Greta Gerwig am 7. Dezember 2019 bei der Premiere von "Little Women" im Museum Of Modern Art in New York

© Photo Press Service

News
01/14/2020

Oscars 2020: Der Skandal vom Film, der sich selbst inszenierte

Wieder einmal entscheiden Männer das Rennen um den Regie-Oscar unter sich. Dass Greta Gerwig ("Little Women") nicht nominiert wurde, verärgert u.a. den "Daily Show"-Host Trevor Noah.

Am 13. Jänner verlasen John Cho und Issa Rae die Nominierungen für die Oscars 2020. Wie jedes Jahr bewegten auch heuer einige "Snubs" – sprich Stars, die nicht von der Acadmey berücksichtigt wurden – die Gemüter. Besonders negativ überraschte die Liste der Preis-Anwärter für den Regie-Oscar. Auf dieser finden sich ausnahmslos männliche Filmemacher, obwohl fest mit einer Nominierung für Greta Gerwig ("Little Women") gerechnet worden war.

Stattdessen rittern Martin Scorsese ("The Irishman"), Quentin Tarantino ("Once Upon a Time in Hollywood"), Jong Boon Ho ("Parasite"), Sam Mendes ("1917") und Todd Phillips ("Joker") um den Directing-Award. Issa Rae kommentierte die maskuline Dominanz mit einem emotionslosen "Gratulation an diese Männer". Der Sager wird in den Sozialen Netzwerken als kaum verhohlene Kritik am Tunnelblick der Academy gedeutet.

Lateshow-Host Trevor Noah schließt sich dieser Interpretation an. "Wow, Issa Rae. Verdammt!" verkündete er einige Stunden nach der Bekanntgabe der Nominierungen in der "Daily Show". "Du weißt, dass du in Schwierigkeiten steckst, wenn du durchs Gratulieren jemanden kritisierst."

Noahs Abrechnung mit der Academy fiel expliziter aus als Issa Raes: "Das sind nicht nur allesamt männliche Regisseure, das sind alles sehr männliche Filme. Lässt man 'Parasite' außer Acht, haben die Frauen in all den anderen Filmen zusammen wahrscheinlich nur zehn Minuten Dialog. Es gibt keinen Grund, warum Frauen in diesen Filmen keine größeren Rollen haben sollten, außer in '1917', weil Frauen nicht vor den Dreißigern erfunden wurden." 

Er habe "Little Women" großartig gefunden und könne nicht verstehen, warum der Film sechs Nominierungen, aber keine für den Regie-Oscar erhielt. "Wie zum Teufel passiert so etwas?" fragte Noah und stellte ein fiktives Gespräch zwischen zwei Stimmberechtigten der Academy nach: "'Was für ein toller Film? – 'Yeah, hast du gewusst, dass sich der Film selbst inzeniert hat?' – 'Wow, das ist unglaublich.'"

Darüber hinaus kritisierte der "Daily Show"-Moderator, dass nur eine der 20 Schauspiel-Nominierungen an eine Person afroamerikanischer Herkunft ging – an Cynthia Erivo ("Harriet"), die ausgerechnet eine Sklavin spielen musste, um es ins Oscar-Rennen zu schaffen.