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03/18/2020

Weniger Netflix, mehr Homeoffice – neue Regelung für die Krise

Die Netzneutralität ist aufgehoben. Heißt im Klartext: Streaming darf in Österreich eingeschränkt werden, falls das Homeoffice darunter leidet.

Was ist wichtiger – die Lieblingsserie streamen, um die Langeweile während der Ausgangssperre zu vertreiben, oder das neueste Video über die Ausbreitung des Coronavirus ansehen? Diese Frage durften Telekomanbieter in Österreich bislang nicht stellen. Die Netzneutralität sieht vor, dass alle Datenpakete gleich behandelt, die Serie und der Info-Clip also mit derselben Geschwindigkeit übertragen werden.

Diese Regelung gehört nun der Vergangenheit an. Als Reaktion auf die Corona-Krise (bzw. die vermehrte Datennutzung während der Ausgangssperre) wurde die Netzneutralität laut "Standard" außer Kraft gesetzt. Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) erlaubt den Telekomanbietern ab sofort, Prioritäten zu setzen und bestimmten Datenpaketen Vorrang zu geben. Das bedeutet: Um einen reibungslosen Ablauf von Homeoffice und E-Learning zu ermöglichen, dürfen Netflix und Co. gedrosselt werden.

Zugegeben, allein die Top 20 der beliebtesten Serien auf Netflix verschlingen schon jede Menge Zeit (und Daten):

Dead to Me

(Noch) ein schlankes Programm: Jen Harding (Christina Applegate) bei der Jagd nach dem Mörder ihres verstorbenen Mannes zuzusehen, dauert nur vier Stunden, 53 Minuten. Die bislang einzige Staffel von "Dead to Me" hat zehn Episoden.

The Umbrella Academy (S1)

Eine Superheldengeschichte, relativ schnell erzählt: Neun Stunden, sieben Minuten muss man für die erste Staffel (10 Episoden) von "The Umbrella Academy" einrechnen.

Big Mouth

Nach 14 Stunden, 19 Minuten habt ihr "Big Mouth" (drei Staffeln, insgesamt 31 Episoden) intus.

The Santa Clarita Diet

Hier kommen keine neuen Folgen mehr. Nach 14 Stunden, 19 Minuten – für drei Staffeln (30 Episoden) – ist "The Santa Clarita Diet" bewältigt.

Atypical

Atpyisch, aber im soliden Mittelfeld, was die Dauer anbelangt: 14 Stunden, 36 Minuten – für drei Staffeln (28 Episoden) – muss euch "Atypical" wert sein.

You

Joe Goldberg (Penn Badgley) beim Stalken zu beschatten nimmt 15 Stunden, 29 Minuten – zwei Staffeln (20 Episoden) – in Anspruch.

Mindhunter

16 Stunden, 59 Minuten – für zwei Staffeln (27 Episoden) – dauert "Mindhunter". Zum Unmut der Fans könnte die Serie nun vorzeitig enden. Weitermachen, bitte!

One Day at a Time

Ein Tag alleine reicht für "One Day at a Time" schon aus, genauer gesagt 18 Stunden, 5 Minuten – für drei Staffeln (39 Episoden).

Queer Eye

Wer bei "Queer Eye" keine müden Augen bekommen will, sollte sich die 20 Stunden, 48 Minuten – für zwei Staffeln (27 Episoden) – vielleicht aufsplitten.

Black Mirror

"Black Mirror" umfasst 21 brillante Stunden und 31 geniale Minuten. Das entspricht fünf Staffeln (22 Episoden).

Stranger Things (S3)

Für die Abenteuer von Eleven müssen 21 Stunden und 49 Minuten – für drei Staffeln (25 Episoden) – eingerechnet werden.

Marvel's The Punisher

22 Stunden, 51 Minuten – zwei Staffeln (26 Episoden) lang – bestraft der Punisher die Unterwelt von New York.

Chilling Adventures of Sabrina S2

Ein Tag, vier Stunden und 43 Minuten – eineinhalb Staffeln (30 Episoden) – hext Sabrina in Greendale.

Marvel's Jessica Jones

Ein Tag, neun Stunden, sieben Minuten – für drei Staffeln (39 Episoden) – ist man mit Jessica Jones (Krysten Ritter) in New York unterwegs.

