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07/06/2020

Filmmusik-Legende Ennio Morricone ist tot

Für über 500 Kino- und Fernsehproduktionen hat Ennio Morricone die Filmmusiken geschrieben, seine Melodien für unter anderem "The Good, The Bad And The Ugly" sind bis heute globale Ohrwürmer. Nun ist der Italiener mit 91 Jahren verstorben.

Sergio Leone sagte über seinen Freund und Stammkomponisten Ennio Morricone einmal, er sei sein bester Drehbuchschreiber. Und tatsächlich: Morricones Melodien halten sich in seinen legendären Italowestern nicht etwa im Hintergrund, sie erzählen die Geschichte maßgeblich mit. Für Leone konnte die Musik Dinge darstellen, die man sonst mit Bildern und Worten hätte mitteilen müssen. Denkt man an "The Good, The Bad And The Ugly", fällt einem zuerst die Titelmelodie mit ihrem charakteristischen "Ah-ih-ah-ih-ah" ein und erst dann ein Filmzitat von Clint Eastwoods Figur. Das Lied klingt beinahe so, als hätten es der Wind und die Tiere im wilden Westen komponiert: Morricone revolutionierte in den 60ern die Filmmusik, indem er die Geräusche von Soundeffekten und die Klänge einfacher Instrumenten mit denen von Orchestern vermischte.

Neben zahlreichen Leone-Western schrieb Morricone auch die Musik für Werke von unter anderem Bernardo Bertolucci, Pier Paolo Pasolini, Terrence Malick, Brian De PalmaJohn Carpenter, Quentin Tarantino – und war dabei für einige der bekanntesten Filme der Filmgeschichte tätig. Letztgenannter Regisseur war sein Leben lang großer Fan von der Arbeit Morricones und wollte ihn bereits für den Score von "Inglorious Basterds" gewinnen. Bei Tarantinos "The Hateful Eight" war es schließlich so weit, Morricone komponierte nach mehr als 30 Jahren wieder die Filmmusik für einen Western und erhielt dafür bei der Oscarverleihung 2016 nach fünf erfolglosen Nominierungen seine erste Auszeichnung für die Arbeit einen spezifischen Film.

Für seine Verdienste für die Filmmusik hatte er zuvor 2007 den Oscar für sein Lebenswerk erhalten – überreicht unter Standing Ovations von Western-Archetypus Clint Eastwood, in einem Moment, der den Italiener zu Tränen rührte. Preise waren aber keineswegs der Motor seiner Motivation: „Erfolg kann schon befriedigend sein, aber die Musik muss stets pur und korrekt sein, niemals bloß ein Vehikel, um anerkannt zu werden“, notierte Morricone einmal.

Trotz seiner intensiven Arbeit für Hollywood betrat Morricone die USA jahrelang nicht, Englisch lernte er nie und seine Kompositionen schrieb er angeblich ausschließlich in seiner Heimatstadt Rom. Erst 2007 startete er fast achtzigjährig erstmals eine Tour durch die Vereinigten Staaten, die schließlich mit der Entgegennahme seines Academy Awards endete. Überhaupt blieb Morricone bis ins hohe Alter aktiv und unternahm noch mit 90 Jahren vergangenes Jahr seine "Farewell Tour". Damit wollte er seine Werke ein letztes Mal live für Menschen verschiedener Generationen und unterschiedlicher Herkunft aufführen.

Nach einem Sturz, bei dem er sich seinen Oberschenkel gebrochen hat, starb Morricone heute früh in einem römischen Krankenhaus im Alter von 91 Jahren. Laut seinem Anwalt war er bis zum Schluss ansprechbar und konnte sich von seiner Frau, seinen Kindern und Enkelkindern verabschieden. Zudem hätte er sich bei seinem Publikum bedankt, von dem er stets Unterstützung für seine Kreativität erhalten habe.

Morricone schrieb seine Todesanzeige selbst

Einige letzte Worte hat Ennio Morricone auch für die Öffentlichkeit. Seine Todesanzeige, die am morgigen Dienstag in allen großen Tageszeitungen geschaltet werden soll, hat er selbst verfasst und teilt darin bescheiden mit, dass er sich nur ein privates Begräbnis wünscht. Er erklärt auch wieso: er wolle nicht stören.

Mit den Zeilen „Ich, Ennio Morricone, bin gestorben. Das kündige ich allen Freunden an, die mir stets nahegestanden sind, und auch jenen, die ferner sind und die ich mit großer Liebe grüße. Es ist unmöglich, alle zu nennen“ beginnt die Notiz des Maestros. Anschließend verabschiedet sich Morricone darin unter anderem von seiner Schwester und ihren Angehörigen, seinen Kindern, seinen Enkeln und seiner Frau – und versichert sie noch einmal seiner Liebe.