Finsterer, ernster, zorniger

Interview mit Jackie Earle Haley zu A Nightmare on Elm Street

25 Jahre lang waren Freddy Krueger und Robert Englund unzertrennbar, aber jetzt ist ein neuer Mann in die verbrannte Haut des sadistischen Albtraum-Schlächters geschlüpft: SKIP traf Schauspielveteran und Neo-Freddy Jackie Earle Haley in L. A.

Schon in den 1970er Jahren war Jackie Earle Haley ein Star. Ein sogenannter Kinderstar. Er war der Liebling der drei Die Bären sind los-Filme mit Walter Matthau. Auch ein paar andere Rollen brachten ihm Ruhm ein. Aber Haley schaffte es nicht wirklich, ins Erwachsenenfach zu wechseln. Nach dem 1983er Film Die Aufreißer von der High School von Curtis Hanson (8 Mile) mit Tom Cruise spielte er noch ein bisschen Theater und sattelte um ins Regiefach, wo er sich als Werberegisseur etablierte. Aber 2004 feierte er sein Comeback in Das Spiel der Macht, und seither gehts aufwärts mit dem heute 49-Jährigen. Er war in Little Children zu sehen, spielte in Watchmen den Rorschach und ist einer der Stars der TV-Serie Human Target.

SKIP: Hattest du irgendwelche Schlafstörungen, während du Nightmare gedreht hast?

Jackie Earle Haley: Ja, aber ich glaube, das lag an meiner Ernährung, meiner McDonalds-Diät … und daran, dass wir ständig die Nächte durchgefeiert haben … Aber eine Geschichte stimmt wirklich: Es ist ein paarmal vorgekommen, dass ich in der Nacht ein wenig Probleme mit dem Einschlafen hatte, nicht wegen irgendwelcher Albträume, sondern weil ich das Gefühl hatte, dass das Make-up noch an meinem Gesicht klebt. Wenn du im Bett liegst und plötzlich so ein Gefühl kriegst, das ist schon unangenehm.

SKIP: Das klingt aber doch ein wenig wie ein Albtraum.

Jackie Earle Haley: Ja, das war schon ziemlich seltsam.

SKIP: Wenn du so eine "klassische" Horror-Rolle wie Freddy Krueger annimmst, dreht es sich da von Anfang an darum, was du von ihren bisherigen Charakterzügen übernimmst und was du neu machen willst?

Jackie Earle Haley: Weißt du, ich denke, die wirkliche Herausforderung war zu versuchen, einen Freddy zu erschaffen, der zwar wiedererkennbar, aber trotzdem meine Schöpfung ist. Das war mir wichtig, dass es was Eigenes wird. Mein Freddy ist auf jeden Fall ernster und zorniger.

SKIP: Hast du dir die alten Nightmare-Filme angesehen?

Jackie Earle Haley: Ja, den ersten habe ich mir nochmal angesehen, ich konnte mich auch noch erinnern, dass ich ihn im Kino gesehen hatte. Ich war damals noch recht jung, und er ist mir wirklich gut eingefahren. Die Stimmung war beim ersten Film auch noch viel düsterer als später, wo schon eine Art Kult um Freddy entstanden und er ein wenig übertrieben und eher komödiantisch angelegt war. Ich will das nicht runtermachen, das war toll und die Leute haben es geliebt. Aber was Regisseur Sam Bayer und die Leute von Michael Bays Produktionsfirma Platinum Dunes mit dieser Neuinszenierung wollten, war ein finsteres, ernstes Stück Horror, und das fand ich eine coole Idee.

SKIP: Als du den fertigen Film gesehen hast, hat er dich stellenweise erschrocken?

Jackie Earle Haley: Naja, in meinem Alter kann ich praktisch jeden Horrorfilm ansehen, ohne mich zu erschrecken, aber ich fand ihn wirklich gut gelungen, ein satter, tadelloser Horrorfilm. Horror ist nicht unbedingt mein Lieblingsgenre. Sicher, Alien oder die Filme von Sam Raimi waren damals wirklich herausragend, aber ich bin nicht mehr 17, wo es mir gereicht hat, dass ein paar Kids in eine Hütte gesteckt und abgeschlachtet werden, ich brauche Multidimensionalität, ich will Charaktere, deren Schicksal mich kümmert. Und das ist uns glaube ich sehr gut gelungen.

SKIP: War für dich ein spezieller Druck spürbar wegen der langen Geschichte und des Kultfaktors von Freddy Krueger?

Jackie Earle Haley: Du meinst, weil ich eine Rolle spiele, die Robert Englund über zwei Jahrzehnte lang in einer Weise besetzt hat, dass jeder, der den Namen Freddy Krueger hört, sofort an ihn denken muss? Druck? Aber geh.

SKIP: Bist du damit glücklich, dass dir nun vermehrt Rollen von finsteren, kaputten Typen angeboten werden?

Jackie Earle Haley: Nun … als Nächstes ist der Teufel dran.

SKIP: Ist ein Sequel geplant und hast du vor, da ein wenig Qualitätskontrolle auszuüben, damit mit der Serie nicht dasselbe passiert wie mit der alten?

Jackie Earle Haley: Ich weiß nicht. Habe ich mir noch nicht überlegt. Warten wir ab, wie es für diesen Film läuft.

SKIP: Hat es jemals Überlegungen gegeben, Freddys Outfit zu ändern, weg vom gestreiften Pullover und dem Hut?

Jackie Earle Haley: Ja, wir haben anfangs schon Sachen ausprobiert, zum Beispiel eine Baseballkappe, aber das hat alles nicht funktioniert. Das Make-up ist wahrscheinlich die entscheidendste Änderung. Das ist stark von echten Verbrennungsopfern inspiriert, und gleichzeitig hat es einen dämonischen Touch. Anfangs haben wir dafür übrigens sechs Stunden gebraucht, aber das hat sich im Verlauf des Drehs zum Glück auf dreieinhalb reduziert.

Interview: Klaus Hübner / April 2010

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