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News
12/05/2019

Bellaria sperrt zu: Wien verliert eines seiner ältesten Kinos

Seit 107 Jahren pilgern Filmfans aus der ganzen Stadt ins Bellaria-Kino. Damit soll aber nun Schluss sein: am 17. Dezember werden die Projektoren vielleicht zum letzten Mal laufen.

Es ist eine echte Institution in der Wiener Kinolandschaft – aber nicht mehr lange: Das in einer Seitengasse hinter dem Volkstheater gelegene Bellaria-Kino schließt einem Bericht des "Kurier" zufolge noch heuer für immer seine Pforten. Laut Betreiber Erich Hemmelmeyer "geht es sich einfach wirtschaftlich nicht mehr aus". Geld habe man damit ohnehin nie verdient, das Kino sei ein Hobby gewesen. Für Hemmelmeyer war immer klar: "In dem Moment, wo ich Geld reinbuttern muss, hör' ich auf." 

Der Grund für die fehlende Rentabilität lässt sich einfach zusammenfassen: Zu hohe laufende Kosten bei gleichzeitig zu wenig Publikum. Während früher selbst Nachmittagsvorstellungen voll gewesen seien, sähe das mittlerweile ganz anders aus. "Wenn Sie heute einen Film um 16 Uhr zeigen, haben Sie Glück, wenn ein paar Leute drinnen sitzen." Dazu seien die Mieten für Räumlichkeiten und Filme sowie die Nebenkosten nicht zu unterschätzen.

Die Entscheidung das Kino zu schließen ist für Hemmelmeyer jedenfalls fix, der 17. Dezember soll der letzte Spieltag werden. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin, der oder die es weiterführen könnte, ist derzeit nicht in Sicht. Hemmelmeyer selbst hatte das Kino vor etwas mehr als zehn Jahren von seinem Vater übernommen.

Mit dem Bellaria geht eines der traditionsreichsten Lichtspielhäuser der Stadt verloren. Eröffnet 1912 unter dem Namen "Invalidenbank Kino" erfolgte 1966 eine Spezialisierung auf Filmschlager der Vor- und Nachkriegszeit, heute werden aber auch aktuelle Filme gezeigt. Jenen Gästen, die dem Kino bis zuletzt die Treue hielten, bleibt nichts anderes übrig, als fest die Daumen zu drücken. Es wäre immerhin nicht das erste Mal, dass ein Traditionsbetrieb doch noch in letzter Sekunde vor dem Zusperren bewahrt wird.