welt des Fußballs spüren wir Dinge oft lang, bevor sie in der Allgemeinheit zum Thema werden. Die Immigration zum Beispiel. Die großen Teams bestanden seit den 1940er Jahren aus Spielern aller Rassen. Wir haben miteinander gespielt, gelacht, geweint – ich glaube nicht, dass wir da auch noch viel darüber reden müssen.

SKIP: Eric, warum ist es eigentlich so, dass so viele Männer auf Fußball stehen, und so wenige Frauen das wirklich verstehen?

Eric Cantona: Ich glaube, das ist eine Frage des Hirns.

SKIP: Wie – sind Frauen zu blöd für Fußball?

Eric Cantona: Neinnein! Aber sie denken anders als Männer.

Interview: Gini Brenner / Mai 2009

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