The Ranch

Mit Ashton Kutcher verbringt man insgesamt einen Tag, elf Stunden und 54 Minuten – sieben Staffeln (70 Episoden) – auf der "Ranch".

Tote Mädchen lügen nicht

Ein Tag, zwölf Stunden und 51 Minuten kosten euch die drei Staffeln (39 Episoden) von "Tote Mädchen lügen nicht".

Grace and Frankie (S6)

Grace und Frankie lassen es einen Tag, 14 Stunden und fünf Minuten – sechs Staffeln (78 Episoden) – lang in ihrem Strandhaus krachen.

Designated Survivor

Ein Tag, 15 Stunden, 53 Minuten – drei Staffeln (53 Episoden) – kann/muss/darf man dem "Designated Survivor" (Kiefer Sutherland) beim Regieren zusehen.

Lucifer

Höllisch gut, himmlisch lang: "Lucifer" beansprucht zwei Tage, eine Stunde und 57 Minuten (vier Staffeln, ingesamt 67 Episoden) eurer Zeit.

Orange is the New Black

Am längsten braucht ihr für den ersten großen Publikumshit von Netflix: Drei Tage, 18 Stunden und 21 Minuten – für sieben Staffeln (91 Episoden).

Schweiz erwägt Sperre, Österreich hat Kapazitäten

Einschränkende Maßnahmen sind allerdings nur im Notfall, bei einer messbaren Überlastung des Netzes, erlaubt und müssen noch am selben Tag der RTR gemeldet werden. Dass es tatsächlich dazu kommen könnte, halten Telekomanbieter wie A1 oder "3" derzeit aber für unwahrscheinlich. Kapazitäten seien genügend vorhanden und würden zudem weiter ausgebaut.

Dass aktuell vermehrt gestreamt wird, sollte ohnehin kein Problem darstellen, da viele Streaminganbieter ihr Angebot an die verfügbare Bandbreite anpassen, sprich ihre Daten komprimieren. Die Qualität der Streams leidet für gewöhnlich nur unmerklich darunter, die Auflösung bleibt hoch.

Ein Szenario wie in der Schweiz, wo der Nationalrat überlegt, Netflix und Co. kurzerhand zu sperren, steht für Österreich aktuell nicht zu befürchten. Hier also gleich noch ein paar Empfehlungen – diese Serienhighlights des vergangenen Jahres eignen sich hervorragend für lange Nachmittage auf der Couch:

Platz 10: "Mindhunter" (S2)

Mit "Mindhunter" hat es David Fincher ("Gone Girl", "Zodiac") fertiggebracht, sogar dezidierte Krimi-Verweigerer als temporär bekehrte True-Crime-Touristen vor den Schirm zu fesseln. Anstatt die mythische Überhöhung von Serienmördern voranzutreiben, setzt das Netflix-Original nämlich auf eine relativ nüchterne Abhandlung der Gründungsjahre des "Behavioral Science Units" des FBI, deren Mitarbeiter den Killern nicht hinterherjagten, sondern im Austausch mit bereits inhaftierten Tätern möglichen Persönlichkeitsmustern nachspürten. Staffel zwei rückte nicht nur ein paar neue imposante Gesprächspartner, u.a. Charles Manson, in den Fokus, sondern ließ vor allem tiefer in die von ihrem Job in Mitleidenschaft gezogene Psyche der Pioniere des psychologischen Profilings blicken. Weiter geht’s erst, wenn Fincher seinen nächsten Film "Mank" fertig gedreht hat – heißt wohl leider, dass wir uns für Staffel drei wieder zwei Jahre gedulden müssen.   Wer streamt's? Netflix

Platz 9: "Undone" (S1)

Zwischen allerlei mit riesigen Marketingbudgets gehypten Mainstream-Produktionen bleibt das eine oder andere Serien-Kleinod schon einmal unverdient unter dem Radar. Nun kann man natürlich nicht alles schauen – gerade um diese Amazon-Serie wäre es aber wirklich schade. Nicht nur, weil "Undone" als allererste vollständig mit Rotoskopie animierte Serie Geschichte schreibt und visuell zu betören vermag. Der Mystery-Plot, der munter Realitätsebenen verzerrend die Hauptfigur auf eine Schnitzeljagd nach dem eigenen Verstand schickt, ist clever inszeniert und dabei emotional durchgehend fesselnd. Das Übrige tun die exzellenten Darsteller: Was "Better Call Saul"-Star Bob Odenkirk drauf hat wusste man ja schon, Rosa Salazar ("Alita: Battle Angel") überrascht mit einer awardwürdigen Performance.   Wer streamt's? Amazon Prime

