joy09.jpg

© Filmladen Filmverleih

News
11/20/2019

Fiel "Joy" der Namensänderung des Auslands-Oscars zum Opfer?

Der österreichische Beitrag "Joy" wurde disqualifiziert. Die Academy sieht ein Missverständnis durch die Umbenennung des Auslands-Oscars als Grund, sich selbst aber nicht in der Verantwortung.

Österreich muss die Hoffnungen auf einen neuerlichen Triumph bei den Academy Awards vorzeitig begraben. 2008 holte sich Stefan Ruzowitzkys "Die Fälscher" den Auslands-Oscar, 2013 Michael Hanekes "Amour". Im kommenden Jahr sollte "Joy", Sudabeh Mortezais Drama über nigerianische Prostituierte in Wien, ins Rennen um die begehrte Auszeichnung gehen.

Im Dezember werden die zehn Filme bekanntgegeben, die um insgesamt fünf Nominierungen kämpfen – noch vor der Veröffentlichung dieser Shortlist flog "Joy" jedoch aus dem Bewerb. Die Dialoge des Dramas seien zum Großteil auf Englisch, und das widerspreche dem Regelwerk, so die Erklärung der Academy. 

"Joy" ist nicht der einzige Beitrag, der aus diesem Grund disqualifiziert wurde. Auch der nigerianische Preisanwärter "Lionheart" darf nicht antreten. Das für die Vergabe des Preises zuständige Komitee sieht die Namensänderung der Oscar-Kategorie als Ursache für ein folgenschweres Missverstädnis, das zur Einreichung regelwidriger Beiträge führte. Die Sparte "Best Foreign Language Film" wurde nach der letzten Oscar-Gala in "Best International Feature Film" umbenannt.

"Wir dachten uns einfach, dass der Titel der Kategorie etwas altmodisch war", erläuterte Larry Karaszewski, einer der Vorsitzenden des Komitees, im Gespräch mit "Deadline". "Filmemacher sind nicht Ausländer, sie sind Teil der internationalen Filmemacher-Gemeinschaft." Dass "fremdsprachig" ("Foreign Language") nicht mehr Teil des Titels sei, habe wohl zu der Annahme geführt, die im Regelwerk vorgesehenen "vorwiegend nicht-englischen Dialoge" wären nicht mehr verpflichtend.

Karaszewski bedauert die Vorfälle, hielt aber auch fest, dass der Fehler letztlich nicht bei der Academy liege – sondern an den disqualifizierten Filmnationen, die sich nicht ausreichend über die Bewerbs-Statuten kundig gemacht hätten. Positiv daran sei zumindest, dass die Regeln nun ein für allemal klar sein sollten: "Ich denke immer noch, dass der Titel korrekt ist, und ungklücklicherweise ist das passiert, aber deshalb wird jedem nun bewusst sein, dass das eine Kategorie für nicht-englischsprachige Filme ist." 

Die Kritiker wird diese Rechtfertigung wohl nicht besänftigen. Nach Bekanntgabe der Disqualifikationen war der Academy angekreidet worden, dass Englisch die offizielle Amtssprache Nigerias sei, das Land also offenbar von vornherein nicht am Bewerb teilnehmen dürfe. Zudem seien sowohl "Lionheart" als auch "Joy" unter der Regie von "women of color" entstanden, die bei den Oscars traditionell unterrepräsentiert sind. Darauf ging Larry Karaszewski nicht ein.

 

In „Joy“ nähert sich Sudabeh Mortezai dem aktuellen Thema Frauenhandel mit ihrer bereits aus „Macondo“ bekannten Arbeitsweise zwischen Spiel- und Dokumentarfilm.