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12/13/2019

Der Boss von Disney lädt Martin Scorsese zum Gespräch

Scorsese hatte Superheldenfilme als "kein Kino" bezeichnet. Disney-CEO Bob Iger möchte sich nun mit der Regie-Ikone treffen.

Die moderne Comic-Movie-Ära hat heuer ihren vorläufigen Zenit erreicht. Mit "Black Panther" war erstmals eine Comic-Verfilmung für den Haupt-Oscar (bester Film) nominiert, "Avengers: Endgame" schnappte sich den Rekord für das höchste Einspielergebnis aller Zeiten, und "Joker" jenen für den profitabelsten Film ohne Jugendfreigabe. Ein Ende der Superlativen ist nicht in Sicht, Hollywood schickt einen Superhelden nach dem anderen ins Quoten-Gefecht. 

Einigen alteingesessenen Granden sind die neuen Kassenschlager jedoch ein Dorn im Auge. Martin Scorsese, aktuell dank seines Netflix-Gangster-Epos "The Irishman" in aller Munde, stigmatisierte die Comic-Blockbuster als "kein Kino". Francis Ford Coppola nannte sie sogar "abscheulich". Friedlichen und sehr freundlich formulierten Protest gab es daraufhin von den Marvel-Regisseuren James Gunn und Jon Favreau. Sie drückten dem Cineasten-Adel ihre Wertschätzung aus, verteidigten zugleich aber ihre Filme.

Bog Iger, der CEO von Disney (und somit auch der Boss vom Tochterunternehmen Marvel Studios), zeigte sich da schon etwas angriffslustiger. "Francis Ford Coppola und Martin Scorsese sind zwei Menschen, für die ich Hochachtung empfinde", sagte er Ende Oktober auf der WSJ Tech Live (via "CNET"). "Aber wenn Francis die Worde 'diese Filme sind abscheulich' verwendet... Ich hebe mir das Word 'abscheulich' für jemanden auf, der einen Massenmord verübt hat. Hier geht es um Filme."

In einem Interview mit dem "Time magazine", das ihn zur "Businessperson of the Year" kürte, holte Iger nun zu einem weiteren Gegenschlag aus. Er bezeichnete Scoreses und Coppolas Kommentare als "garstig" und "unfair gegenüber den Leuten, die diese Filme machen."

"In diesem Geschäft geht es um künstlerisches Risiko – wenn Marty Scorsese dabei sein will, dann bekommt er auch die Entscheidungsgewalt", so Iger. Das bedeute aber nicht, dass die Filme des Marvel Cinematic Universe keine Kunst seien.

Laut dem Disney-CEO arbeiten seine und Scorseses Leute bereits daran, ein Treffen zwischen den beiden zu arrangieren. Was dabei besprochen wird? Vielleicht ja eine Kooperation, die den Fans eine Comicverfilmung vom Regisseur von "Taxi Driver", "Departed" und "Good Fellas" beschert. Träumen darf man ja wohl noch.