Roman Polanski am 7. September 2019 beim Festival du Cinema Americain de Deauville

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News
03/02/2020

César für Polanski lässt die französische Filmwelt toben

Als Roman Polanski zum besten Regisseur gekürt wurde, verließen einige Zuschauer den Saal. Der Vorstand der französischen Filmakademie war bereits zuvor zurückgetreten.

2003 wurde Roman Polanski für sein Drama "Der Pianist" mit dem Regie-Oscar prämiert. Abholen konnte er sich die Auszeichnung nicht – seit über 40 Jahren ist in den USA ein Haftbefehl gegen den Filmemacher ausständig.

1977 stand Polanski in Los Angeles wegen Vergewaltigung einer 13-Jährigen vor Gericht, die Anklage wurde schließlich jedoch in "unrechtmäßigen Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen" geändert. Der Regisseur bekannte sich schuldig, ein Gerichtspsychiater empfahl eine Bewährungsstrafe. Weil Polanski fürchtete, der zuständige Richter würde ihn stattdessen fünfzig Jahre einsitzen lassen, floh er nach Großbritannien und von dort weiter nach Frankreich, wo er auch heute noch lebt.

Unumstritten war Polanskis Oscar-Sieg zwar nicht, der Eklat, den er in der #metoo-Ära zweifellos ausgelöst hätte, blieb aber aus. Polanskis neuen Film "J'accuse – Intrige" (über einen fälschlicherweise des Verrats bezichtigten Hauptmann, der zu lebenslangem Freiheitsentzug verurteilt wird) ließ die Academy aber wenig überraschend außen vor.

Nicht so die Académie des Arts et Techniques du Cinéma, die über die Vergabe der Césars, also der französischen Filmpreise, bestimmt. Bei der Gala am 28. Februar wurde "Intrige" erst für das beste Kostümbild und das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet, dann wurde Roman Polanski auch noch zum besten Regisseur gekürt. Aus Protest verließen einige Zuschauer daraufhin den Saal, unter anderem Adèle Haenel, selbst für einen César als beste Hauptdarstellerin ("Porträt einer jungen Frau in Flammen") nominiert.

Haenel stürmte gestikulierend nach draußen und rief dabei lauthals "la honte" ("eine Schande"). Im vergangenen Jahr hatte die Aktrice ihre Erfahrungen als Missbrauchsopfer öffentlich gemacht. Sie wirft dem Regisseur Christophe Ruggia vor, sie ihm Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren belästigt zu haben. Ruggia inszenierte "Les Diables" ("Kleine Teufel", 2002), Haenels Debüt vor der Kamera.

Der Vorstand der Académie des Arts et Techniques du Cinéma hatte bereits für Polanskis Nominierung heftige Kritik geerntet und war zwei Wochen vor der Verleihung geschlossen zurückgetreten.