Crime Minister

Interview mit Pierce Brosnan zu Der Ghostwriter

Politik mit dem Rücken zur Wand: In Roman Polanskis Thriller Der Ghostwriter spielt Pierce Brosnan einen britischen Ex-Premier, der Dreck am Stecken hat. Der Film bekam in Berlin den Silbernen Regiebären – aber zum Gespräch kam Brosnan allein: Polanski sitzt bekanntlich mit einer Fußfessel in der Schweiz fest.

SKIP: Mister Brosnan, könnte es sein, dass Ihre Filmfigur irgendwie an einen lebenden britischen Ex-Premierminister erinnert?

Pierce Brosnan: Tja, meine erste Frage an Roman Polanski war: "Spiele ich Tony Blair?“ Und er sagte "Nein.“ Ich habe mir Blair natürlich trotzdem ganz genau angesehen und seine Auftritte als Premierminister studiert (grinst). 

SKIP: Polanski konnte den Film nicht in Amerika drehen, daher mussten Sie in Norddeutschland filmen, und noch während der Postproduktion wurde Polanski in der Schweiz verhaftet. Hat das die Arbeit beeinflusst?

Pierce Brosnan: Roman ist ein provokanter, außergewöhnlicher Regisseur. Keiner von uns konnte natürlich vorhersehen, was während der Arbeit am Film noch passieren würde. Polanski macht auf eine Art Filme, die auf irgendeine Weise auch sein eigenes Leben reflektieren: Hier haben wir Polanski, einen Regisseur im Exil, der sein Leben lang irgendwie auf der Flucht zu sein schien, und im Film gibt es diese eine politische Figur, die ebenfalls wegen einer Anklage nicht heimkehren kann – und die noch dazu auf einen Premierminister hindeutet, der aktuell wegen einiger Entscheidungen während seiner Amtszeit einer Untersuchung unterworfen ist. Ein ganz schön realistischer Thriller also!

SKIP: Polanski hat einen Ruf als sehr fordernder Regisseur. Wie sind Sie mit ihm ausgekommen?

Pierce Brosnan: Seine Leidenschaft für das Filmemachen ist so groß, dass er sehr schnell arbeiten will, und wenn das nicht geht, wird er dann oft launisch und gibt ätzende Kommentare ab. Da muss man als Schauspieler und als Mensch einiges aushalten können. Aber die Arbeit ist wunderbar und anregend, nur die Besten haben diese Intensität.

SKIP: Haben Sie mit Polanski über seine Situation nach der Verhaftung gesprochen?

Pierce Brosnan: Nein, das geht mich nichts an. Wir haben aber telefoniert, bevor wir nach Berlin fuhren. Er wünschte uns für die Premiere und die Pressearbeit alles Gute, und er hat selbst in dieser Situation viel Ironie bewiesen. Bei der Premiere gab es eindeutig eine Leerstelle, seine Abwesenheit war für alle spürbar.

SKIP: Ein ganz anderes Projekt ist die Romanze Remember Me, die Sie gerade mit Ihrem jungen Kollegen Robert Pattinson gedreht haben. Wie liefs mit dem Teenie-Idol am Set?

Pierce Brosnan: Zum Teil ganz schön bizarr: Als wir im Central Park in New York filmten, haben ihm bei seinem Wohnwagen bestimmt 6000 Mädels zugejubelt. Und ich konnte gemütlich mit einer Tasse Kaffee vor meinem Trailer sitzen und bekam gelegentlich freundlichen Applaus von einem Spaziergänger (grinst). Aber ich muss sagen, Robert ist ein wirklich beeindruckender junger Schauspieler, und er geht gut mit seinem Ruhm um.

Interview: Februar 2010

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