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08/13/2020

Neu im Kino: "Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra"

Die Mafia vergisst nicht: Marco Bellocchio erzählt in seinem neuen Film vom hoffnungslosen Kampf gegen die italienische Cosa Nostra.

Dies ist eine wahre Geschichte. Sie erzählt vom Mafioso Tommaso Buscetta (Pierfrancesco Favino), der Anfang der 1980er Jahre mit seiner „Familie” gebrochen und als Kronzeuge zur Justiz übergewandert ist. Es war die Folge einer Reihe brutaler Attentate auf Angehörige seiner tatsächlichen Familie und in den Augen der Cosa Nostra vor allem eines: Verrat. Dass das organisierte sizilianische Verbrechen nachtragend ist, muss wohl kaum erwähnt werden. Dennoch findet Buscetta den Mut, gemeinsam mit dem Mafia-Jäger Giovanni Falcone einen gigantischen Prozess gegen hunderte Mitglieder zu starten. Mit jedem Wort, das er gegen seine ehemaligen Kollegen aussagt, bringt er sich dem Grab einen Schritt näher, doch ebenso klicken immer mehr Handschellen und sollte die Justiz gewinnen, würden auch die Gitterstäbe krachend ins Schloss fliegen. Während Regie-Kollege Martin Scorsese in den meisten seiner Gangster-Erzählungen einen zwar schonungslosen, aber dennoch nicht frei von Coolness gefärbten Eindruck hinterlässt, zeigt Marco Bellocchio die möglichst reale Abbildung des kriminellen Alltags und auch des Gerichtsprozesses, dessen Verhandlungen zumeist auf tatsächlichen Aufzeichnungen basieren.

Es ist kein schönes Bild, das hier gezeichnet wird, doch ein ehrliches und erschreckendes. Die Moralvorstellungen der Mafia zu begreifen, bedarf mehr als nur gutes Einfühlvermögen. Ein wenig Skrupellosigkeit und fehlende Empathie dürften nicht schaden. Und wenn man begreift, dass die Cosa Nostra mehr ein strukturelles Problem als tatsächliche Gangster-Bande ist und auch die staatlichen Einrichtungen nicht frei von deren Einfluss sind, bleibt trotz all der justiziablen Erfolge ein bitterer Beigeschmack.

"Il Traditore" ist ab 14. August 2020 in den österreichischen Kinos zu sehen.