Kevin Feige

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11/11/2019

Feige vs. Scorsese: Das Comic-Imperium schlägt zurück

"Kein Kino" lautete Martin Scorseses vernichtende Kritik zu den Filmen der Marvel Studios. Deren Boss setzt sich zur Wehr.

Darf man einem Großmeister des Regie-Fachs widersprechen, dem die Welt so ikonische Streifen wie "Taxi Driver" und "Wie ein wilder Stier" verdankt? Man darf, urteilt Kevin Feige, solange man nicht am Denkmalschutz kratzt. Will man einem Martin Scorsese die Meinung geigen, hat das möglichst höflich und bescheiden zu erfolgen. Mit einem simplen "let's agree to disagree" wollte sich Feige dann aber doch nicht zufriedengeben ... 

Aber alles der Reihe nach: Die größten Kassenschlager der Gegenwart stammen aus der Blockbuster-Schmiede der Marvel Studios. Mit seinen Superhelden (grob als "Avengers" zusammengefasst) macht das zu Disney gehörende Unternehmen den großen Reibach. Die Fans strömen in Massen in die Lichtspielhäuser und spülen jährlich Milliarden in die Kassen des Mauskonzerns. In den sozialen Netzwerken werden die Streifen abgefeiert, selbst die Filmkritiker brechen gelegentlich in überschwängliche Lobeshymnen aus.

Kein positives Feedback gibt es hingegen von Hollywoods Altmeistern. Francis Ford Coppola bezeichnete Comic-Movies als "abscheulich". Zuvor war das Genre bereits von Martin Scorsese gebrandmarkt worden. Die Streifen seien "kein Kino", so der Oscar-Preisträger (beste Regie 2007, "The Departed"), der später etwas weniger scharf formulierte: "Es steht nichts auf dem Spiel", meinte Scorsese und kritisierte damit die mangelnde Tiefe der Marvel-Figuren und -Geschichten.

Kevin Feige, der Boss der Marvel Studios, sieht das wenig überraschend anders. Er wiederhole nicht einfach ein profitables Schema, erklärte er im Awards Chatter Podcast des "Hollywood Reporter". "Wir haben die Hälfte unserer Figuren getötet", sagte Feige. "Es macht einfach Spaß, unseren Erfolg zu nehmen und ihn dafür zu nutzen, Risiken einzugehen und andere Wege einzuschlagen."

Das ist auch für den nächsten Mega-Blockbuster "The Eternals" geplant. "Wir glauben an die Vision und das, was in diesen Figuren steckt", so Feige. "Wir glauben, dass wir weiter wachsen, uns entwickeln und uns verändern müssen, um das ganze Genre voranzutreiben. Wenn das kein Risiko ist, was dann?"

 

Klare Ansagen, aber keine direkte Reaktion auf die Sager von Scorsese und Coppola. Die formulierte Kevin Feige lieber versöhnlich: "Jeder hat eine eigene Definition von Kino, von Kunst, von Risiko. Jeder darf seine eigene Meinung haben und diese kundtun. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt – aber bis dahin machen wir weiter Filme."

Vor den "Eternals" (November 2020) startet erst einmal "Black Widow" (April 2020), Marvels zweiter Film mit weiblichem Lead. Zusätzlich gibt's ab März jede Menge Comic-Action auf dem neuen Streaming-Portal Disney+.