Dirty Jerry

Interview mit Christian Tramitz zu Jerry Cotton

Seit den 80er Jahren ist er dick da im Filmbusiness, aber den wirklich großen Durchbruch brachte ihm das dritte Jahrtausend: Christian Tramitz ist Jerry Cotton – quasi die deutsche Antwort auf Dirty Harry.

Germany's most bankable star – diese Bezeichnung ist durchaus zutreffend für Christian Tramitz, den man nicht nur als Synchronstimme diverser US-Stars, sondern auch aus allen großen Publikumserfolgen der jüngeren deutschen Kinolandschaft kennt – vom Schuh des Manitu über 7 Zwerge bis Keinohrhasen.

SKIP: Eine Parodie kann man Jerry Cotton nicht nennen. Aber allzu ernst nimmt sich der Film auch nicht …

Christian Tramitz: Wir haben uns überlegt, wie man das angeht: Jerry Cotton als überzogenen Superhelden zu spielen, wäre nach 15 Minuten langweilig geworden. Wir haben uns also dazu entschieden, dass das Publikum mit Jerry mitleiden können soll. Dass er in blöde Situationen kommt, verletzt wird, nicht mehr schießen kann, dass er mit einem zusammenarbeiten muss, den er am Anfang verachtet. Aber natürlich ist Jerry stilisiert. Er hat eine spezielle Sprache, sieht komisch aus, ist eigen in seinen Ansichten, ein Hardliner und ein bisschen misanthropisch. Er ist jedenfalls bestimmt keine Parodie.

SKIP: Ihr legt es also nicht darauf an, witzig zu sein?

Christian Tramitz: Ich nicht. Ich wollte das auf keinen Fall.

SKIP: Aber eine Komödie ist der Film ja doch irgendwie …

Christian Tramitz: Ja … sicher sollte der Film eine gewissen Leichtigkeit haben. Im Prinzip hatten wir uns vorgenommen, ein klassisches Buddy Movie zu machen: Leute, die nicht zusammenpassen, müssen zusammenarbeiten und einen Fall lösen. So simpel ist unsere Prämisse gewesen.

SKIP: Also ist durchaus damit zu rechnen, dass die Leute an unterschiedlichen bzw. unerwarteten Stellen lachen?

Christian Tramitz: Für mich ist immer schwer vorstellbar, wie das Publikum reagieren wird. Wir hatten Screenings, die auch überraschend gut liefen. Da wollten die Leute vor allem der Geschichte folgen: Ein ungelöster Fall, eine schöne Frau, ein ungeliebter Partner … und mit diesen Elementen bauen wir dann einen Krimi, mit sehr schönen Bildern, wie ich finde, der Kameramann hat wirklich tolle Arbeit geleistet. Und unsere Komik kommt auch nicht durch Sprüche, sondern durch Situationen. Ich hoffe, dass das gelungen ist.

SKIP: Jerrys speziellen Hand-Gruß fand ich witzig …

Christian Tramitz: Ja, das macht er halt, so ist er halt.

SKIP: Jerry wird auch immer dreckiger und blutiger, wie Bruce Willis in Stirb langsam ...

Christian Tramitz: Ja, genau, das wollten die Autoren unbedingt, die ständig neuen Schrammen und Verletzungen, hier ein Cut, da eine aufs Maul, also wenn es ein parodistisches Element gibt im Film, dann wohl hier.

SKIP: Was kommt als nächster Film mit Christian Tramitz?

Christian Tramitz: Ich drehe gerade 3faltig mit Roland Düringer und Matthias Schweighöfer. Es geht darin um die heilige Dreifaltigkeit. Der heilige Geist verkauft Devotionalien in Bad Ischl und will ein selbst verfasstes Musical aufführen, als Jesus kommt und sagt, die Apokalypse naht.

Interview: Februar 2010

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