Schweizer Kracher

Interview mit Marie Leuenberger zu Die Standesbeamtin

Von 0 auf 100: Gleich mit ihrem ersten Film räumte die Theaterschau­spielerin Marie Leuenberger eine Reihe internationaler Schauspielpreise ab. Keine einfache Übung für eine Schweizerin …

SKIP: Für Ihre Filmfigur Rahel ist der Reiz groß, beruflich etwas Neues zu wagen und endlich wieder Musik zu machen. Kennen Sie das?

Marie Leuenberger: Nein, denn die Schauspielerei ist meine große Liebe. Aber wenn ich einen Bürojob machen müsste, und dann doch Theater spielen könnte, so wie Rahel plötzlich die Möglichkeit hat, wieder Musik zu machen - ich glaube, das wäre wie ein neuer Frühling.

SKIP: Der Film spielt mit den Sympathien und Antipathien zwischen den Schweizern und den Deutschen. Wir Österreicher haben zu den Deutschen ja ein ähnliches Verhältnis …

Marie Leuenberger: Nun, ich kenne beide Seiten: Meine Mutter ist Deutsche, ich bin in der Schweiz aufgewachsen, bin aber jetzt schon lange beruflich wieder in Deutschland. Die Deutschen lieben die Schweizer, sie finden sie immer freundlich - aber die Schweizer sind den Deutschen gegenüber richtig aggressiv. Das sind zwei ganz unterschiedliche Mentalitäten: In der Schweiz braucht man zehn Sätze, um Kritik loszuwerden, aber es wirkt immer noch freundlich. Die Deutschen sagen das in einem Satz, und das kommt dann oft sehr ruppig daher.

SKIP: Auch Ben geht im Film für seine Karriere nach Deutschland. Ist die Schweiz zu eng für eine Künstlerlaufbahn?

Marie Leuenberger: Jeder Schweizer weiß, wer Beat Schlatter ist, der in meinem Film den Chef vom Standesamt spielt - aber in Deutschland kennt ihn niemand. Vielleicht ist die Schweiz wirklich etwas zu klein. Aber durch die gemeinsame Sprache mit Deutschland und Österreich hat man die tolle Chance, in allen drei Ländern arbeiten zu können. Wenn man aber nur Schweizerdeutsch spielt, dann bleibt man eben dort. Nur: Dort schauen die Deutschen und Österreicher halt nicht hin.

Interview: Magdalena Miedl / April 2010

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