Von wegen Tante Emma!

Interview mit Emma Thompson zu Eine zauberhafte Nanny - Knall auf Fall in ein neues Abenteuer

Sie ist die lebende Antithese zum Jugendwahn: Emma Thompson, wunderschön, superentspannt, klug, cool und charismatisch. Als Produzentin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin der Nanny McPhee-Filme lässt sie uns an ihren 50 Jahren Lebenserfahrung teilhaben – für SKIP gabs in London noch eine Draufgabe.

SKIP: War eine Fortsetzung der Geschichte um die zauberhafte Nanny immer schon geplant, oder hat Sie der große Erfolg des ersten Teils dazu verleitet?

Emma Thompson: Geplant war er von Anfang an, aber der Erfolg hat ihn erst ermöglicht. Eigentlich habe ich mir sogar vier Teile vorgestellt. Und jedes Abenteuer soll in einer anderen Zeit spielen: Der erste Teil spielte ja Mitte des 19. Jhdts, der zweite jetzt in den 1940ern. Der dritte Teil wird – wenn es ihn gibt – in der Gegenwart spielen, und der vierte dann im Weltraum (lacht).

SKIP: Wie kam es eigentlich, dass US-Amerikanerin Maggie Gyllenhaal in diesem doch sehr britischen Film eine Hauptrolle spielt?

Emma Thompson: Weil sie einfach so gut ist (lacht). Ich habe ja mit ihr gemeinsam in der Komödie Schräger als Fiktion gearbeitet, da fand ich sie wunderbar. Und sie hat den britischen Akzent sehr gut hinbekommen. Die britischen Schauspielerinnen, die für uns in Frage gekommen wären, waren alle zu jung. Und die, die das richtige Alter gehabt hätten, waren nicht berühmt genug für das OK der Produktionsfirma ... Casting ist ein schreckliches Geschäft. Aber wir waren uns alle einig, dass Maggie eine ziemlich interessante Wahl darstellt. Schon allein, weil sie schon so viele raue, recht heftige Rollen gespielt hat und es faszinierend war, sie mal in etwas ganz anderem zu sehen. Als liebevolle, offene, gutherzige Frau.

SKIP: Dieses Projekt liegt Ihnen sehr am Herzen.

Emma Thompson: Oh ja. Ich liebe es, für Kinder zu schreiben. Wirklich sehr. Ich finde die Herausforderung, für Kinder und ihre Familien zu schreiben, sehr inspirierend und anstrengend zugleich – Sie kennen das ja sicher, etwas wirklich Schwieriges zu schreiben, ist viel interessanter, als etwas, von dem sie von vornherein wissen, dass Sie es eh gut können. Ein Drama für Erwachsene ist viel einfacher als ein Drehbuch für einen Kinderfilm.

SKIP: Und es hängt eine ganz andere Verantwortung dran.

Emma Thompson: Ja, genau. Meine Generation ist mit Büchern aufgewachsen, deren Bilder und Geschichten uns wesentlich geformt haben. Für die meisten Kinder Kinder heute sind es Filme, mit denen sie aufwachsen. Und wenn man, wie ich, glaubt, dass Kunst dafür da ist, den Charakter zu formen und weiterzuentwickeln, dann sollte man versuchen, den Kindern die verdammt beste Kunst vorzusetzen, die man zusammenbringt. Das muss man sehr ernst nehmen. Ich sehe mir viel an, was heutzutage für Kinder gemacht wird, und sehe eine Menge simple, moralisch leere Sachen ohne jede Bedeutung. Aber wollen wir unsere Kinder nicht in dem Bewusstsein großziehen, dass das Leben sehr wohl einen Sinn hat?

SKIP: Trotzdem: Sie können so viel Kunst in einen Film stecken, wie Sie wollen, wenn die Kinder ihn nicht sehen wollen, dann hilft das alles nichts.

Emma Thompson: Stimmt (lacht). Kinder sind das schwierigste Publikum überhaupt. Wenn ihnen etwas nicht gefällt, dann sehen sie es sich einfach nicht an. Und sie sagen einem genau, was sie von etwas halten. Kinder beschönigen nicht, und sie sind überhaupt nicht beeindruckt davon, wenn jemand ein berühmter Schauspieler ist. Starruhm ist ihnen egal. Was für sie wichtig ist, ist eine gute Geschichte.

SKIP: Hat sich Nanny McPhee seit dem ersten Teil eigentlich verändert?

Emma Thompson: Ein wenig. Sie ist ein wenig zugänglicher geworden. Und sie hat jetzt ein Haustier, eine Krähe. Und diese Krähe möchte nichts lieber, als auf ihrer Schulter zu sitzen wie ein Papagei bei einem Piraten. Aber Nanny McPhee lässt sie nicht, weil sie so schlimm ist (kichert). Das ist eine ganz lustige Geschichte mit den beiden.

SKIP: Haben Sie eigentlich Spaß daran, als Nanny McPhee so hässlich wie möglich zu sein?

Emma Thompson: Oh ja, das ist wundervoll! Hässlich zu sein und sich einfach nichts scheißen zu müssen. Ich habe viele schlimme Eigenschaften, aber Eitelkeit ist sicher keine davon (lacht).

SKIP: Haben Sie die Nanny McPhee nach Ihrem eigenen Vorbild gebastelt?

Emma Thompson: Nein (lacht). Leider nicht. Ich wünschte, ich wäre wie sie, aber ich schaffe es nicht.

SKIP: Ihre Tochter Gaia, wird heuer 11. Was für eine Mutter sind Sie?

Emma Thompson: Ich bin sehr präsent. Das, was ich immer wollte, war eine selbstverständliche Mutter zu sein. Und das habe ich auch zusammengebracht, für meine Tochter bin ich enorm selbstverständlich (lacht). Ich wollte vermeiden, dass sie mich als etwas Besonderes sieht, als etwas, was man nicht immer haben kann. Wenn man zu wenig vorhanden ist, dann wird man zu wichtig. Deshalb muss man Opfer bringen und da sein für das Kind. Also schreibe ich mehr als ich schauspiele, denn schreiben kann ich zu Hause auch.

SKIP: Hatten Sie jemals selber eine Nanny?

Emma Thompson: Wir hatten hin und wieder Au-pairs. Meine Eltern waren beide Schauspieler und sehr arm. Wenn sie tatsächlich mal beide einen Job bekamen, waren Au-pairs das Einzige, was sie sich leisten konnten. Das waren dann 18-jährige Mädels, die mehr Aufsicht brauchten als wir Kinder (lacht). Meine Tochter Gaia hatte eine wundervolle Nanny, die ist mittlerweile meine persönliche Assistentin. Also, meine Nanny, im Prinzip (lacht).

SKIP: Sie waren Anfang der 80er ein Star der legendären britischen TV-Comedy-Szene, zu Ihrem Freundeskreis gehörten Leute wie Blackadder-Erfinder Ben Elton, Stephen Fry oder Hugh Laurie. Haben Sie mit denen noch Kontakt?

Emma Thompson: Oh ja, erst gestern war ich wieder mal mit Ben essen. Mit Hugh war ich damals übrigens sogar mal zusammen (kichert). Es ist fantastisch, ihn jetzt in Dr. House als großen Star zu sehen. Ich wusste immer schon, dass er ein Genie ist!

Interview: Gini Brenner / Dezember 2009

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