Yes Sir oder Hausarrest

Interview mit Chloë Grace Moretz zu Kick-Ass

In ihrer Rolle als fantastisch schlagkräftige 11-jährige Lindy Macready alias Hit Girl in Kick-Ass ist Chloe Moretz, 13, die witzigste abgedrehte Antiheldin, die Hollywood je gezeigt hat. SKIP traf das privat sehr wohlbehütete Mädchen, das demnächst mit Martin Scorsese dreht, in Wien.

Interviews mit Kinderstars sind seltsam. Oft sind ihre Antworten ausschließlich antrainiert - ohne tieferes Verständnis ihrer beruflichen Funktion wollen die Kids einfach Spaß haben beim Filmdrehen und tun deshalb, was man ihnen sagt. Aber manchmal kriegt man das gruselige Gefühl, ein Erwachsener würde aus einem am Tisch sitzenden Kinderkörper Konversation führen. Zum Glück schafft es Chloe Moretz, in der Mitte zu bleiben: Beim Interview in sehr dezenter Anwesenheit ihrer Mutter zeigte sie keine charakterlichen Parallelen zu ihrer frechen Tomboy-Filmfigur und machte klar, dass ihr Auftritt im Film hauptsächlich begnadetes Schauspiel ist. Sie ist ansonsten eine ganz normale Dreizehnjährige, deren Eltern sie an nicht besonders langer Leine halten. Ganz nach dem Motto "I’m just Chloe.“

SKIP: Sag mal, wie weit spiegelt Hit-Girls Benehmen eigentlich die Geisteshaltung heutiger Kids in deinem Alter wider?

Chloe Moretz: Ich finde, das ist schon ziemlich abwegig. Ich benehme mich nie so, und meine Freunde würden sich auch nie so benehmen. Ich benutze nie Schimpfwörter, außer in einem Film. Chloe und Mindy Macready sind sehr unterschiedlich.

SKIP: Ich meine nicht sosehr das Fluchen und Schießen, sondern die Art, wie abgeklärt Mindy die Welt sieht, das ist ja sehr erwachsen und weit entfernt von kindisch …

Chloe Moretz: Ja … also wenn ich mit meinen Freundinnen zusammen bin, sind wir schon oft sehr kindisch. Wenn Erwachsene dabei sind, will ich das aber nicht so. Ich glaube, bei mir ist alles ziemlich normal, ich bin ein ganz normales dreizehnjähriges Mädchen.

SKIP: Aber das muss doch etwas sehr Besonderes für dich sein, so herumzureisen und Interviews für einen Film zu geben … wie machst du das eigentlich mit der Schule?

Chloe Moretz: Ich werde privat unterrichtet.

SKIP: Funktioniert das gut? Wie findest du da Freundinnen?

Chloe Moretz: Ich war in einem ganz normalen Kindergarten und dann bis zur vierten Klasse auch normal in der Schule. Aber zur Zeit finde ich den Privatunterricht sehr angenehm, weil ich meine Freunde in kleineren Dosen genießen kann, als sie jeden Tag zu sehen. So gibts auch weniger Dramen. Und ich kann trotzdem zu Parties gehen und meine Freunde oft genug sehen.

SKIP: Und seit wann bist du im Showbusiness?

Chloe Moretz: Seit meinem siebten Lebensjahr.

SKIP: Und wolltest du das immer schon machen?

Chloe Moretz: Ja, mein Bruder war an der Schauspielschule und hat mich angesteckt. Er ist heute auch mein Schauspieltrainer.

SKIP: Findest du es schade, dass du noch einige Zeit warten musst, bis du dir den Film ansehen darfst?

Chloe Moretz: Oh, ich habe ihn gesehen. Ein paar Mal habe ich ihn gesehen.  Aber nur, weil ich mitspiele, ansonsten wäre das nicht möglich. Aber ich will ja auch wissen, wo ich da mitgespielt habe. Der Film ist erstaunlich. Meine Erwartungen wurden definitiv weit übertroffen, wirklich beeindruckend. Wir hatten sehr viel Spaß beim Drehen und ich finde, das sieht man dem Film auch an.

SKIP: Deine Rolle war auch eine körperliche Herausforderung. Wie hast du trainiert?

Chloe Moretz: Ich hatte die besten Trainer der Welt und auch eine Top-Stuntcrew. Einen Monat vor Drehstart haben wir mit dem Training angefangen. Ich hab z. B. trainiert, wie man eine Waffe zerlegt und wieder zusammenbaut, und wie man sicher mit ihr umgeht.

SKIP: Hast du schon andere Projekte am Laufen?

Chloe Moretz: Ich werde für Martin Scorsese die Hauptrolle im Film The Invention of Hugo Cabret spielen und ich habe Let Me In abgedreht, das US-Remake von So finster die Nacht. Da spiele ich Abby, den Vampir.

SKIP: Welche beruflichen Vorbilder hast du?

Chloe Moretz: Meine großen Vorbilder sind Jodie Foster und Natalie Portman. So möchte ich auch sein. Sie sind wirklich tolle Schauspielerinnen, die es auch hinbekommen haben, zur Uni zu gehen. Für mich kommt Bildung zuerst. Ich will aufs College gehen und die Schauspielerei nebenher machen.

SKIP: Welche Arbeiten von Natalie Portman haben dich besonders beeindruckt?

Chloe Moretz: Das meiste davon darf ich ja noch gar nicht sehen. Aber es ist mehr ihr ganzes Wesen. Wenn man sie ansieht, dann ist sie eine wunderschöne Person und Schauspielerin, aber auch das, was sich hinter ihren Augen abspielt, ist beeindruckend. Sie ist einfach wirklich ausdrucksstark.

SKIP: Hast du dir überlegt, was du tust, wenn das mit der Schauspielerei langfristig nichts wird?

Chloe Moretz: Dann werde ich wahrscheinlich Pilotin.

SKIP: Haben dich deine Eltern auf die Gefahren vorbereitet, die es gibt, wenn junge Leute wie du so viel Publicity bekommen und berühmt werden?

Chloe Moretz: Meine Eltern sorgen dafür, dass meine Brüder und ich, am Boden bleiben. Wir sind eine typische Southern Family. Wenn ich nicht "Yes, Sir" und "No, Sir“ sage, bekomme ich Hausarrest. Die halten den Ruhm und die ganzen Schauspielerparties von mir fern. Sehr ... bodenständig.

Interview: Klaus Hübner / März 2010

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