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03/17/2020

Kino in China feiert Wiedereröffnung, doch niemand geht hin

Im Zhongying Golden Palm im Westen Chinas fanden am 16. März zum ersten Mal seit eineinhalb Monaten Filmvorstellungen statt. Das aber ohne Zuschauer.

Der Coronavirus geht um und sorgt in zahlreichen Ländern für verriegelte oder zumindest kläglich besuchte Kinos. Der passende Zeitpunkt also, um alte Sitcom-Hits nachzustreamen. Die vertreiben nicht nur mit lockeren Gags den Quarantäne-Kummer, sondern auch für eine Nachimpfung längst vergessener Lebensweisheiten.

Perfekt hierfür eignet sich die Friends-2.0.-Comedy "How I Met Your Mother". Da gab's mal eine Folge, in der eine Lebensmittelvergiftung für heftige Kotzattacken sorgte. Zu spät vor einer verdorbenen Suppe gewarnt, sah sich Protagonist Marshall Eriksen (Jason Segel) mit einer unerquicklichen Prognose konfrontiert – der Anblick seiner sich lautstark übergebenden Gattin war quasi die Vorschau seiner eigenen Zukunft.

Lange Rede, kurzer Sinn: Was derzeit in China vor sich geht, wo die Corona-Pandemie bekanntlich ihren Ausgang nahm, könnte zeitverzögert auch hierzulande Wirklichkeit werden.

Am 13. März nahm mindestens ein chinesisches Kinos seinen Betrieb wieder auf. Das Zhongying Golden Palm in der 3,5-Millionen-Einwohner-Stadt Urumtschi hatte am 26. Jänner geschlossen und bot zum Neustart 22 Vorstellungen durchwegs chinesischer Streifen an. Laut "Variety" konnten aber selbst Gratis-Screenings für Clubmitglieder des Kinos keinen einzigen Gast in die Säle locken.

"Wir können nicht ewig geschlossen bleiben", erklärte der Manager des Golden Palm. "Wir können uns nur an die Anweisungen halten und die Situation ein wenig austesten und sehen, welches Feedback wir von den Leuten bekommen."

Als erster Gradmesser für die Zukunft der internationalen Lichtspielhäuser ist die zähe Wiedereröffnung des Golden Palm ernüchternd, vor allem im Hinblick auf den aktuellen Trend der großen Filmverleihe, ihre Produktionen unmittelbar nach oder sogar zeitgleich mit den Kinostarts als Video on Demand anzubieten. Auf verlorenem Posten ist das Kino-Business aber noch lange nicht. Um wieder zu den Lebensweisheiten von "How I Met Your Mother" zurückzukehren: Die Lebensmittelvergiftung war am Ende gar keine, Marshalls befürchteter Brechdurchfall blieb einfach aus.