Platz 8: "Matrjoschka" (S1)

Eine feuchtfröhliche Feier in Manhattan endet für Nadia tödlich. Alles halb so wild, denn die in die Jahre gekommene Partymaus respawnt fortan nach jedem Ableben am Ausgangspunkt des Abends, bekommt also die Möglichkeit, ihr Schicksal in neue Bahnen zu lenken. Dabei begegnet sie Alan, der ebenfalls in einer Zeitschleife gefangen ist. Was sich nach einem hippen Hybriden aus "Und täglich grüßt das Murmeltier" und "Happy Deathday" anhört, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als smarte, kurzweilige Abhandlung zum Thema Suchtbekämpfung. Hauptdarstellerin Natasha Lyonne, Teeniefilm-Aficionados aus "American Pie" ein Begriff und jahrelang Heroin-abhängig, bringt eine persönliche Note mit ein, die die Serie erst recht zum Must-See macht.   Wer streamt's? Netflix

Platz 7: "Mr. Robot" (S4)

Wie stellt sich ein digitaler Neandertaler das Hacken vor? In Film und Fernsehen ging da lange nichts ohne bunt blinkende Bildschirme und dramatischem Stress-Soundtrack. Mit derartigen Stereotypen räumt "Mr. Robot" seit 2015 erfolgreich auf. Bleich und paranoid bastelt Elliot Alderson (Rami Malek) in einem finsteren Kabuff an den Codes für eine bessere Welt, ein schräger Robin Hood(ie) der Generation "Fight Club", der entseelten Megakonzernen den Kampf angesagt hat. In der finalen, vierten Staffel muss man sich gleich zu Beginn von einer der Hauptfiguren verabschieden, Whiterose (BD Wong) nimmt endgültig den Platz des Antagonisten ein. "Mr. Robot" bekommt das Ende, das die Serie verdient – düster, aktuell, nie vorhersehbar. Folge sieben, das Highlight der Staffel, widmet sich voll und ganz Elliots traumatischer Vergangenheit.   Wer streamt's? Amazon Prime

Platz 6: "Succession" (S2)

Das Internet hat das HBO-Familiendrama heuer auf alle Fälle gewonnen, die massenhaften Memes werden uns in den sozialen Medien fix noch lange begleiten. Aber auch darüber hinaus hat die schwärzesthumorige Saga rund um den so schwerreichen wie superdysfunktionalen Roy-Clan in ihrem zweiten Durchgang noch mal mehr erinnerungswürdige Momente hinterlassen als bislang schon. Weil die Zukunft des Familienbetriebs, eines der größten Medienkonglomerate der Welt, hier nun ob des drohenden Abgangs von Über-Daddy Logan noch ungewisser als eh schon schien – und die Angst zwischen all den messerscharfen One-Linern förmlich greifbar schien. Bis dann ein schockierender finaler Twist – je nach Auslegung – den finalen Zusammenbruch oder die große Erlösung brachte. Nächsten Sommer wissen wir mehr – und schauen bis dahin weiter munter Memes.   Wer streamt's? Sky

Platz 5: "Unbelievable" (S1)

Soll es in der Thriller- und Krimi-Landschaft spannend werden, wird als Pauschallösung auf Serienmörder und/oder gut vernetzte Verschwörer zurückgegriffen. "Unbelievable" fesselt die Zuschauer hingegen mit einer beklemmenden True Story. Ein Vergewaltiger geht um, er scheint bestens mit der Arbeit der Exekutive vertraut zu sein. Die Polizistinnen Karen Duvall (Merritt Wever) und Grace Rasmussen (Toni Collette) folgen der Spur des Unbekannten und erstellen in zermürbender Kleinstarbeit eine Liste von Verdächtigen. "Unbelievable" verschafft nicht nur der Opferperspektive den dringend benötigten Raum, sondern übt auch harsche Kritik an einem System, das Sexualdelikte und Gewalt an Frauen in erschreckender Regelmäßigkeit unter den Tisch fallen lässt.   Wer streamt's? Netflix

