Chantal Akerman - Werkschau und Carte blanche

Filmmuseum, Wien, 6. Oktober bis 3. November 2011

Die gemeinsame Retrospektive der VIENNALE und des Österreichischen Filmmuseums ist heuer der großen belgischen Filmemacherin Chantal Akerman gewidmet. Knapp 30 ihrer Arbeiten sind hier versammelt, ergänzt durch Akermans persönliche Auswahl von Werken der Filmgeschichte, die ihren Kinobegriff geprägt haben - von Douglas Sirk bis Wong Kar-wai, von Hitchcock über Bresson, Pasolini, Fassbinder bis Gus Van Sant.

Zufällig war das 15-jährige Mädchen in eine Vorstellung von Jean-Luc Godards Pierrot le fou gestolpert. Von da an wollte Chantal Akerman Filmemacherin werden. Genau zur richtigen Zeit: Die Hippies hatten die sexuelle Revolution und den Feminismus gebraucht,  und plötzlich waren Konventionen nur noch zum Brechen da. Chantal besorgte sich eine Kamera und ein wenig Film. 1968 entstand ihr erster, 13-minütiger Kurzfilm Saute ma ville, der vielen ihrer Verehrer als absolutes Juwel gilt. Seither hat sie mit allen Konventionen der Filmkunst gebrochen; Dramaturgie, Schnitt, Erzählung, all das ließ sie intuitiv aus sich herausfließen, ohne auf die Regeln zu achten, und sie tat dies so kunstvoll, dass man sich dem Sog ihrer Filme kaum entziehen kann. Sie wurde zur Ikone des frühen feministischen Films. Heute ist sie viel mehr. Konventioneller vielleicht, aber auch manisch-depressiv, ausgeschieden aus ihrer jüdischen Gemeinde, eine gequälte Seele, die sich im Drehen von Filmen Luft macht und dabei überwältigend großen Interpretationsspielraum lässt. Die  Werkschau der VIENNALE - vielleicht die interessanteste und aufschlussreichste Retro, die je im Filmmuseum gelaufen ist. (Text: Klaus Hübner)

Infos & Reservierungen

01 / 533 70 54

www.filmmuseum.at