© Warner Bros. Pictures

News
07/21/2020

Blockbuster-System oder Kinomarkt: Wer kollabiert zuerst?

Die Corona-bedingte Kinoflaute hält weiter an. Der Markt scheint auf Gedeih und Verderb den großen Produktionsfirmen aus den USA ausgeliefert, die weiter auf globale Releases bauen und ihre Filme zurückhalten.

Große Hoffnungen setzten die internationalen Kinobetreiber auf "Tenet". Lange sah es danach aus, als würde Christopher Nolans Thriller dem Seuchen-geplagten Sommer zumindest einen Blockbuster bescheren. Warner Bros. verzögerte den Start bereits zweimal, nun ist der geschätzt 200 Millionen Dollar teuren Streifen auf unbestimmte Zeit verschoben. Bei der Konkurrenz sieht es nicht anders aus. Wann vorprogrammierte Kassenschlager wie "Mulan" oder "Black Widow" veröffentlicht werden, lässt sich nicht vorhersagen. 

Je länger zugewartet wird, desto prekärer die Lage für Lichtspielhäuser auf der ganzen Welt. Indie-Produktionen und frisch angestaubte Klassiker feiern höchstens in den Programmkinos eine kleine Renaissance (klein, weil eben dort schon immer ihr Zielpublikum zu finden war). Großflächig erfolgreiche Ausreißer wie der südkoreanische Zombie-Actioner "Peninsula", der in Woche eins respektable 20 Millionen Dollar einspielte — nicht zuletzt dank guter Ticketverkäufe im eigenen, der Pandemie trotzdenden Land — sind hingegen rar gesät.

Teufelskreis 

Für die großen Kinoketten, ob in Österreich oder den USA, rentiert sich die vollständige Wiedereröffnung nicht, solange keine neuen Blockbuster starten. Diese liegen aber auf Eis, solange keine profitablen weltweiten Starts möglich sind. Ein Teufelskreis, in dem sich beiden Seiten langsam zermürben. In den Vereinigten Staaten plädiert die National Association of Theater Owners dafür, dass die Produktionsfirmen Einbußen in Kauf nehmen und ihre fertige Ware endlich zugänglich machen. Warten sie zu lange, könnte es die Infrastruktur, die den großen Profit erst ermöglicht, nicht mehr geben. 

Toby Emmerich, Vorsitzender von Warner Bros., sieht "Tenet" laut "IndieWire" nicht mehr als "traditionellen, auf Tag und Uhrzeut abgestimmten Filmstart". Wann der Blockbuster in die Kinos kommt, ist aktuell jedoch völlig unklar. 

Die beste Chance auf baldige Besserung ist derzeit leider nur ein hochtrabender Wunschtraum. Sollten die USA dem Virus Herr werden und ihren Kinomarkt wieder hochfahren, würden die neuen Blockbuster nicht lange ausbleiben. Solange Präsident Donald Trump die Krise leugnet, von der besten Sterblichkeitsrate der Welt schwärmt, die Vereinigten Staaten als "envy of the world" (grob übersetzt: "das Vorbild, das alle beneiden") bezeichnet und sich lieber um seinen Wahlkampf, als um die Bekämpfung von Corona kümmert, scheint das aber ausgeschlossen.