Platz 4: "Euphoria" (S1)

Junge Menschen und ihre Leben und ihre Drogen. Unter anderem "Breakfast Club“ und "Trainspotting“ widmeten sich ihnen und erreichten damit Kultstatus. Weil diesen Meisterwerken der Zeitgeist aber längst davongelaufen ist, wurde ein legitimer Nachfolger nun bereits dringend benötigt. Der ist nun endlich gefunden: "Euphoria" benutzt die Sprache der Jugendlichen, um ihre Geschichten zu erzählen – und die beinhalten eine ganze Menge psychischer Probleme, pornobedingter Sex-Missverständnisse und MDMA. Dabei vermittelt die Drama-Serie schlüssig, was in der Welt ihrer Protagonisten abgeht. Sowohl für die Generation, um die es geht, als auch für ihre erwachsenen Bezugspersonen lehrreich.   Wer streamt's? Sky

Platz 3: "Watchmen" (S1)

Die Fußstapfen wären nicht klein gewesen – wenn man denn in sie hineingestiegen wäre. Während sich Zack Snyders brutal stylishe Verfilmung des Wächter-Stoffs, vom unterschiedlichen Ende abgesehen, geradezu sklavisch an die Vorlage hielt und letztlich wenig Neues bot, beschreitet die neue HBO-Serie aber lieber neue Pfade. Die Handlung setzt nicht nur einige Jahrzehnte später ein – was eine denkwürdige Darbietung von Jeremy Irons als gealterten Ozymandias ermöglicht – sie macht auch gedanklich einige Riesensprünge vorwärts. Geschickt den Subtext des Graphic Novels weiterspinnend wird eine packende Kriminalgeschichte vor dem Hintergrund einer ordentlich angeknacksten Demokratie erzählt – und wohldosiert mit zahlreichen schrägen Einfällen (apropos: zahlt die Hagelversicherung eigentlich auch bei Oktopusregen?) angereichert. Besser kann man’s eigentlich nicht machen.   Wer streamt's? Sky

Platz 2: "Chernobyl" (S1)

Eine Miniserie über den bis dahin größten nuklearen Unfall der Geschichte: War nicht unbedingt abzusehen, dass so etwas zum Straßenfeger wird. Doch die von Autor Craig Mazin und Regisseur Johan Renck verantwortete Real-Life-Horror-Show versammelte in den fünf Wochen ihrer Laufzeit immer noch mehr Leute als zuvor schon vor den Fernsehkastln (sonst ist meist das Gegenteil der Fall). Wer sie gesehen hat, versteht warum: Die hinter den mächtigen und mächtig beunruhigenden Bildern transportierte Botschaft, wonach menschliche Arroganz und Inkompetenz gepaart mit gezielter Fehlinformation die Auswirkungen selbst der schlimmsten Katastrophe noch einmal massiv potenzieren können, fühlte sich schlichtweg zu zeitgemäß an, um sie so einfach zur Seite wischen zu können. Letztlich entpuppte sich die HBO/Sky-Koproduktion also als so ziemlich das genaue Gegenteil von Feel-Good-TV – und hinterließ gerade deshalb so starken und bleibenden Eindruck.   Wer streamt's? Sky  

Platz 1: "Fleabag" (S2)

Schon die erste Staffel war so grandios, dass man fast Bammel hatte, Phoebe Waller-Bridge hätte ihr komplettes Pulver womöglich schon innerhalb der ersten sechs Folgen verschossen. Keineswegs! Souverän hat die brillante Comedienne, die zur BBC-Serie sowohl das Skript als auch die Hauptrolle beigetragen hat, 2019 noch einen weiteren Schwung erleuchtend schwarzhumorige Halbstünder serviert. Nachdem das Leben der charmant scharfzüngigen Britin nach Staffel eins bereits in Scherben lag, ließ sich Fleabag im Weiteren auf die nächste potenziell destruktive Beziehung ein – durch verbotene Liebeleien mit einem Pfarrer legte sich die dezent vom geraden Weg Abgekommene quasi mit dem Schöpfer höchstpersönlich an. Danke für deine erhellenden Ansichten, "Fleabag" – Staffel zwei wird trotz des superlativlastigen Kritiker- und Fan-Feedbacks aus heutiger Sicht leider die letzte bleiben.   Wer streamt's? Amazon Prime