© Netflix

News
06/26/2020

Black Lives Matter: Neue Synchro für beliebte Animationsserien

The casts, they are a-changing. Jenny Slate und Kristen Bell synchronisieren nicht länger ihre "gemischtrassigen" Figuren in "Big Mouth" bzw. "Central Park".

Hierzulande schleichen sich Begriffe wie "Rasse" und "gemischtrassig" nur äußerst selten in den öffentlichen Diskurs. Ihr Gebrauch gilt häufig bereits als verbale Ausgrenzung. In den USA sind sie hingegen weit weniger negativ besetzt und im aktuellen Umbruchsversuch der gesellschaftlichen Ordnung, losgetreten durch die Proteste nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd, auch in aller Munde. 

So twittert etwa Nick Kroll, Schöpfer der animierten Netflix-Serie "Big Mouth": "Nach einer eingehenden Diskussion mit uns und unseren Schwarzen Kollegen hat Jenny Slate entschieden — und wir stimmen von ganzem Herzen zu — dass Missy in der Serie 'Big Mouth' von einer schwarzen Schauspielerin gesprochen werden sollte. Wir entschuldigen uns für die ursprüngliche Entscheidung, eine weiße Schauspielerin eine gemischtrassige Figur sprechen zu lassen und bedauern diese Entscheidung sehr."

Missy, einer der Hauptcharaktere in der Serie über vom personifizierten Pubertätsmonster geplagten Teenies, hat einen afroamerikanischen Vater und eine weiße Mutter. Sie wird nicht aus der Serie verschwinden, sondernbekommt eine neue, Schwarze Besetzung. "Dadurch, dass ich Missy gespielt habe, habe ich mich an der Ausgrenzung schwarzer Menschen beteiligt", schreibt Jenny Slate dazu auf Instagram. "Meine Darstellung von Missy zu beenden ist ein Schritt in einem lebenslangen Prozess, den Rassismus in meinem Verhalten aufzudecken."

Das Posting wirkt weniger wie eine Lebensbeichte, als eine späte Erkenntnis, ein Rädchen in einer ungerechten und rassistischen Maschinerie gewesen zu sein. Frei nach dem Motto: Ich war nicht Teil der Lösung, also war ich Teil des Problems. Nicht nur in der US-Unterhaltungsbranche, sondern in der gesamten westlichen Welt, ist ein solches Einsehen noch Mangelware. Das Versprechen, die Dinge künftig anders anzugehen, ebenfalls. Jenny Slate machte hingegen gleich generell reinen Tisch und entschuldigte sich für unangebrachte Witze in ihrer Laufbahn als Comedienne: "Es tut mir so leid. Schwarze Stimmen müssen gehört werden. Black Lives Matter."

Ähnliche Töne stimmt auch Kristen Bell an, die in der animierten Serie "Central Park" auf Apple TV+ bislang die "gemischtrassige" Molly gesprochen hat. Die Rolle anzunehmen bezeichnet Bell nun als "Mittäterschaft" (via "Deadline"). Sie soll einen anderen Part in der Serie bekommen. 

Die Nachhaltigkeit solcher Besetzungsänderungen kann derzeit schwer abgeschätzt werden. Echtes Umdenken oder dem gegenwärtigen Medienrummel geschuldete Shitstorm-Vorbeugung — man wird sehen. Jedenfalls tut sich derzeit auch etwas in den Entertainmentbereichen, in denen Diskriminierung von außen nicht ganz so leicht auszumachen ist. Ein gutes Zeichen.