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03/21/2020

Der Festivalpalast in Cannes wird zum Obdachlosenheim

Die Filmfestspiele von Cannes können wegen dem Coronavirus nicht wie geplant stattfinden. Das legendäre Festivalzentrum wird nun stattdessen zum Zufluchtsort für obdachlose Menschen.

Lange stellte sich die Leitung des glamourösesten Filmfestivals der Welt stur. Irgendwann sah man aber auch an der Croisette den Tatsachen ins Auge: die Filmfestspiele von Cannes müssen verschoben werden, die Covid-Epidemie macht dem geplanten Starauflauf im Mai einen Strich durch die Rechnung. Unklar bleibt einstweilen noch, ob und wann die Schönen, Talentierten und Reichen ihre Filme und Garderoben der Weltöffentlichkeit präsentieren können. Dafür wurde nun bekanntgegeben, was mit dem leerstehenden Festivalzentrum passieren soll: die Behörden öffneten es bereits gestern für Menschen, die auf der Straße leben.

Dominique Aude-Lasset, Generaldirektor der städtischen Infrastruktureinrichtungen, teilte mit, dass ihnen das Gebäude Schutz und Unterschlupf bieten soll. Damit wolle man ein "Zeichen der Solidarität setzen". Wichtiger als die Abhaltung von Kongressen und Kulturveranstaltungen sei, dass auch die Schwächsten zu Hause bleiben können. Die Unterbringung soll dabei selbstverständlich nach den Regeln der sozialen Distanzierung erfolgen, die gegen die Pandemie vorgeschrieben sind. Geboten werden Betten, Mahlzeiten, Duschmöglichkeiten und Fernsehen, am Eingang sollen Taschenkontrollen und Körpertemperaturmessungen erfolgen.

In Frankreich gilt derzeit eine strenge Ausgangssperre. Anders als hierzulande ist es dort nur mit einer offiziellen Bescheinigung möglich, in den Supermarkt oder zur Apotheke zu gehen. Bei Verstoß werden 350 Euro Bußgeld fällig. Dass dieses in zahlreichen großen Städten von der Polizei auch gegen Obdachlose verhängt wurde – die gar keine Wohnungen haben, in denen sie bleiben könnten – sorgte in den letzten Tagen für Kritik. Die Präfekturen in Lyon und Paris kündigten Untersuchungen zu diesem Vorgehen an.