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04/29/2020

"Trolls World Tour": Vom Streaminghit zur Schlammschlacht

Corona-bedingte Kinosperren veranlassten Universal dazu, "Trolls World Tour" als Video-on-Demand zu veröffentlichen. Die Kinokette AMC kündigt nun einen Boykott aller Universal-Filme an, die NATO bezieht ebenfalls Stellung.

Spätestens mit der Verschiebung von "James Bond 007: Keine Zeit zu sterben" ans Jahresende – statt im April soll der Actioner erst im November 2020 in den Kinos starten – war klar, dass die Ausbreitung des Coronavirus die Filmwelt maßgeblich beeinträchtigen würde. Kurz darauf sorgte Universal, eine der Produktionsfirmen hinter Bond, für die umstrittenste Blockbuster-Reaktion auf die Pandemie. Statt "Trolls Word Tour" zu verschieben, wurde die Animationskomödie am 10. April zeitgleich in den wenigen, noch geöffneten Kinos, aber auch als Premium-Video-on-Demand veröffentlicht.

Für knapp 20 Dollar gab es den Film zu streamen bzw. käuflich zu erwerben. Während das weltweite Einspielergebnis aus den Lichtspielhäusern bislang nur schlappe zwei Millionen Dollar ausmacht, holte sich "Trolls World Tour" im Netz über 90 Millionen.

Für Universal dürfte sich das Wagnis also ausgezahlt haben, bei den internationalen Kinobetreibern sorgte es hingegen für Ärger. Sollten die Kinos ihr exklusives Anrecht verlieren, Filme lange vor deren Streaming-Starts zu zeigen, droht der Branche der Kollaps.

AMC, die in den USA ansässige, größte Kinokette der Welt, kündigte nun an, keine Filme von Universal mehr zu zeigen. Die National Association of Theatre Owners (NATO) äußerte in einem Bericht des "Wall Street Journal" (via "Deadline") ebenfalls Kritik – und wurde prompt von Universal beschuldigt, gemeinsam mit AMC einen koordinierten Angriff gefahren zu haben.

Das letzte Wort in der Causa, die mehr und mehr zu einer Schlammschlacht verkommt, ist allerdings noch lange nicht gesprochen. Die NATO schießt nämlich mit einem offenen Brief zurück, in dem sie alle Vorwürfe von sich weist und ihrerseits Universal an den Pranger stellt.

Destruktive Tendenz – auch für das Blockbuster-System

"Leider hat Universal die destruktive Tendenz, Entscheidunden zu verkünden, die ihre Kinopartner betreffen, ohne sich mit diesen Kinopartnern zu beraten – und nun auch haltlose Anschuldigungen auszusprechen, ohne sich mit den Partnern zu beraten", so die Vereinigung der Kinobetreiber.

Wird Universals "Trolls"-Strategie zum marktumfassenden Trend, droht nicht nur die Schließung zahlreicher Lichtspielhäuser, auch das gesamte Blockbuster-System könnte zusammenstürzen. Laut der Produktionsfirma Warner Bros. rentiert es sich nämlich nicht, Filme mit einem Budget von über 100 Millionen Dollar als kostenpflichtigen Stream zu veröffentlichen. Teure Actioner wie "Wonder Woman 1984" (geplanter US-Start am 13. August – exklusiv in den Kinos) wären damit obsolet.