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06/04/2020

John Boyega riskiert Karriere für Black Lives Matter, Regisseure stellen sich hinter ihn

Mit öffentlichen politischen Bekundungen kann man seine Film-Karriere schon einmal ruinieren. John Boyega ist das egal – nun stärken ihm Hollywood-Größen den Rücken.

Hollywoods schwarze Liste lässt grüßen. Bis heute geht sie wie ein Gespenst in der amerikanischen Filmindustrie um: In der McCarthy-Ära war es jenen Filmschaffenden, die Kommunisten waren oder für solche gehalten wurden, verboten ihrer Arbeit nachzugehen. Alles vorbei und vergessen? Nicht ganz. Gerade die Weinstein-Affäre zeigte, dass mächtige Hollywood-Produzenten in der Lage sind, auch heute noch Darsteller, Regisseure und Drehbuchautoren zum Schweigen zu bringen, damit sie keine Missstände anprangern können. Weinstein ist mittlerweile endlich im Knast, aber immer noch sind einige mächtige Produzenten: weiß, männlich, rassistisch und sexistisch. Öffentlich gegen Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Rassismus vorzugehen kann also existenzbedrohend werden.

Es gibt aber Schauspieler, die sich von dieser Tatsache ganz sicher nicht den Mund verbieten lassen. Einer von ihnen ist Star Wars-Star John Boyega. Der Brite trat bei Solidaritätskundgebungen im Londoner Hyde Park auf und brüllte sich in emotionalen Reden die Stimmbänder wund. "Schwarze Leben haben immer eine Rolle gespielt. Wir sind immer wichtig gewesen. Wir haben immer etwas bedeutet. Wir waren immer erfolgreich, ohne Rücksicht auf Verluste. Und jetzt ist die Zeit gekommen. Ich warte nicht mehr." 

 

Boyega dankte allen Mitstreitern, die da waren, um zu protestieren. "Schwarze Menschen, ich liebe euch, ich schätze euch, heute ist ein wichtiger Tag. Wir kämpfen für unsere Rechte, wir kämpfen für unsere Fähigkeit, in Freiheit zu leben, wir kämpfen für unsere Fähigkeit, etwas zu erreichen....heute seid ihr ein sichtbares Beispiel dafür."

Dass der Darsteller damit mächtige Player der Branche verärgern könnte, war ihm dabei klar: "Schaut mal, ich weiß nicht, ob ich danach eine Karriere haben werde, aber scheiß drauf."

Es gibt aber natürlich keineswegs nur Monster der Marke Weinstein im berüchtigten Haifischbecken Hollywood. Insbesondere in den letzten Jahren ist es einer Riege aufgeklärter und erfolgreicher Filmschaffender, oftmals Angehörige von Minderheiten oder mit Migrationshintergrund, gelungen, die Branche zum Besseren zu verändern. Einer von ihnen ist etwa Jordan Peele, der mit "Get Out" einen der besten Horrorfilme über Rassismus des vergangenen Jahrzehnts drehte. Er war es auch, der in einem Tweet Boyega sofort den Rücken stärkte – und klar machte, dass Boyega defintiv mit weiteren hochkarätigen Jobaufträgen rechnen darf.

Dem schlossen sich unter anderem Guillermo del Toro, der von zwei Jahren für sein antifaschistisches Unterwasser-Märchen "The Shape of Water" den Oscar holte, "Baby Driver"-Regisseur Edgar Wright und Matthew A. Cherry ("Hair Love") an. "Black Mirror"-Mastermind Charlie Brooker schrieb sogar, er "würde durch ein Fass voll zerbrochenem Glas kriechen, wenn John Boyega dann eines meiner Drehbücher auch nur überfliegen würde".