Damit der Vorhang nicht unten bleiben muss und der Saal ganz leer bleibt, behelfen sich die Kinos (im Bild: Gartenbaukino) derzeit mit Sitzplatzbeschränkungen.

© Gartenbaukino

News
03/12/2020

Österreichs Filmschaffende fordern Rettungsschirm wegen Corona

Die gegenwärtige Corona-Krise führt zu zahlreichen Einschränkungen und Absagen bei Kulturevents und Filmproduktionen. In einer Aussendung fordern Interessensgruppen der Kulturschaffenden daher einen Katastrophenfonds. Wir haben beim Ministerium nachgehakt.

Auch wenn die meisten österreichischen Kinos dank Sitzplatzbeschränkungen vorerst weiter geöffnet bleiben können: die Maßnahmen gegen die Covid-19-Epidemie setzen der heimischen Filmbranche bereits zu. Sinkende Ticketverkäufe werden erwartet, zahlreiche Premieren mussten abgesagt werden, und dass das größte Festival für österreichischen Film nicht stattfinden kann, dürfte die Filmschaffenden des Landes besonders hart treffen. In einer Aussendung verleihen die Verbände der Film-, Musik und Verlagswirtschaft daher nun ihrer Sorge Ausdruck, dass die derzeitige Situation langfristige und weitreichende Folgen haben könnte. 

So bestünde die Gefahr, dass es jenen Programmkinos, die bereits zuvor ums Überleben kämpften, nun endgültig an den Kragen geht. Absagen oder kostspielige Verschiebungen von Filmprojekten würden Kulturschaffenden, die oft am Existenzminimum leben und keine Rücklagen aufbauen können, zusetzen. Daher sei Handeln dringend gefordert, wenn die österreichische Kultur nicht um ihre große Vielfalt gebracht werden soll.

Die Absender des offenen Briefs fordern dazu auf, für entsprechende Kompensationen und rasche Unterstützungen zu kämpfen. Wie ein solches Notprogramm aussehen sollen, wird skizziert: Die bisher für den Tourismusbereich vereinbarten staatlichen Hilfestellungen sowie die angekündigten Überbrückungskredite seien "für die Bedürfnisse der betroffenen Branche wenig geeignet". Daher werden ergänzende Direktzahlungen und ein Katastrophenfonds und Rettungsschirm für die Musik-, Film- und Kino- sowie die Verlagsbranche gefordert.

Auf der Homepage des Ministeriums für Kunst und Kultur verweist man für wirtschaftliche Härtefälle und existenzbedrohende Szenarien bei Künstlerinnen und Künstlern auf den Unterstützungsfonds des Künstler-Sozialversicherungsfonds (KSVF) und auf die Verwertungsgesellschaften. Ersterer dürfte mit einem Gesamtvolumen von 500.000 Euro pro Jahr und Auszahlungsbeträgen von bis zu 5.000 Euro pro Fall für die Betroffenen aber vermutlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.

Im Büro von Staatssekretärin Ulrike Lunacek versteht man die Sorgen der Verbände und bittet um Geduld. Auf unsere Anfrage heißt es: "Es ist eine außergewöhnliche und noch nie dagewesene Situation. Wir sind gerade dabei die Folgen abzuschätzen. Es ist klar, dass der Kunst- und Kultursektor ein für Österreich essentieller Wirtschaftsfaktor ist, auch für den Tourismus. Wir sind dabei zu klären, wie die Auswirkungen auf die Kulturbranche abgefedert werden können.​​"