Analog_Digital Media (Ex)Changes

Filmarchiv Austria, Wien, 3. Oktober 2017 bis 28. Jänner 2018

Noch nie verfügte die Menschheit über ein derartig riesiges Medienarchiv wie heute – doch mit dem Umfang kommt auch die Unbeständigkeit. Das Filmarchiv Austria widmet sich der Erhaltung unserer Bilderwelten.

Die Ausstellung

Vor etwa 150 Jahren war das Bewegtbild noch magisches Wunderwerk der modernsten Technik – heute ist es allgegenwärtig. An einem einzelnen Tag wird mittlerweile mehr an Videomaterial auf YouTube hochgeladen, als das gesamte analoge Filmerbe Österreichs aus 120 Jahren umfasst. Doch die neuen Medien bringen auch neue Probleme mit sich: Nicht nur werden dauernd neue Systeme der Datenspeicherung entwickelt (und dadurch andere obsolet): die Speichermedien sind auch alles andere als dauerhaft. Ist Analogfilm von der Zerstörung gefährdet, gibt es Methoden der Restaurierung und Konservierung – sie müssen nur angewendet werden. Digitales Filmmaterial dagegen verschwindet einfach: es existiert nur quasi virtuell und ist ohne entsprechende technische Ausrüstung schlichtweg nicht mehr entschlüsselbar. Eine große Herausforderung für Filmarchive – und ein extrem spannendes Thema. In der Ausstellung Analog_Digital präsentiert das Filmarchiv eine umfangreiche Auswahl von Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler (u. a. Sandra Gibson & Luis Recoder, Lydia Nsiah oder Antoinette Zwirchmayr), die sich auf völlig unterschiedliche Weise mit dem Medium Bewegtbild und seinen Eigenheiten auseinandersetzen – in einer reizvollen Gegenüberstellung von digitalem und analogem Material.

Die Retrospektive

Die Faszination für das digitale Bild entstand schon lange, bevor das digitale Bild überhaupt massentauglich wurde. Begleitend zur Ausstellung läuft die Retrospektive, in deren Rahmen das Spannungsfeld zwischen analog/digital im Erzählkino der letzten Jahrzehnte abgebildet wird. Dazu gehören frühe Digital-Visionen wie Steven Lisbergers wegweisender (und auch stilbildender) SciFi-Actionfilm Tron (1982), David Cronenbergs Techno-Horror-Thriller Videodrome (1983) oder Rainer Werner Fassbinders erstaunlich zukunftssicheres SciFi-TV-Movie Welt am Draht (1973). Pixars Meisterwerk WALL·E (2008), Kathryn Bigelows Strange Days (1995) und natürlich der Wachowskis-Referenztitel The Matrix (1999) beschäftigen sich mit Philosophie und Realität von virtueller Welt vs. Körperlichkeit – und Michael Palms faszinierende Doku Cinema Futures (2016) setzt sich ganz konkret mit der Frage auseinander, wie wir die vergänglichen digitalen Bilderfluten für nachfolgende Generationen halt- und greifbar machen können.

Text: Gini Brenner