Stephen King am 11. November 2014 in New York

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01/15/2020

Stephen King verteidigt Oscars und wird von Promis abgewatscht

Die Kontroverse zum Regie-Oscar zieht weite Kreise. Stephen King gab via Twitter seinen Senf dazu und erntete heftige Kritik aus Hollywood.

Die Sozialen Medien, der blanke Horror – Gruselguru Stephen King äußerte sich online zu den Oscar-Nominierungen 2020 und kriegt dafür gehörig sein Fett ab. Als Schriftsteller (und Mitglied der Academy) sei er nur in den Sparten "Bester Film", "Bestes adaptiertes Drehbuch" und "Bestes Original-Drehbuch" stimmberechtigt, habe sich heuer also nicht mit der Diversitäts-Frage befassen müssen, twitterte King.

Besagte Frage dreht sich diesmal vor allem um den Regie-Oscar. Fünf Männer sind nominiert; Greta Gerwig ging leer aus, obwohl ihr Drama "Little Women" in sechs Kategorien um Academy Awards rittert (unter anderem um den Preis für das adaptierte Skript). Ein handfester Skandal, sowohl für Fans der Literaturverfilmung, als auch für Verfechter der Chancengleichheit in Hollywood.

Einer angekündigten Umstrukturierung zum Trotz zählt die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences immer noch weit mehr Männer als Frauen zu ihren Mitgliedern. Dass es Gerwig nicht auf die Directing-Shortlist schaffte, sehen viele Kritiker als Konsequenz dieser männlichen Dominanz. Ein Beitrag aus der "Daily Show" heizte die Diskussion zusätzlich an. Dass sich Stephen King in selbige einmischte, war zweifelsfrei nicht die beste Entscheidung des Schriftstellers.

"Wenn es um Kunst geht, ist Diversität für mich immer unerheblich", schrieb King im zweiten Teil seines Tweets. "Nur die Qualität zählt. Ich fände es falsch, anders zu handeln." Als generelle Aussage hat der Kommentar durchaus seine Berechtigung – es wäre diskriminierend, (Film)preise nicht nach rein qualitativen Kriterien zu vergeben – ist als Reaktion auf die aktuelle Situation aber problematisch, impliziert sie doch einen Qualitätsmangel in der Arbeit von Greta Gerwig und ihren Kolleginnen aus dem Regie-Fach. Eine davon klopft Stephen King sofort auf die Finger.

"Wenn du aufwachst, meditierst, dich streckst und nach deinem Telefon greifst, um zu sehen, was in der Welt vorgeht und einen Tweet von jemandem siehst, den du bewunderst, der so rückständig und ignorant ist, dass du gleich wieder ins Bett willst", twitterte die Regisseurin Ava DuVernay ("Selma").

Stephen King ruderte schließlich zurück. Künstler hätten die Aufgabe, für gleiche Chancen zu sorgen, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht und sexueller Orientierung, schrieb er. Nachsatz: "Du kannst nicht gewinnen, wenn du aus dem Spiel ausgeschlossen wirst." Seine aufgebrachten Kritiker wird er damit wohl nicht mehr umstimmen können.

Greta Gerwig äußerte sich bislang weder zu ihrem Oscar-Snub, noch zu Kings Tweets.