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06/10/2020

Rassismus-Debatte: "Little Britain" und "Vom Winde verweht" fliegen aus Streamingprogrammen

Die anhaltenden Black Lives Matter-Proteste wirken sich auch auf den Streamingmarkt aus. Nun reagierten Netflix, BBC und HBO Max und nahmen problematische Inhalte aus dem Programm.

Die Proteste nach dem Tod von George Floyd halten an – und lösen nicht nur eine Diskussion über Polizeigewalt gegen Schwarze aus, sondern fachen auch Debatten über Alltagsrassismus an. Dabei wurden vor allem in den USA auch Film- und Serienproduktionen unter die Lupe genommen. Einmal mehr wird dabei die ungemütliche Frage gestellt: Wie rassistisch sind jene Klassiker, bei denen wir mitlachen, mitweinen und mitfiebern tatsächlich?

Da wäre zum Beispiel der erfolgreichste Film aller Zeiten. Keine Sorge, "Avengers: Endgame" hat kein Rassismusproblem! Inflationsbereinigt steht nämlich "Vom Winde verweht" mit einem Einspielergebnis von über 7 Milliarden US-Dollar an der Spitze der historischen Bestenliste. Unproblematisch ist der oscarprämierte Schinken aber nicht: An der Premiere 1940 in Georgia durften die scharzen Darsteller wegen der Rassentrennung nicht einmal teilnehmen. Vor allem aber lässt sich die (keineswegs neue) Kritik, dass der Film Rassismus und Sklavenhaltung in den amerikanischen Südstaaten romantisiert, schwerlich entkräftigen. Eine bemitleidenswerte Sklavenhalterin und Sklaven, die ohnehin gar nicht frei sein wollen? Das sorgte in der derzeitigen Situation anscheinend für genügend Stirnrunzeln beim neuen Streaminganbieter HBO Max, damit der Film kurzerhand aus dem Programm gestrichen wurde.

Blackfacing in "Little Britain"

Ein ähnliches Schicksal trifft auch eine deutlich jüngere Produktion: Die Serie "Little Britain" geizte nicht mit Schmähs unter der Gürtellinie, politisch auch nur halbwegs korrekte Sketches konnte man an einer Hand abzählen. Das machte zwar den Reiz der von David Walliams und Matt Lucas für die BBC ausgedachten Comedy aus – wird ihr nun aber nun zum Verhängnis. Die beiden Darsteller verkörperten neben Homosexuellen und Transgenderpersonen, auch Menschen im Rollstuhl und: Schwarze.

Blackfacing war eigentlich schon damals (die Show wurde von 2003 bis 2006 produziert) verpönt, heute würde aber vermutlich kaum jemand bei der BBC auf die Idee kommen, Comedy-Szenen durchgehen zu lassen, bei denen weiße Darsteller mit dunkel geschminkten Gesichtern schwarze Menschen nachahmen. So sagte auch "Little Britain"-Schöpfer Matt Lucas, dass er die Serie heute nicht mehr in dieser Form machen würde. Noch im März hieß es aber, dass eine mögliche Fortsetzung der Serie auf Netflix wahrscheinlich sei. Stattdessen strichen die BBC und Netflix sie nun ganz aus dem Programm.

Zeitgemäßeres Ersatzprogramm

Zumindest in den USA dürfen sich die Netflix-User über deutlich zeitgemäßere Alternativen freuen. In der neu eingeführten "Black Lives Matter Collection" finden sie 45 Titel, die sich mit rassistischer Ungerechtigkeit beschäftigen. Darunter: Spike Lees neues "Da 5 Bloods", Ava Duvernays "13th" und Barry Jenkins Oscargewinner "Moonlight". "Wenn wir sagen 'Black Lives Matter', meinen wir auch 'Black Storytelling Matter'", gab Netflix hierzu in einem Tweet bekannt. "Mit dem Verständnis, dass unser Engagement für echte, systemische Veränderungen Zeit brauchen wird - beginnen wir damit, kraftvolle und komplexe Erzählungen über die Erfahrung der Schwarzen hervorzuheben."