Action Man

Interview mit Jonathan Mostow zu Surrogates - Mein zweites Ich

In U-571 schickte er Matthew McConaughey unter Wasser, in Terminator 2 Arnold Schwarzenegger in die Apokalypse, und in Surrogates erlebt Bruce Willis einen futuristischen Techno-Alptraum - SKIP bat ihn zum Exklusiv-Chat.

SKIP: In Surrogates geht es um virtuelle Erlebnisse - ist es nicht lustig, dass wir ausgerechnet zu diesem Film ein quasi virtuelles Interview übers Web führen?

Jonathan Mostow: In der Tat! Aber es ist gar nicht unpraktisch so.

SKIP: Unsere Welt wird immer technikverrückter. Sollten wir da nicht dringend gegensteuern?

Jonathan Mostow: Für mich als Techniksüchtigen ist das ziemlich schwer zu beantworten. Jeder Moment, den ich vor dem Computer verbringe, ist einer, den ich nicht in der wirklichen Welt, mit meinen Freunden und meiner Familie verbringe, das ist mir schon klar. Aber ich denke auch, dass wir erst am Anfang der technologischen Revolution stehen, unsere Gesellschaft muss sich da noch über Vieles klar werden. Ich bin sicher, dass in ein paar hundert Jahren unsere Zeit als ein Wendepunkt in der Geschichte gesehen werden wird.

SKIP: Macht die rasante technologische Entwickung die Arbeit an einem Sci-fi-Film eigentlich leicher oder schwieriger, weil man immer höhrere Standards erreichen muss?

Jonathan Mostow: Vom praktischen Standpunkt aus gesehen wirds natürlich einfacher, weil man durch die CG-Revolution fast alles umsetzen kann, was man sich vorstellt. Vom künstlerischen Standpunkt allerings wird die Herausforderung immer größer, etwas Neues zu schaffen. Die einzige Grenze ist die eigene Fantasie - und diese Grenze wird auf einmal dramatisch sichtbar.

SKIP: Glauben Sie, dass das, was man in Surrogates sieht, einmal Wirklichkeit werden könnte?

Jonathan Mostow: Naja, in einem gewissen Sinn ist es das ja schon. Sicher, wir haben noch keine gedankengesteuerten Roboter, aber man kann schon ganz gut ein Leben verbringen, ohne jemals das Haus verlassen zu müssen: Man kann einkaufen, Freunde treffen, sich darüber informieren, was grad draußen in der Welt vor sich geht - sogar arbeiten kann man von zuhause aus. Allerdings ist das auf die Dauer wohl eine recht eintönige Art zu leben.

SKIP: Wenn das so ist, hatten Sie nie Angst, dass Ihr Film zu schnell von der Realität eingeholt wird?

Jonathan Mostow: Wir haben alles getan, um das zu vermeiden! Ursprünglich hätte Surrogates ja in 2050 spielen sollen, mit fliegenden Autos und 3D-Screens überall und so weiter. Aber dann fiel uns auf, dass genau diese Gadgets in anderen Filmen jetzt schon überaltet wirken. Also haben wir uns mehr auf die Essenz der Geschichte konzentriert, und die grundlegende Frage: Wie erhalten wir die Menschlichkeit in einer durch und durch technologischen Welt? Deshalb haben wir dann die ganzen Techno-Spielereien drumrum weggelassen, nichts sollte von den Surrogates ablenken.

Interview: Gini Brenner / Januar 2010

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