In Erinnerung an Abbas Kiarostami

Filmmuseum, Wien, 11. bis 30. November 2016

Der Vater der iranischen Kinematografie: Mit dem Tod von Abbas Kiarostami hat das Weltkino einen der meistgeschätzten Regisseure verloren. Das Österreichische Filmmuseum setzt der zentralen Schaffensphase des Künstlers eine beeindruckende Hommage.

Grenzenlos. Wenige Tage nach dem Abbas Kiarostami am 04. Juli 2016 in Paris an seiner Krebserkrankung verstorben war, trug ein trauernder Menschenzug den Sarg des Filmregisseurs durch die Straßen von Teheran. Nicht nur das iranische Kino hatte im Sommer diesen Jahres einen absoluten Ausnahmekünstler verloren: Auch für Regiegrößen wie Jean-Luc Godard oder Martin Scorsese galt Kiarostami als das Maß aller Dinge – eben einer, der die Kinematografie fast eigenständig auf ein neues Level gehievt hatte. Dabei kam der 1940 in Teheran geborene Sohn eines Freskenmalers fast nur durch Zufall mit dem Medium in Berührung, das er später so eindrucksvoll mitprägen sollte: Als talentierter Maler entwirft er in den 1960er Jahren Poster und Werbungen von Kino-Produktionen und kommt durch Umwege zum iranischen TV, wo er zunächst einmal Werbefilme dreht. Als Kiarostami Ende der 1960er die Chance bekommt, die Filmabteilung der Vereinigung zur Förderung der intellektuellen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen (Kanun) aufzubauen, ebnet er seinen eigenen Werdegang als Filmemacher.

„Die Videokamera ist für mich wie ein Visum zur freien Welt“, hatte Abbas Kiarostami in einem Interview mit dem Revolver-Magazin einmal behauptet. Und tatsächlich verschwimmen die Grenzen von Fiktion, Dokumentation und Poesie scheinbar mühelos in seinem Durchbruchswerk Khane-ye doust kojast? (Wo ist das Haus meines Freundes?, 1987), in dem er den Alltag mehrerer Jungs in einem kleinen Bergdorf im Norden des Iran beobachtet. Einen Film im Film, einen zynischen, kreativen und berührenden Spiegel der Einsamkeit des Filmemachens, liefert er in der Folge in seinem Großwerk Nema-ye nazdik (Close-Up, 1990) ab.

Die aufwendige Arbeit mit seinen Laiendarstellern und der Verzicht auf konventionelle Drehbücher brachte Kiarostami den größten Respekt seiner Kollegen ein. Eigentlich hätte der iranische Filmemacher Ende 2016 selbst im Österreichischen Filmmuseum über seine Arbeit und Zugangsweise sprechen und lehren sollen – doch das Leben hatte leider andere Pläne. In der Hommage an den großen iranischen Ausnahmeregisseur kommen Besucher des Filmmuseums nicht nur mit der zentralen Schaffensphase von Kiarostami in Berührung, sondern nehmen die Stimme dieses filmischen Querdenkers stärker denn je wahr.

filmmuseum.at/abbas-kiarostami