Liebe, Launen, Liegestütz

Interview mit Michelle Pfeiffer zu Chéri - Eine Komödie der Eitelkeiten

20 Jahre nach Gefährliche Liebschaften darf ­Michelle Pfeiffer erneut für Stephen Frears ihr Herz verschenken - wieder mit weitreichenden Folgen. SKIP traf die ewig schöne 50-Jährige in Berlin.

SKIP: Wie war es, nach so langer Zeit wieder mit Stephen Frears zu arbeiten?

Michelle Pfeiffer: Ich habe mich total gefreut, als er mir die Rolle angeboten hat - ich habe Gefährliche Liebschaften sehr genossen. Und auch diesmal war es toll, mit Stephen zu drehen. Unerwartet anstrengend allerdings (lacht).

SKIP: Sie tragen fast jede Szene …

Michelle Pfeiffer: Es war wirklich sehr viel Text, ja (lacht). Das Schwierigste war aber für mich - und auch meine Kollegin Kathy Bates - der richtige Akzent. Kathy und ich sind ja Amerikanerinnen und als solche gewohnt, vergleichsweise monoton und nachlässig zu sprechen. Um als Europäerinnen durchzugehen, haben lang mit einem Sprechtrainer gearbeitet. Aber es war auch ein Genuss, das Drehbuch ist sehr, sehr gut geschrieben. Wir mussten nie daran arbeiten, witzig zu sein, die Dialoge ließen es gar nicht anders zu.

SKIP: Man hört oft, dass es für Frauen in Hollywood ab einem gewissen Alter kaum mehr vernünftige Rollenangebote gibt. Stimmt das?

Michelle Pfeiffer: Wenn das so wäre, dann würde ich wohl nicht hier sitzen (lächelt). Es stimmt, dass die Angebote zunehmend weniger werden - aber dafür sind darunter viel interessantere Rollen.

SKIP: Ist es eigentlich schwieriger, witzige, lockere Charaktere zu spielen oder düstere?

Michelle Pfeiffer: Ich denke, das hängt sehr vom Charakter des Schauspielers ab. Wahrscheinlich ist es sogar viel schwieriger für einen von Natur aus fröhlichen Menschen, eine dunklere Rolle zu spielen, als umgekehrt für einen ernsten Menschen, Komödie zu machen. Ich selber gehöre wohl eher zu letzteren … (schaut nachdenklich).

SKIP: Warum ist das so? Wieso fällt es ernsteren Menschen schwerer, lustig zu sein, als umgekehrt? Eine Frage der Lebenserfahrung?

Michelle Pfeiffer: Ich … ähm … ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich muss gestehen, ich hab das jetzt gesagt, ohne wirklich darüber nachgedacht zu haben (lacht). Aber Sie müssen zugeben, es klingt gut!

SKIP: Sie gelten als sowas wie die Verkörperung ewiger Schönheit. Wie stehen Sie selber zu diesem Image?

Michelle Pfeiffer: Nun, das, was die Welt von mir zu sehen kriegt, ist ja nur ein Teil meiner Person. Ein sehr sorgfältig ausgewählter Teil halt (lacht). Wenn ich arbeite - ob ich nun drehe oder Interviews gebe - dann bin ich extrem diszipliniert. Ich schlafe ausreichend, trinke keinen Tropfen Alkohol und mache sehr viel Sport. Schon vor dem Aufstehen mach ich im Bett Liegestütz, und so geht das dann den ganzen Tag weiter. Und vor allem achte ich auf meine Ernährung. Es ist nun mal so: Du bist, was du isst. Auch wenn wir das alle nicht wahrhaben und auf das ultimative Schönheitsgeheimnis warten, auf die Wundercreme oder die Schlankheitspille. Das funktioniert aber nicht. Das Geheimnis ist: Man kriegt raus, was man reinsteckt. Das, was die Welt als meine Schönheit wahrnimmt, ist für mich vor allem harte Arbeit. In meiner freien Zeit genieße ich mein Leben ein wenig mehr (grinst), da kommts schon mal vor, dass ich mit einem ordentlichen Bäuchlein herumlaufe (lacht).

Interview: Februar 2009

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