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News
06/11/2020

Transphobie-Streit: J.K. Rowling verteidigt sich, erntet noch mehr Kritik

Unter anderem Daniel Radcliffe und Eddie Redmayne kritisierten die Ansichten der "Harry Potter"-Autorin zum Thema Transgender. Nun verteidigte sich Rowling in einem Essay – zieht aber noch mehr Kritik auf sich.

Das "Harry Potter"-Universum wird derzeit durch einen Streit über Geschlecht und Transgender erschüttert. Entzündet hat sich dieser, weil Bestseller-Autorin J.K. Rowling auf Twitter einen Artikel teilte, in dem von "Menschen, die menstruieren" die Rede war – und indirekt forderte, dass man stattdessen einfach "Frauen" schreiben sollte. Das sorgte schnell für herbe Kritik von anderen Nutzern, da damit Transfrauen (die nicht menstruieren) das Frausein abgesprochen werde. In einem weiteren Tweet drückte Rowling aus, dass die Lebensrealität von Frauen weltweit ausgelöscht würde, wenn die Bedeutung des biologischen Geschlechts geschmälert würde. Dass sie zugleich beteuerte, sie kenne und liebe Trans-Menschen, half dann auch nicht mehr.

Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe bezog etwa schon am Montag zu ihren Aussagen Stellung und schrieb: "Transfrauen sind Frauen. Jede Äußerung, die dem widerspricht, löscht die Identität und Würde von Transmenschen aus." Auch "Phantastische Tierwesen"-Star Eddie Redmayne, der für die Darstellung einer Transgender-Person in "The Danish Girl" für einen Oscar nominiert war, distanzierte sich von Rowlings Tweets in einem Interview. "Als jemand, der mit J.K. Rowling und Mitgliedern der Trans-Community zusammengearbeitet hat, will ich deutlich machen, wo ich stehe: Ich widerspreche Jo's Kommentaren" sagte er Variety.

Anschließend legte die Bestseller-Autorin in einem langen Essay auf ihrer Homepage nach – und schilderte dabei auch ihre Erfahrungen mit häuslicher Gewalt. Sie argumentiert darin, dass sie zwar um die Sicherheit von Trans-Frauen besorgt sei, aber nicht die Sicherheit von "geborenen Mädchen und Frauen" riskieren möchte. "Wenn Sie die Türen von Waschräumen und Umkleideräumen für jeden Mann öffnen, der glaubt oder fühlt, er wäre eine Frau ... dann öffnen Sie die Tür für alle Männer, die hineinkommen wollen."

Bereits zuvor führt sie in ihrer Erklärung aus, dass sie vielleicht auch eine Geschlechtswechsel in Betracht gezogen hätte, als sie in jungen Jahren mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte, wenn das damals in ihrem Umfeld als Option vorhanden gewesen wäre. Sie sei besorgt über eine "Explosion an jungen Frauen, die eine Geschlechtsumwandlung vollziehen wollen, und über die steigenden Zahlen jener, die dann wieder zurückwechseln."

Damit ließ sie ihre Gegner aber keinesfalls verstummen – ganz im Gegenteil. Emma Watson etwa äußerte in einem Tweet klaren Widerspruch: "Transgender-Menschen sind, wer sie sagen und sie verdienen es, ihr Leben zu leben, ohne ständig in Frage gestellt werden oder sich sagen zu lassen, dass sie nicht sind, wer sie sagen."

Und mittlerweile meldete sich auch der Cast von Ryan Murphys Erfolgsserie "Pose" (hierzulande auf Netflix), die in der Homosexuellen- und Transgenderszene New Yorks der 80er-Jahre spielt, zu Wort. 

"Ich glaube, sie spricht hier aus schierer Dummheit heraut", sagte Angel-Darstellerin Indya Moore zu Variety. "Ich meine, es ist einfach so dumm. Sie versteht nicht einmal, wie viel Tod und Gewalt hinter all den Meinungen steckt, die sie gerade in den sozialen Medien verbreitet. Hauptdarstellerin MJ Rodriguez meinte dazu: "Es ist wirklich wichtig, sich von so jemandem zu distanzieren. Sie stecken eindeutig in einer generationsbedingten Kluft des Verständnisses von etwas fest. Wir befinden uns in einer anderen Zeit und Epoche."