© Amazon Prime

News
09/04/2020

Vielschichtiger Fiesling: Antony Starr im Interview

In "The Boys" sind Superhelden richtige Fieslinge. Der größte und gefährlichste von ihnen: Homelander. Wir haben Darsteller Antony Starr gefragt, wie es ist, Kinder von Dächern zu stoßen.

SKIP: Ist es schwierig, einen Superhelden zu spielen, der gleichzeitig auch ein Bösewicht ist?

Antony Starr: Offen gestanden sehe ich darin keine besondere Schwierigkeit. Aber es macht es mir eine Menge Spaß. Ich würde an jedem Tag der Woche lieber einen Bösewicht als einen Guten spielen. Eine Figur zu haben, die so verdorben und psychopathisch ist, macht viel mehr Spaß, als die ganze Zeit zu versuchen, moralisch aufrecht und ethisch korrekt zu sein.

Worauf darf man sich in der neuen Staffel freuen?

Aus der Perspektive von Homelander ging es in der ersten Staffel darum, dass er der Welt seinen Stempel aufdrückt. In der zweiten Staffel geht es um die Auswirkungen seiner Handlungen. Es wird eine sehr intensive Reise in die düsteren Abgründe seiner Seele. Generell erleben die Charaktere, wie ihnen jeglicher Boden unter den Füßen weggezogen wird. Dabei wird die Show tiefgründiger und irgendwie auch größer. Man darf sich also auf eine tiefere, düsterere Charakterentwicklung freuen. Und auf einige große Szenen mit Walen!

Verändert sich der Charakter von Homelander dadurch, dass er von seiner Vaterschaft weiß?

Anfangs nicht, er geht aus ziemlich egoistischen Gründen mit eingezogenem Schwanz zu seinem Sohn, er denkt vor allem an sich selbst. Aber im Lauf der Staffel vertieft und entwickelt sich diese Beziehung und zwingt Homelander dazu, Neuland zu betreten. Er muss mit Dingen anders umgehen und neue Seiten seiner selbst entdecken, um mit den neuen Herausforderungen umgehen zu können.

Homelander-Memes sind in den sozialen Medien in großer Zahl zu finden. Ist es seltsam, wenn man ausgerechnet für die Rolle als ultimativer Widerling solche Bekanntheit erlangt?

Damit habe ich überhaupt kein Problem! (lacht) Stimmt, er ist ein Widerling. Aber wir wollten, dass man als Zuschauer ein bisschen im Zwiespalt ist, zwischen der Tatsache, dass er ein echtes Ekel ist und andererseits seiner Hintergrund-Story, die einen verstehen lässt, wieso er so ist. Er ist nicht einfach ein Bösewicht, der stereotypisch teuflisch lacht. Aber ich bin mehr als glücklich, den meistgehassten Charakter zu spielen.

Kinder von Dächern stoßen, hunderte Leute töten – Ihre Figur macht echt furchtbare Sachen. Gab's mal was im Script, wo Sie gesagt haben: "Nein, das ist zu arg, das kann ich nicht machen"?

Also, ich habe kein Problem damit, Kinder von Dächern zu stoßen. Ich fand es eigentlich lustig. Beim Dreh wurde von unten gefilmt, da stand dieser liebe kleine Junge auf einer Box. Ich habe die Szene dann erst gesehen, als die Folge schon ganz fertig war. Dieses hohe Quieken, das er von sich gibt, als er runtersegelt – ich hatte vor lauter Lachen Tränen in den Augen. Ich weiß nicht, was das über mich aussagt, aber ich finde, die finsteren Elemente der Show amüsant, etwa wenn Homelander in der ersten Staffel versehentlich das Cockpit des Flugzeugs zerlasert. Ich habe immer viel Spaß am Set, wenn wir solche Sachen filmen.

Was ist für Sie das Verrückteste, was Ihr Charakter in der Serie tut?

Ich will jetzt nicht zu viel verraten, aber für diese Staffel habe ich eines der seltsamsten Dinge meiner gesamten Karriere gemacht. Da ist eine Szene in Folge vier, in der Homelander eine Reise in sein Inneres unternimmt und sich dabei selbst konfrontiert. Wenn man sie sieht, weiß man sofort, wovon ich spreche.

Wir leben im sogenannten Goldenen Zeitalter des Fernsehens, selten war die Dichte an qualitativ hochwertigen Serien so hoch. Trotzdem sticht "The Boys" heraus und ist ein außergewöhnlicher Hit. Ist man stolz, wenn man an etwas so Erfolgreichem mitarbeitet?

Die TV-Landschaft ist geradezu übersättigt mit so vielen richtig guten Shows. Da herauszustechen ist alles andere als einfach. Ich kann nicht beurteilen, ob wir das schaffen. Aber wenn man sich die Reaktionen auf Staffel 1 ansieht und die Tatsache, dass wir bereits das Go für Staffel 3 haben und Amazon wirklich hinter der Show steht, dann ist das natürlich wirklich fantastisch.

Wie haben Sie die Nachricht erhalten, dass es eine dritte Staffel geben wird?

Per Mail von unserem Showrunner Eric Kripke, er erledigt den Großteil seiner Kommunikation über Mails. Ich glaube, ich hab’s bekommen, als ich im Bad war. Ich bin mir nicht ganz sicher, wo ich war. Vielleicht saß ich gerade auf dem Klo! (lacht)