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07/28/2020

Weniger Ansteckungsgefahr in Kinos als im Büro

Eine Studie hat die Konzentration potentiell ansteckender Atem-Aerosole von Büros und Kinosälen verglichen. Kinos dürften deutlich sicherer sein als viele Arbeitsplätze – aber nur, wenn im Saal nicht geredet wird.

Wie riskant ist es aktuell, Zeit im Kinosaal zu verbringen? Diese Frage stellen sich derzeit viele Filmfans rund um den Globus – und viele von ihnen bleiben lieber sicherheitshalber zu Hause. Das schadet freilich sowohl der Filmindustrie als auch der Kinobranche. Aber ist es überhaupt notwendig, wegen Corona auf den Besuch eines Lichtspielhauses zu verzichten? Das hat nun das Hermann-Rietschel-Instituts der Technischen Universität Berlin im Auftrag des Hauptverbands Deutscher Filmtheater HDF Kino versucht herauszufinden.

Untersucht wurden von den Forschern dazu zwei Kinosäle im Berliner Alhambra-Kino, die 342 und 148 Plätze haben – von denen aufgrund der derzeitigen Vorgaben aber nur 85 bzw. 35 Plätze genutzt werden können. Dabei wurden unterschiedliche Zahlen von Infizierten im Saal angenommen. Die Kinosäle wurden mit einem Büro mit 16 Plätzen verglichen, von denen mit Abstand noch 8 verwendet werden können.

Das Ergebnis: Sofern im Kino nur geatmet und filmgeschaut wird, liegen die Infektionszahlen selbst bei einer Vorstellung mit Überlänge deutlich unter denen des Büros. Das gilt allerdings nur, solange im Saal nicht gesprochen wird – sonst ist das Infektionsrisiko fast gleich hoch oder kann sogar höher sein als im Büro.

Lüftungssysteme und Aerodynamik als Grund

Dass der Kinosaal selbst bei mehreren Infizierten im Saal noch nicht zum Mega-Cluster wird, liegt laut den Wissenschaftlern an der vorhandenen Quelllüftung, die immer für frische Luft sorgt. Zugleich sorgt die Erwärmung der Atemluft durch die Kinobesucher dafür, dass die Aerosole an die Decke steigen und dort niemanden anstecken können. "Die Luft im Atembereich der Personen ist daher sauberer als die Luft bei gleichem Luftwechsel in einem Raum mit Mischlüftung", führen die Forscher an.

Kinoverband fordert Verringerung des Mindestabstands

Gleichzeitig räumen die Wissenschaftler ein: "Bei allen Betrachtungen muss beachtet werden, dass die Aerosolkonzentration im unmittelbaren Ausatemvolumenstrom der Person deutlich höher ist und die Betrachtungen für diesen Bereich nicht angewendet werden können." Das heißt, dass unklar ist, wie hoch das Risiko für eine Ansteckung im unmittelbaren Umfeld eines Infizierten ist. Der deutsche Kinoverband fordert dennoch, den derzeit gültigen Mindestabstand von 1,5 Metern zu verringern, damit ein rentabler Betrieb möglich wird.